Empörung in den USA: Luxusreise kurz nach der Beinahe-Pleite

Aktualisiert

Empörung in den USALuxusreise kurz nach der Beinahe-Pleite

Rote Köpfe in Washington: Weniger als eine Woche nach der staatlichen Rettungsaktion für den US-Versicherungskonzern AIG hat das Unternehmen einigen seiner Manager einen Aufenthalt in einem kalifornischen Luxusresort spendiert.

Auf der Rechnung in Höhe von insgesamt 440 000 Dollar standen unter anderem Wellness-Behandlungen, Golf-Trips und Galamenüs. Das teilte der Ermittlungsausschuss des US-Kongresses mit, der sich mit dem Kollaps und der anschliessenden Teilverstaatlichung der American International Group (AIG) beschäftigt.

Empörung im US-Kongress

An dem Ausflug nahmen zwar keine Manager aus dem Bereich Finanzdienstleistungen teil, der für die Probleme der AIG verantwortlich ist. Die Abgeordneten in Washington zeigten sich aber dennoch empört über die hohen Ausgaben so kurz nach der Beinahe-Pleite.

«Die Durchschnittsamerikaner leiden», sagte der demokratische Parlamentarier Henry Waxman. «Sie verlieren ihre Jobs, ihre Häuser und ihre Krankenversicherung. Trotzdem haben es sich AIG-Manager weniger als eine Woche, nachdem die Steuerzahler den Konzern gerettet haben, in einem der exklusivsten Resorts des Landes gutgehen lassen.»

Manager verdient sich goldene Nase

Und gleich noch ein Umstand stösst den Amerikanern nach der teuren Rettungsaktion für das Institut sauer auf: Der mit einem Staatskredit vor der Pleite gerettete US-Versicherer hat seinen für das desaströse Risikogeschäft verantwortlichen Ex-Manager als Berater weiterbeschäftigt - für eine Million Dollar monatlich.

Joseph Cassano durfte nach seinem Rücktritt auch bis zu 34 Millionen Dollar an Gehaltszulagen behalten. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem Aufsichtsausschuss des US- Repräsentantenhauses vorliegen. Vor dem Gremium verteidigte der ehemalige AIG-Chef Martin Sullivan den Beratervertrag. «Ich wollte den 20-jährigen Wissensfundus von Mr. Cassano bewahren», sagte Sullivan.

Der Ausschussvorsitzende Henry Waxman kündigte an, er wolle sich in einem Brief an US-Finanzminister Henry Paulson beschweren. Die Situation sei unfair den Steuerzahlern gegenüber. Die US-Regierung hatte AIG im September mit einem Notkredit über 85 Milliarden Dollar vor dem Kollaps gerettet.

(SDA/AP)

Deine Meinung