Aktualisiert 07.02.2017 18:23

AstrofotografLuzerner hat Heimweh nach den Sternen

Der 35-jährige Landschafts- und Astrofotograf Fabio Crudele aus Luzern macht Bilder vom All. Dafür nimmt er auch schlaflose Nächte in Kauf.

von
Nicole Agostini

Der 35-jährige Astrofotograf macht Bilder vom All. Er hat eine Vorliebe für Nachtaufnahmen und interessiert sich vor allem für die Milchstrasse und Deep Sky.

Fabio Crudele (35) aus dem Entlebuch ist gelernter Schreiner, hat sich aber schon immer für Astronomie, das Universum und alles darin Enthaltene interessiert. Vor vier Jahren hat er seine «unbändige Leidenschaft» zum Beruf gemacht. Er fotografiert mit astro-modifiziertem Equipment Landschaften und Sterne, verkauft die Aufnahmen und gibt Kurse und Workshops.

Sein Fokus sind Nachtaufnahmen: Er interessiert sich vorwiegend für die Milchstrasse und den Deep Sky, das Dunkel des Alls. Bei der Suche nach anderen Galaxien sei der kalte Winter als Jahreszeit ideal: «Die Nächte sind länger und es ist richtig dunkel», erklärt Crudele. Der Sommer eigne sich aber besser, um die Milchstrasse und Landschaften abzulichten.

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Etappenweise kaufte sich der mittlerweile professionelle Astrofotograf das dazugehörige Equipment, um seiner Leidenschaft, der Astrofotografie, nachzugehen.

Etappenweise kaufte sich der mittlerweile professionelle Astrofotograf das dazugehörige Equipment, um seiner Leidenschaft, der Astrofotografie, nachzugehen.

Fabio Crudele
Um in die Tiefe des dunklen Alls zu sehen, übersetzt vom Englischen deep sky, wird vom Fotografen viel Geduld und eine lange Belichtungszeit verlangt. Im Bild: M31 Andromeda

Um in die Tiefe des dunklen Alls zu sehen, übersetzt vom Englischen deep sky, wird vom Fotografen viel Geduld und eine lange Belichtungszeit verlangt. Im Bild: M31 Andromeda

Fabio Crudele
Deep Sky Bild: M42 Orion Nebel

Deep Sky Bild: M42 Orion Nebel

Fabio Crudele

«Ist es Fernweh oder ist es Heimweh?»

Der «Astrovirus» hat ihn gepackt, nachdem er öfters im Sommer mit seinem 12-jährigen Sohn und einem Teleskop Sterne beobachtete. «Unter dem Sternenhimmel kam ich ins Philosophieren und fragte mich öfters, ob mein Gefühl, wenn ich ins All schaute, Fernweh oder Heimweh ist.» Der Wunsch, die erlebten Momente in Bilder festzuhalten, wurde immer grösser. Schliesslich kaufte er nach und nach das entsprechende Equipment. Das Fachwissen über das All und die Sterne eignete er sich autodidaktisch an, ebenso das Handwerk der Astrofotografie.

Um die Bilder machen zu können, verbringt er schlaflose Nächte, denn die Belichtung der Aufnahmen beginnt bei Sonnenuntergang und dauert bis am nächsten Morgen. Die Deep-Sky-Astrofotografie sei die Königsdisziplin der Fotografie. «Es braucht Unmengen an Geduld, Fachwissen und vor allem ganz viel Belichtungszeit, um die feinen Strukturen, die Lichtjahre entfernt sind, in der digitalen Bildbearbeitung darstellen zu können», so Crudele.

Neues Lebensgefühl

Mit Hilfe eines speziellen Programms könne er online den aktuellen Sternenhimmel stets beobachten und sein nächstes Projekt planen. Das Wetter spiele dabei die Hauptrolle. Das zwingt ihn ständig, spontan zu agieren. Mittlerweile habe er ein Gespür für das Wetter entwickelt – und auch sein Leben habe sich verändert: Durch die Astrofotografie habe er eine neue, lockerere Lebensphilosophie gewonnen. «Das Licht von gewissen Sternen kann 25 Jahre alt sein, da merkt man, wie alles vergänglich ist und dass manche Probleme, die wir haben, nichtig sind. Wir sehen alles zu spät. Unsere Galaxie ist von Weitem nur ein kleiner Punkt – das macht einen demütig.»

Lichtverschmutzung als Feind

Seine Bilder produziert er meist in der Schweiz, Crudele war aber auch schon im Ausland unterwegs, etwa in Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Sein grosser Traum sei Afrika, da es im Vergleich zu Europa kaum unter Lichtverschmutzung leide. In der Nähe von Städten und Agglomerationen sei zu viel Licht vorhanden: «Mit der empfindlichen Kamera wäre das Resultat ein weisses Bild.»

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