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«Sorgenkind» OnlinehandelLuzerner Kantonschemiker warnt vor Betrügern

Bei 88 Prozent der überprüften Produkte im Onlinehandel hat die Lebensmittelkontrolle Mängel festgestellt. Dagegen vorzugehen, sei schwierig, sagt Kantonschemiker Silvio Arpagaus.

von
Noah Knüsel
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Von 17 geprüften Produkten auf 11 Websites hat die Luzerner Lebensmittelkontrolle bei 15 Mängel festgestellt. Das entspricht einer Quote von 88 Prozent.

Von 17 geprüften Produkten auf 11 Websites hat die Luzerner Lebensmittelkontrolle bei 15 Mängel festgestellt. Das entspricht einer Quote von 88 Prozent.

Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz
Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz

Über 6600 Proben hat die Luzerner Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz im 2016 genommen. Den Onlinehandel bezeichnet Kantonschemiker Silvio Arpagaus als «Sorgenkind». Denn: Von 17 Produkten auf 11 Websites wurden bei 15 Mängel festgestellt. Das entspricht einer Quote von 88 Prozent.

Mehrheitlich seien Nahrungsergänzungs- oder Schlankheitsmittel beanstandet worden, die als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten angepriesen worden seien. Arpagaus: «Lebensmittel dürfen nicht als Heilmittel verkauft werden, diese müssten als Arzneimittel geprüft und zugelassen werden.»

Krebsheilung wurde versprochen

Produkte, die nicht die Wirkung hätten, mit der sie beworben würden, müssten nicht unbedingt schädlich sein, sagt der Kantonschemiker: «Die Konsumenten wurden einfach getäuscht. Wenn aber jemand versucht, eine reale Krankheit mit einem unwirksamen Präparat zu bekämpfen, kann er schnell ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen.» In einem Fall seien sogar Inhaltsstoffe gefunden worden, die in der Schweiz verboten seien. Um welches Produkt es sich handelt, darf Arpagaus nicht sagen, es sei aber inzwischen aus dem Verkehr gezogen worden.

Dieses Jahr habe es zwar keine krassen Fälle von Falschwerbung gegeben, aber: «Es wurden aber auch schon Lebensmittel als krebsheilend angepriesen.» Es gebe beim Bund eine Liste von Lebensmitteln, bei denen gesundheitsbezogene Angaben gemacht werden dürfen, erklärt Arpagaus: «Darunter fällt zum Beispiel, dass Calcium für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung der Knochen bei Kindern benötigt wird. Will man etwas Neues zur Liste hinzufügen, muss man das wissenschaftlich belegen.»

Gegen Betrüger vorzugehen, ist schwierig

Generell sei überall, wo Nahrungsergänzungsmittel im Zusammenhang mit Krankheiten beworben würden, Vorsicht geboten, so der Kantonschemiker. Oft seien diese Websites aber sehr professionell aufgemacht, sodass schnell ein falscher Eindruck von Seriosität entstehen könne. Gegen solche Betrüger vorzugehen, sei schwierig, sagt Arpagaus: «Wir können beispielsweise eine Domain blockieren. Aber dann wird das Produkt einige Tage später halt unter einer anderen Adresse verkauft.»

Auch könne man nicht wie bei einem physischen Laden hingehen und Proben nehmen, sondern müsse diese beim Verkäufer bestellen. «Wenn die sehen, wer bestellt, sagen sie, das Produkt sei ausverkauft, oder wir erhalten gar keine Rückmeldung.» Verdeckt Proben zu bestellen, sei rechtlich nicht erlaubt.

Doch etwas Besserung ist in Sicht: «Mit dem neuen Lebensmittelgesetz, das am 1. Mai in Kraft getreten ist, müssen alle Angaben, die auf der Etikette des Lebensmittels stehen, auch online verfügbar sein.» Das sei ein Schritt in Richtung mehr Transparenz. Und der Kantonschemiker relativiert: «Viele der überprüften Websites und Produkte waren bereits im Vorfeld als verdächtig aufgefallen.»

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