Praxis geschlossen: Luzerner Arzt verliert wegen Corona-Kritik alle Angestellten

Publiziert

Praxis geschlossenLuzerner Arzt verliert wegen Corona-Kritik alle Angestellten

Weil er die Behörden für ihre Massnahmen gegen das Coronavirus kritisierte, hat die ganze Belegschaft eines Arztes gekündigt. Seine Praxis ist momentan zu.

von
Gianni Walther
1 / 7
Der Luzerner Arzt* an der Kundgebung gegen die Corona-Massnahmen in Altdorf.

Der Luzerner Arzt* an der Kundgebung gegen die Corona-Massnahmen in Altdorf.

Screenshot
Neben Reden an Demos hat er auch in Briefen an die Behörden die Corona-Massnahmen kritisiert.

Neben Reden an Demos hat er auch in Briefen an die Behörden die Corona-Massnahmen kritisiert.

Screenshot
Bei der Demo gegen die Corona-Massnahmen in Uri waren über 300 Personen dabei.

Bei der Demo gegen die Corona-Massnahmen in Uri waren über 300 Personen dabei.

20 Minuten

Darum gehts

  • Wiederholt hat ein Luzerner Arzt den Bund für Massnahmen gegen das Coronavirus kritisiert.

  • Nun wollen seine Mitarbeiterinnen nicht mehr mit ihm arbeiten: Die ganze Belegschaft seiner Praxis hat gekündigt.

  • Seine Praxis ist vorübergehend geschlossen.

  • Im Oktober will der Arzt seine Praxis wieder öffnen.

Immer wieder kommt es in jüngerer Zeit zu Demonstrationen gegen die Corona-Politik des Bundes – so etwa am Samstag in Zürich, wo unter anderem Gäste wie Marco Rima oder Andreas Thiel eingeladen waren. Auch im Kanton Uri kam es kürzlich zu einer solchen Demonstration. Einer der Redner bei jener Demo war ein Luzerner Facharzt für allgemeine innere Medizin*, auch in Zürich trat er schon bei einer Kundgebung auf.

Seine Kritik an den Massnahmen des Bundes hat nun Folgen: Seine gesamte Belegschaft hat gekündigt. «Die Mitarbeiterinnen vertreten eine andere Meinung, weshalb sie nicht mehr mit mir arbeiten wollen», sagt der Arzt zu Nau.ch. Es handle sich um zwei Ärztinnen und drei medizinische Praxisassistentinnen. Und: «Sie werfen mir vor, die Politik in die Praxis geholt zu haben.» Seine Praxis in Ebikon LU sei deswegen vorübergehend geschlossen.

Leere Wartezimmer

Neben Demo-Auftritten war der Arzt etwa auch beteiligt an einem offenen Brief an Bundesrat Alain Berset, in dem mehrere Luzerner Hausärzte die Corona-Massnahmen des Bundes kritisierten. Patienten hätten aus Angst vor einer Ansteckung Termine in Arztpraxen abgesagt: «Warum müssen viele von uns Kurzarbeit anmelden, warum sind unsere Wartezimmer leer und warum stellen wir keine gefährlichen Infektionen fest?», heisst es im Schreiben. Die Lebensqualität würde «in einem nicht akzeptablen Masse» eingeschränkt.

Insgesamt habe er drei solche Briefe mitverfasst. So mache er sich etwa gegen Masken stark: «Für mich ist erwiesen, dass die Maske nicht schützt, ausserhalb des Spitals sogar schädlich sein kann. Ich habe bisher keine Studie gesehen, die mich vom Gegenteil überzeugt», sagt er zum Portal weiter. Ein Corona-Skeptiker sei er nicht, sondern ein gewöhnlicher Schulmediziner, der dem Wohl seiner Patienten verpflichtet sei. «Darum bin ich Skeptiker der unverhältnismässigen Massnahmen, die ihnen schaden.»

Seine Praxis wolle der Arzt* Anfang Oktober wieder öffnen. Er habe bereits eine neue Mitarbeiterin gefunden. Diese müsse seine Skepsis nicht teilen, aber seine Haltung in der Sache akzeptieren.

Deine Meinung