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MilliardäreLuxushotels sind ihr Hobby

Mäzene stopfen nicht nur bei Sportclubs die Löcher. Sie sind auch in der Hotellerie verbreitet und leisten sich Luxushotels als Sammlerobjekte - für die Branche nicht nur von Vorteil.

von
S. Spaeth

Sie sind reich – so reich, dass sie sich den eigenen Sportclub, eine eigene Kunstsammlung oder auch das eigene Hotel leisten können: Für Mäzene steht bei einem Investment nicht die Rendite an erster Stelle. Man will ein Nobelhotel besitzen, weil es chic ist – oder investiert Millionen in ein Segelsyndikat, weil es Prestige bringt.

Mehr als 150 Millionen Franken hat der milliardenschwere Medizinaltechnik-Unternehmer Thomas Straumann vor sieben Jahren ins Basler Hotel Drei Könige investiert, 100 Millionen vor zwölf Jahren ins Gstaader Grand Hotel Bellevue. Nun will er laut Berichten seine Nobelherbergen verkaufen.

Ecclestone und Bertarelli

Straumann ist weit nicht der einzige Mäzen in der Schweizer Hotellandschaft: So besitzen beispielsweise Formel-1-Boss Bernie Ecclestone das Hotel Olden in Gstaad und Serono-Erbin Donata Bertarelli Späth das Gstaader Grand Hotel Park. Unter den «Hoteliers» sind auch der industrielle Thomas Schmidheiny (Grand Hotel Quellenhof, Bad Ragaz und Walsherhof, Klosters) sowie der Financier Urs E. Schwarzenbach. Ihm gehört unter anderem das 2008 wiedereröffnete Zürcher Dolder Grand. Zuvor hatte Schwarzenbach das Nobelhotel für 470 Millionen Franken restauriert.

Mäzene in der Hotellerie sind nicht unproblematische. Ihr Engagement führt laut dem «GastroJorurnal» dazu, dass Betriebe, die nicht rentabel geführt werden müssen, denjenigen ohne spendablen Gönner im Hintergrund das Wasser abgraben. Der auf Gewinn ausgerichtete Hotelinvestor will möglichst rasch eine Rendite von rund fünf Prozent, der Mäzen hingegen sieht sich als Förderer. Ihm reicht eine schwarze Null aus dem operativen Geschäft.

«Der eine Mäzen investiert in Kunst, der andere in ein Hotel», sagt Tourismus-Professor Urs Wagenseil. Wer so einen Geldgeber für sein Hotel habe gewinnen können, sei gegenüber jemandem, der einen Bankkredit zu verzinsen habe, sicher im Vorteil. Von einer Wettbewerbsverzerrung will Wagenseil aber nichts wissen. Die von Mäzenen finanzierten Hotels machten nur den kleinsten Teil der rund 5000 Schweizer Betriebe aus.

Grosse Ausstrahlung

Der Tourismusprofessor sieht in den Mäzenen sogar einen grossen Vorteil. «Mit den Investitionen in Hotels aus der Belle Époque wird viel wertvolle Bausubstanz erhalten.» Diese Art von Betrieben, die ökonomisch kaum zu halten wären, hat laut Wagenseil eine wichtige internationale Ausstrahlungskraft für die entsprechende Region.

Wohlwollend auf die immer grössere Zahl der Hotel-Mäzene reagiert man auch beim Verband Hotellerie Suisse. «Ihr Engagement wirkt sich positiv auf die Branche aus. In der Regel wird in Hotels investiert, die ein Potenzial zur Weiterentwicklung haben», sagt Sprecherin Susanne Daxelhoffer. Der Mäzen selbst sehe sich oftmals als Hotel-Fan, der gleichzeitig an einer stabilen Wertanlage interessiert sei. Von einer Behinderung des Wettbewerbs oder des Strukturwandels kann laut Daxlhoffer keine Rede sein.

Wer kauft Straumanns Perlen?

Als Kaufinteressent für die eingangs erwähnten Hotel-Perlen von Thomas Straumann herumgeboten wird in der Branche unter anderen der Name Qatari Diar Real Estate Investment Company. Die Firma investiert in die Luxushotellerie auf dem Bürgenstock derzeit 485 Millionen Franken.

Bereits im Portfolio der milliardenschweren Investmentgesellschaft im Besitz des Emirs von Katar sind der Berner Schweizerhof und das Hotel Savoy in Lausanne. Dass Straumanns Hotels an einen Schweizer Investor gehen, glaubt Wagenseil eher nicht: «Die grossen Investoren im Hotelbereich kamen in den letzten fünf Jahren primär aus dem Ausland.»

So möchte eine russische Gesellschaft seit fünf Jahren in der Nähe von Crans-Montana 160 Luxusappartements, 350 Hotelzimmer und 50 individuelle Chalets bauen. Und auch das Luzerner «Märchenschloss-Hotel» Château Gütsch befindet sich in russischen Händen. Seit gut zwei Jahren besitzt der Milliardär Alexander Lebedew eine Genehmigung zur Renovation und Erweiterung des Hotels aus der Belle Époque.

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