Geheimdokumente online: LulzSec greift «rassistische» Polizei an
Aktualisiert

Geheimdokumente onlineLulzSec greift «rassistische» Polizei an

Die Hackergruppe Lulz Security ist in staatliche Computer im US-Bundesstaat Arizona eingedrungen und hat Hunderte vertrauliche Unterlagen im Internet veröffentlicht. Das sei erst der Anfang.

von
dsc
Die illegale Einwanderung aus Mexiko ist im US-Bundesstaat Arizona ein heikles Thema. Hacker werfen der Polizei vor, rassistische Kontrollen durchzuführen. (Archivbild: Keystone)

Die illegale Einwanderung aus Mexiko ist im US-Bundesstaat Arizona ein heikles Thema. Hacker werfen der Polizei vor, rassistische Kontrollen durchzuführen. (Archivbild: Keystone)

Das «Arizona Department of Public Safety» ist von einem Daten-GAU betroffen. Die Hackergruppe LulzSec hat sich in deren Rechner gehackt, umfangreiches Material gestohlen und daraufhin im Internet veröffentlicht. Das entsprechende Datenpaket ist über 440 Megabyte gross und hat es in sich: Unter den veröffentlichten Dokumenten sind persönliche E-Mails, Ausbildungshandbücher und die Namen, Telefonnummern, Adressen und Passwörter von Mitarbeitern der Behörde.

Den Angriff auf die Polizei von Arizona begründet LulzSec mit den strengen, angeblich rassistischen Gesetzen gegen die illegale Einwanderung, die im südlichen US-Bundesstaat gelten. In der Kritik steht auch das sogenannte «Racial Profiling», also das polizeiliche Kontrollieren von Personen allein aufgrund von rassischen Kriterien wie der Hautfarbe.

Telefonnummer ändern

Die Reaktionen auf den jüngsten LulzSec-Coup liessen nicht lang auf sich warten. Mehrere Mitarbeiter des betroffenen Amtes sagten, sie seien am Donnerstagabend mit Anrufen überschüttet worden. Die meisten hätten versucht, ihre Telefonnummer umgehend ändern zu lassen.

Neben vielen für die Öffentlichkeit kaum interessanten Aufzeichnungen soll es auch problematische Schilderungen geben, wie der «BoingBoing»-Blog berichtet, der das umfangreiche Material gesichtet hat. So wird unter anderem erklärt, wie kriminelle Banden und Protestbewegungen von Agenten unterwandert werden können.

Lulz Security droht in einer Mitteilung zum «Chinga La Migra»-Release an, wöchentlich «weitere geheime Unterlagen und peinliche private Einzelheiten von Militär und Polizei» ins Netz zu stellen. Ob die Hackergruppe dabei weitere Behörden in Arizona im Visier hat, ist nicht klar.

FBI informiert

Die Behörden in Arizona ergriffen noch in der Nacht zum Freitag zum Schutz des Computersystems eine Reihe von Gegenmassnahmen, die sie aber nicht weiter erläuterten. Ein Sprecher der Abteilung des FBI in Phoenix erklärte, die Bundespolizei sei über den Hackerangriff unterrichtet. Ob das FBI Ermittlungen aufgenommen hat, sagte er nicht.

In Brüssel teilte die NATO mit, in einem E-Book-Shop der Militärallianz gebe es wahrscheinlich einen Fall von Datendiebstahl. Geheime Daten seien nicht betroffen. Die Website sei blockiert, die Kunden des Shops seien benachrichtigt worden.

Brasilien angegriffen

Auch Internet-Auftritte der brasilianischen Regierung waren erneut Ziel von Hackerangriffen. Die Website des Sportministeriums war am Donnerstag stundenlang nicht abrufbar. Probleme gab es auch mit den Web-Präsenzen des Senats, der zweiten Kammer des Parlaments.

Früher hatte Lulz Security bereits die Websites der brasilianischen Präsidentschaft, des Finanzministeriums und das «Portal Brasil» mit sogenannten Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zeitweise lahmgelegt. Die Gruppe bekannte sich auch schon zu Hackerangriffen auf Sony und die Website des US-Geheimdienstes CIA. (dsc/sda)

Nichts verpassen

Das Ressort Digital ist auch auf Twitter vertreten. Folgen Sie uns und entdecken Sie neben unseren Tweets die interessantesten Tech-News anderer Websites.

Deine Meinung