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IntegrationLuzern will Ressourcen von Secondos nutzen

Die Stadt Luzern setzt auf mehrsprachige Einwohner: Ohne sie hätte die Stadt in Verwaltung, Tourismus, Kultur und Sport keine Chance, heisst es.

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gwa/sda

«Sehr viele zugewanderte Personen haben einen grossen Ehrgeiz – bezogen auf sich selbst und auch auf das Zusammenleben in der Gesellschaft», sagt Sibylle Stolz, Integrationsbeauftragte der Stadt Luzern. Wer erst einmal integriert sei, setze sich überdurchschnittlich für die Gesellschaft ein. Zugewanderte und deren Kinder hätten viele Ressourcen, die es zu erkennen und nutzen gelte, heisst es auch im jüngsten Bericht zur Integrationspolitik der Stadt Luzern.

So sieht die Stadt denn auch grosses Potenzial in der Mehrsprachigkeit der Zuwanderer. Denn: 17 Prozent der über 15-jährigen Luzerner gaben bei einer Erhebung des Bundes 2012 an, zwei oder mehr Hauptsprachen zu sprechen. «Solche Leute nehmen etwa in Beruf, Vereinen oder Familie oftmals eine vermittelnde Funktion ein. Das ist wichtig für den Zusammenhalt und das Verständnis untereinander», so Stolz. Institutionen und Vereine könnten dies vermehrt nutzen, was wiederum auch die Integration der Beteiligten stärke.

Neuzuzüger sollen eingebunden werden

Das Potenzial der Mehrsprachigkeit auszuschöpfen komme der Stadt als Ganzes zugute: «Luzern ist als Stadt international positioniert», sagt Stolz. In verschiedenen Gebieten sei es hilfreich, wenn man neben der Muttersprache etwa auch Englisch oder andere Sprachen spricht. «Tourismus, Kultur und Sport verleihen der Stadt einen internationalen Charakter. Allein mit Einheimischen wäre das wohl schwierig. Es braucht Leute von aussen, die mit einem anderen Hintergrund auf die Dinge blicken.» Die Stadt als spannendes urbanes Umfeld entstehe durch die Luzerner Identität gepaart mit Impulsen von aussen.

Aber auch die Stadt selbst will auf das Potenzial der Zuwanderer setzen: «Auch wir als Verwaltung sind gefordert. Mehrsprachigkeit kann auch bei uns sinnvoll eingesetzt werden», sagt Stolz. So verstehen nicht alle Kunden am Schalter Deutsch. In solchen Fällen ist es praktisch, wenn jemand die Sprache des Kunden beherrscht. Für Elterngespräche in Schulen werden hingegen interkulturelle Dolmetscher eingesetzt.

Anlässe und Kurse

Von der Stadt gefördert werden etwa interkulturelle Netzwerke: Diese organisieren beispielsweise Begegnungsanlässe oder Sprachkurse in den Quartieren. «Die Gruppen schrieben Neuzuzüger auch an und laden sie ein zum Mitmachen», sagt die Integrationsbeauftragte. Beispiele dafür sind etwa der Verein «Zusammen leben Maihof-Löwenplatz», der auf Initiative der städtischen Integrationsfachstelle ins Leben greufen wurde, oder die Expat-Organisation «Living in Luzern». Die Fachstelle Integration organisiert zentrale Begrüssungsveranstaltungen für Neuzuzüger oder leistet finanzielle Unterstützung für spezifische Integrationsprojekte in den Quartieren.

In der Stadt Luzern lebten Ende 2013 rund 19'300 ausländische Personen mit ständigem Wohnsitz. Sie machten knapp 24 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Neben allen Abteilungen der Stadtverwaltung und der Fachstelle Integration mit 180 Stellenprozenten stehen dem Stadtrat für die Integrationspolitik ein Förderungskredit von 145'000 Franken zur Verfügung. Seit 2014 verantwortet die Stadt zudem dank einer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton zusätzliche Gelder von knapp 133'000 Franken.

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