Basel: Luxustouristen verzweifeln wegen Zoll
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BaselLuxustouristen verzweifeln wegen Zoll

Bei der Rückforderung der Mehrwertsteuer scheitern einkaufsfreudige Luxustouristen immer öfter an den Öffnungszeiten des Zolls. Das Problem wird nun zum Politikum.

von
sis
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Die einkaufsfreudigen Gäste aus dem Ausland ärgern sich immer öfter, weil sie am Bahnhof SBB an der Erstattung der Mehrwertsteuer scheitern. Grund ist die dortige nur unregelmässig besetze Zollstelle. (Symbolbild)

Die einkaufsfreudigen Gäste aus dem Ausland ärgern sich immer öfter, weil sie am Bahnhof SBB an der Erstattung der Mehrwertsteuer scheitern. Grund ist die dortige nur unregelmässig besetze Zollstelle. (Symbolbild)

Basel Tourismus
Basel Tourismus berichtet, dass täglich verzweifelte Touristen an ihren Informationsschalter gelangen, weil der Zoll am Bahnhof SBB nicht besetzt sei.

Basel Tourismus berichtet, dass täglich verzweifelte Touristen an ihren Informationsschalter gelangen, weil der Zoll am Bahnhof SBB nicht besetzt sei.

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Für Luxusgüter wie teure Uhren oder Schmuck können die Touristen schnell mal Hunderte von Franken zurückverlangen. (Symbolbild)

Für Luxusgüter wie teure Uhren oder Schmuck können die Touristen schnell mal Hunderte von Franken zurückverlangen. (Symbolbild)

Basel Tourismus

Märchenhafte Bergpanoramen, saubere Städte, unberührte Natur. Die Schweiz gilt zu Recht als beliebtes, aber auch kostspieliges Reiseziel, das viele Luxuxtouristen anlockt. Die einkaufsfreudigen Gäste ärgern sich aber offenbar immer öfter, weil sie an der Erstattung der Mehrwertsteuer scheitern. «In Basel ist es am schlimmsten», sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismusverbands (STV), gegenüber der «BZ Basel».

Was Schweizer Einkaufstouristen zusteht, wenn sie in Deutschland shoppen, steht nämlich auch Touristen aus Asien oder den Golfstaaten zu: die Mehrwertsteuerrückerstattung. Wer Rolex-Uhren für zehntausende Franken kauft, will auf eine Rückerstattung von 7,7 Prozent des Kaufpreises kaum verzichten.

Verzweifelte Einkaufstouristen am Bahnhof

Zollstellen sind in Basel aber rar. Es gibt eine am Bahnhof SBB und eine am Euroairport. Jene am Bahnhof ist aber auch während der Öffnungszeiten nur unregelmässig besetzt. Touristen würden oft stundenlang ausharren, sagt der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff gegenüber der «BZ Basel». «Wir haben an unserem Schalter im Bahnhof SBB jeden Tag zehn bis zwölf Touristen, die ganz verzweifelt sind.»

Findige Touristen deponieren ihr Gepäck am Bahnhof und fahren zum Flughafen, wo der Zoll immer besetzt ist, um ihre Mehrwertsteuerrückerstattung abzuwickeln. Auch dafür muss mehr als eine Stunde aufgewendet werden. «Die Rückforderung ist oft nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich», klagt der Basler Nationalrat Christoph Eymann (LDP) in der Zeitung. Weil viele Touristen verärgert ausreisen würden, könne das für das Ferienziel Schweiz rufschädigend sein, fürchtet er.

Diese Befürchtung hat auch der Tourismusverband: «Bisher scheinen die Behörden zu unterschätzen, wie viele Leute von diesen administrativen Hürden betroffen sind», wird Direktorin Gisi zitiert. Ausgerechnet bei diesem Kundensegment sei ein guter Service wichtig, da der Shoppingtourismus immer weiter wachse und für die Schweizer Wirtschaft von grosser Bedeutung sei.

Interpellation an Bundesrat

Mittlerweile ist das Problem in Bundesbern angelangt. Der Nationalrat sei nach Absprache mit dem Schweizer Tourismusverband mit einer Interpellation an den Bundesrat herangetreten. Mehr Kundenfreundlichkeit sei das Ziel. Neben verlängerten Öffnungszeiten habe man auch Alternativen angeboten, wie zum Beispiel, die Ausstellung der Ausfuhrbestätigung den Tourismusbüros zu überlassen.

Anders als Tourismusdirektor Egloff, der positiv in die Zukunft blickt, hält Eymann die Interpellation nicht für erfolgsversprechend: «Ich werde das Gefühl nicht los, dass gar kein Interesse daran besteht, etwas zu ändern. Offenbar behält man das Geld lieber in der eigenen Kasse. Immerhin geht es schweizweit um Millionen.»

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