«Wöchentlich Biber-Probleme» – Luzerner Gemeinden kämpfen zunehmend mit Biber-Schäden
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«Wöchentlich Biber-Probleme»Luzerner Gemeinden kämpfen zunehmend mit Biber-Schäden

Die Biber breiten sich in Luzern stetig aus. Der geschützte Nager führt dabei auch zu Problemen: Betroffene Gemeinden kämpfen mit gefällten Bäumen, gestauten Flüssen oder eingestürzten Wegen. «Wir müssen lernen, mit den Bibern zu leben, statt sie zu bekämpfen», sagt Wildhüter Christian Hüsler.

von
Michelle Muff
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Er nagt Holz und staut Wasser: Die Biber-Population ist in der Schweiz am Zunehmen.

Er nagt Holz und staut Wasser: Die Biber-Population ist in der Schweiz am Zunehmen.

Christof Angst
Früher war der Nager in ganz Europa verbreitet, Anfang des 20. Jahrhunderts war durch intensive Jagd sein Verbreitungsgebiet stark reduziert. 

Früher war der Nager in ganz Europa verbreitet, Anfang des 20. Jahrhunderts war durch intensive Jagd sein Verbreitungsgebiet stark reduziert. 

Christof Angst
150 Jahre lang galt der Biber in der Schweiz als ausgerottet. Zwischen 1956 und 1977 wurden in der Schweiz 140 Biber ausgesetzt. Bis Mitte der 1990er-Jahre entwickelte sich die Schweizer Nager-Population nur langsam – seither stellt man eine rasche Ausbreitung fest. 

150 Jahre lang galt der Biber in der Schweiz als ausgerottet. Zwischen 1956 und 1977 wurden in der Schweiz 140 Biber ausgesetzt. Bis Mitte der 1990er-Jahre entwickelte sich die Schweizer Nager-Population nur langsam – seither stellt man eine rasche Ausbreitung fest. 

Christof Angst

Darum gehts

150 Jahre lang galt der Biber in der Schweiz als ausgerottet – seit der Aussetzung mehrerer Biber Anfang der 1970er-Jahre ist der Nager nun in die hiesigen Gewässer zurückgekehrt. Auch im Kanton Luzern haben sich die Tiere niedergelassen: Schwerpunkte der Luzerner Biber liegen im Reuss- sowie im Wiggertal. Das Problem: Kaum ein anderes Tier passt seinen Lebensraum so stark seinen Bedürfnissen an wie der Biber. In kurzer Zeit kann er eine Landschaft komplett verändern. Das bekommen betroffene Gemeinden zu spüren. So etwa in Buchrain: «Wir haben wöchentlich mit Angelegenheiten zu tun, die durch die Biber verursacht wurden», sagt Gemeinderat Heinz Amstad. 

Insbesondere Wald- und Grundeigentümern bereiten die Tiere Probleme, so Amstad: «Die Biber haben in Buchrain schon viele markante Bäume wie alte Eschen und Eichen gefällt. Auch kam es durch die von Biberdämmen gestauten Flüsse schon zu Übernässung und Überschwemmungen umliegender Wiesen. Und wir haben immer wieder mit eingestürzten Wegen zu kämpfen, da der Biber sich in die Flussböschungen gräbt.»

«Man muss Sicherheitsvorkehrungen treffen»

Für die Gemeinde bedeuten die Biber einen Mehraufwand, sagt Amstad. «Wir müssen die Gewässer und umliegende Landschaft stets untersuchen. Und Sicherheitsvorkehrungen treffen, wie angenagte Bäume fällen, damit diese nicht auf Spazierwege und Strassen fallen.» Es sei auch schon vorgekommen, dass man in Absprache mit der Dienststelle Landwirtschaft und Wald einen Damm entfernen musste. «Die Tiere bedeuten Freude und Leid zugleich: Gerade die Anwohner in Wassernähe empfinden es als mühsam. Trotzdem entwickeln wir Strategien, um mit den Tieren gemeinsam zu leben.»

«Landschaftsbilder verändern sich, wenn Biber am Werk sind»

Laut Christian Hüsler, Wildhüter bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald Luzern, beherberge es grosses Konfliktpotential, wenn die Lebensräume von Biber und Menschen aufeinandertreffen: «Das Landschaftsbild verändert sich, sobald Biber am Werk sind. Da der Biber für seine Ernährung und seine Bauten viel Holz benötigt, können in einem Gebiet mit der Zeit ein Grossteil der Bäume verschwinden.»

Auch verändere sich durch die Biberdämme der Wasserpegel, so Hüsler: «Das Wasser in ebenem Gelände wird mehrere Hundert Meter weit gestaut. Das wiederum kann zu Überschwemmungen oder Verstopfungen von Durchlässen, also künstlichen Wasserabflussrohren, führen. Das ist im vergangenen Jahr in der Gemeinde Pfaffnau passiert: Mehrere Keller wurden geflutet.» Zudem sei es auch ein Problem, dass die Biber manchmal Mais- und Zuckerrübenfelder fressen.

Päventionsmassnahmen für friedliches Miteinander

Es sei jedoch möglich, dass Biber und Mensch friedlich nebeneinander leben, so Hüsler. «Man muss in Bibergebieten Präventionsmassnahmen treffen, um Schäden zu verhindern. Wertvolle Bäume kann man mit Gitterkörben einzäunen, um Maisfelder müssen Elektrodrähte gespannt werden.» Je nach Fall könne es auch sein, dass man den Wasserpegel künstlich senken oder einen Damm entfernen muss: «Wir müssen lernen, mit dem Biber zu leben, statt ihn zu bekämpfen.»

«Biber ist ein grosser Biodiversitätsförderer»

Laut Christof Angst, Leiter der Biberfachstelle des Bundesamts für Umwelt BAFU muss ein Umdenken stattfinden: «Mit den vom Biber verursachten vermeintlichen Schäden tut der Nager der Natur sehr viel Gutes. Durch seine aktive Lebensweise fördert er die Biodiversität wie kaum ein anderes Tier.» Dank des Fällens der Bäume würde mehr Licht an Uferböschungen gelangen, mit den Dämmen schafft er dynamische Lebensräume für verschiedenste Tiere: «Wo der Biber lebt, steigt die Artenvielfalt.»

Deswegen sei es wichtig, dass man sein Vorkommen so weit wie möglich toleriere: «Auch wir Menschen sind auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Als Gesellschaft müssen wir der Natur genügend Raum geben.» Der Biber habe sich seit seiner Weiterverbreitung sehr positiv auf die Schweizer Biodiversität ausgewirkt: «Wir müssen uns um ein friedliches Nebeneinanderleben von Mensch und Biber bemühen.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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