Im Test: Luxus-Stöpsel fürs Ohr
Aktualisiert

Im TestLuxus-Stöpsel fürs Ohr

Der Schweizer Hörgeräte-Hersteller Phonak hat mit dem PFE 232 einen Ohrhörer der Spitzenklasse auf den Markt gebracht. Die Sound-Qualität ist enorm - allerdings hat das Teil einen Pferdefuss.

von
Aurel Stevens
Audéo PFE 232: Dank passiven Filtern lässt sich der Sound individuell anpassen.

Audéo PFE 232: Dank passiven Filtern lässt sich der Sound individuell anpassen.

Phonak verspricht Musikliebhabern in der Packungsbeschreibung des PFE 232 «puren Musikgenuss». In der Tat ist das Hörerlebnis mit den kleinen In-Ohr-Kopfhörern überdurchschnittlich gut. Aber dazu später mehr.

Das Päckchen, das Phonak mit dem PFE 232 geschnürt hat, ist luxuriös: Nebst dem In-Ohr-Kopfhörer sind Silikon- und Schaumstoffpfropfen in je drei Grössen beigelegt. Der PFE 232 kann nicht nur Musik wiedergeben, sondern hat ein Mikrofon eingebaut, das reibungslos mit iPod und iPhone zusammenarbeitet. Gleiches gilt für die Lautstärkeregelung, die auf die iGeräte abgestimmt ist. Das Kabel, das Stereoklinke und Ohrhörer verbindet, kann ausgewechselt werden. Ein hochwertiges Ersatzkabel liegt sogar bei, bei diesem fehlen dann aber Mikrofonfunktion und Lautstärkeregelung. Beide 3,5-mm-Klinkenstecker sind vergoldet.

Ein Klang-Chamäleon

Der Clou sind die insgesamt drei Filteraufsätze, mit denen die Klangcharakteristik angepasst werden kann. Standardmässig sind die grauen Filter eingebaut, die einen ordentlichen Bass und enorm präzise Höhen wiedergeben. Setzt man die schwarzen Filter ein, erlebt man etwas betontere Bässe und etwas weniger Mitte. Die grünen Filter schliesslich sind für Bassliebhaber optimal; sie liefern einen ordentlichen Wumms und ein insgesamt wärmeres Klangbild. Schade, dass im Handbuch nur rudimentär erklärt wird, was sie genau bewirken.

Das Wechseln der Klangfilter ist nichts für Grobmotoriker: Das Werkzeug ist arg klein und die Filter selbst so gross wie der Kopf einer Stecknadel. Wer die Filter auf einem Flusenteppich fallenlässt, dem kann nur viel Glück beim Wiederfinden gewünscht werden. Auf der anderen Seite: Hat man den für sich optimalen Filter einmal gefunden, wird man ihn nicht ständig wechseln. Ein Reinigungswerkzeug und ein kleines Etui mit zwei Fächern runden das Angebot ab.

Auf dem Klanggipfel

Die Erfahrung, die Phonak - die Mutterfirma firmiert seit 2007 als Sonova - mit Hörgeräten, Filtertechnologie und Mikroelektronik aufgebaut hat, ist dem Winzling deutlich anzuhören. Beim hier vorgestellten «Platinum»-Modell haben die Phonak-Entwickler gleich zwei sogenannte Treiber eingesetzt, die für unterschiedliche Frequenzen zuständig sind. Somit bietet der PFE 232 ein bei Ohrhörern selten anzutreffendes 2-Wege-System.

Der Tragekomfort ist gut - auch wenn ich persönlich Kopfhörer bevorzuge, die man nicht tief in den Gehörgang schiebt. Da ich Bummbumm-Sound nicht mag, kommen die grünen Filter nicht in Frage. Die standardmässig eingebauten grauen Filter treffen meinen Klanggeschmack am besten.

Die Höhen sind brilliant, die Mitten ausgewogen und die Bässe ausgezeichnet. Der Ohrhörer schält feinste Details aus der Musik und zaubert ein sehr stimmiges Klangbild in den Kopf. Auf der Plus-Seite sind die Klangqualität, die hochwertige Verarbeitung, das komplette Zubehör und die Anpassungsfähigkeit an individuelle Hörvorlieben zu nennen.

Zugreifen oder nicht?

Es stellen sich drei Fragen. Erstens: Wollen Sie wirklich ein richtig teures und filigranes Gerätchen in der (Hosen-)Tasche transportieren? Zweitens: Sind Sie bereit, Ihre 128kbps-MP3s gegen hochqualitative Musikfiles (192kbps, besser 320kbps, noch besser Apple Lossless) auszutauschen? Und sind Sie bereit, für HiFi richtig Geld auszugeben oder werden Sie auch mit Kopfhörern für 19.90 Franken glücklich? Haben Sie drei Mal mit «Ja» geantwortet, können Sie zugreifen. Ansonsten ist es herausgeschmissenes Geld.

Bleibt der Pferdefuss, von dem die Rede war: 599 Franken sind für die Ohrhörer zu berappen. Eine ganze Stange Geld, mit der sich viele wohl eher eine ganze Kompakt-Stereoanlage zulegen würden. Dabei erscheint der Ohrhörer angesichts des Gebotenen nicht mal besonders überteuert. An der Spitze - und dort spielt der PFE 232 in der Ohrhörer-Liga sicherlich mit - ist die Luft nun mal dünn und der Sauerstoff teuer.

Wer angesichts dieses Preises für das «Platinum»-Produkt leer schluckt: Für 169.- bis 229.- gibts die Ohrhörer aus der «Gold»-Serie (in Schwarz und Weiss erhältlich, mit und ohne Mikrofon, mit und ohne iPhone-Gesprächssteuerung, keine grünen Filter, nur 1-Wege-Ohrhörer, Kabel nicht wechselbar, weniger Gummiaufsätze). Für 89.- gibts das Einsteigerprodukt PFE 012 (grüner Filter fest eingebaut und ohne Mikrofon) oder für 99.- inkl. Mikrofon.

Nachtrag 3.1.2012

Einige Leser haben sich darüber beklagt, dass das Gerät zu sehr als iPhone-Ohrstöpsel präsentiert wurde. Deshalb sei hier ergänzend angemerkt, dass die PFE 232 grundsätzlich mit jedem Gerät, das über eine 3.5mm-Stereobuchse verfügt, betrieben werden kann. Sie tönen dort ebensogut, allerdings funktioniert die Lautstärke- und Telefonieregelung ausschliesslich mit Apple-Geräten.

Weitere Leser ärgerten sich über die Format-Empfehlung «Apple Lossless» und sagen, man solle besser das ebenfalls verlustfreie Format FLAC verwenden. Das ist richtig. Ich persönlich archiviere ebenfalls in FLAC. Tatsache ist, dass die iTunes das gängiste Musikverwaltungssystem ist und mit FLAC nicht kompatibel ist. Deshalb kam es zur obigen Empfehlung.

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