Aktualisiert 23.10.2003 14:17

Luxus-Puffmutter verurteilt

Ein Schäferstündchen mit den Mädchen von Madame M. kosteten nach Erkenntnissen der Justiz bis zu 1.000 Euro, von denen die Angeklagte 40 Prozent kassierte.

Die Chefin eines internationalen Luxus-Callgirl-Rings ist in Paris zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die 44 Jahre alte Britin, Absolventin einer Ingenieurschule in London und einer Handelshochschule im französischen Reims, muss zudem 150.000 Euro Strafe zahlen. Margaret M. kündigte am Donnerstag umgehend Berufung an.

Die polyglotte Geschäftsfrau hatte vor Gericht erklärt, ihren betuchten Kunden lediglich weibliche Begleitung vermittelt zu haben. Ihre Angestellten seien nie zur Prostitution gezwungen worden. Wenn es doch zu sexuellen Kontakten gekommen sei, dann freiwillig. «Ein schönes Mädchen und ein Mann: Das Ziel eines der beiden ist das Bett», erläuterte sie. Dennoch wurde sie wegen Zuhälterei für schuldig befunden.

Ein Schäferstündchen mit den Mädchen von Madame M. kosteten nach Erkenntnissen der Justiz bis zu 1.000 Euro, von denen die Angeklagte 40 Prozent kassierte. Bei der Festnahme der Britin im Mai vergangenen Jahres beschlagnahmte die Polizei ihren Laptop, auf dessen Festplatte die Namen und Adressen von 430 Callgirls sowie von 30 jungen Männern gespeichert waren. Die meisten arbeiteten in Europa, einige in den USA und Israel. Staatsanwältin Marie-Hilda Gouineau hatte sechs Jahre Haft für diese «Cyber-Zuhälterei» gefordert.

Die zwischen Paris, Athen und Mailand pendelnde M. stellte sich als Opfer einer Intrige und des Mobbings einer jungen deutschen Konkurrentin dar: «Ihr Ziel war es, alle meine Mädchen und Kunden zu stehlen, um meinen Platz einzunehmen», erklärte sie zum Prozessauftakt. «Ich fühlte mich wie Michael Douglas in 'Eine verhängnisvolle Affäre», dem Glenn Close im Nacken sitzt.» Die flüchtige Deutsche Laura M. wurde in Abwesenheit zu drei Jahren Haft und 100.000 Euro Strafe verurteilt.

Zwei Franzosen verschafften der deutschen Konkurrentin einen standesgemässen Rahmen für die Tätigkeiten ihrer Angestellten: Das Gebäude im feinen 16. Pariser Arrondissement steht genau gegenüber dem Hauptquartier der Gendarmerie. Die beiden wurden zu Geldstrafen verurteilt. (dapd)

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