Wegen Aufhebung der Massnahmen – Luzerner Kleinwirte müssen plötzlich Tische auf Aussenflächen räumen

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Wegen Aufhebung der MassnahmenLuzerner Kleinwirte müssen plötzlich Tische auf Aussenflächen räumen

Während der Corona-Krise erlaubte die Stadt Luzern Gastrobetrieben die Bestuhlung von zusätzlichen Aussenflächen. Während 100 Betriebe so weiterfahren dürfen, müssen sieben Kleinbetriebe verzichten. «Wir sind enttäuscht», sagt eine Wirtin.

von
Michelle Muff
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«Ich bin enttäuscht», sagt Lena Zürcher. Die Inhaberin des Taburettlis erfuhr am Samstag, dass sie drei Tische auf der Zusatzfläche räumen muss, die ihr während der Corona-Krise von der Stadt Luzern zur Verfügung gestellt wurde. 

«Ich bin enttäuscht», sagt Lena Zürcher. Die Inhaberin des Taburettlis erfuhr am Samstag, dass sie drei Tische auf der Zusatzfläche räumen muss, die ihr während der Corona-Krise von der Stadt Luzern zur Verfügung gestellt wurde. 

Lena Zürcher
Auch andere Restaurants und Bars durften seit Frühling 2020 auf zusätzlichen Aussenflächen bestuhlen – damit sollte die durch die Corona-Massnahmen limitierte Nutzung von Innenräumen kompensiert werden.

Auch andere Restaurants und Bars durften seit Frühling 2020 auf zusätzlichen Aussenflächen bestuhlen – damit sollte die durch die Corona-Massnahmen limitierte Nutzung von Innenräumen kompensiert werden.

Lena Zürcher
«Die zusätzlichen Tische hatten meine Existenz gerettet», so Zürcher. Im Dezember habe man ihr noch mitgeteilt, dass sie auch diesen Sommer die Fläche nutzen könnte. 

«Die zusätzlichen Tische hatten meine Existenz gerettet», so Zürcher. Im Dezember habe man ihr noch mitgeteilt, dass sie auch diesen Sommer die Fläche nutzen könnte. 

Lena Zürcher

Darum gehts

  • Wegen Corona wurden Luzerner Gastrobetrieben zusätzliche Aussenflächen zur Verfügung gestellt.

  • Sieben Gastro-Kleinbetriebe müssen die Flächen aber bis Ende März räumen.

  • «Die zusätzlichen Tische haben unsere Existenz gerettet», sagt eine Wirtin. 

  • Die FDP und SP fordern eine Verlängerung der Zusatzflächen. 

Während zwei Jahren wurde in der Luzerner Innenstadt auf Parkplätzen gespeist und getrunken statt parkiert: Restaurants und Bars durften seit 2020 zusätzliche Aussenflächen nutzen – damit sollte die durch Corona-Massnahmen limitierte Nutzung von Innenräumen kompensiert werden. Während grössere Betriebe mit der Einreichung eines Baugesuchs die Trottoirs und Parkplätze weiterhin nutzen dürfen, müssen Gastro-Kleinbetriebe die Zusatzflächen räumen, berichtet Zentralplus. Sieben Betriebe sind betroffen – darunter auch das Café Taburettli. «Am Samstag erhielt ich ein Schreiben, dass ich ab Ende März keinen Anspruch mehr auf die Fläche habe. Das kam unerwartet und ist für mich eine Enttäuschung», so Lena Zürcher, Inhaberin des Taburettli.

Der Kanton Luzern hatte laut Zürcher noch im Dezember mitgeteilt, dass dies auch diesen Sommer möglich sein wird: «Ich war extrem froh, denn die Einbussen, die die Kasse während Corona erlitt, sind nach wie vor nicht aufgeholt.» Dass sie nun auf drei Tische verzichten muss, löst bei ihr finanzielle Ängste aus: «Die Tische sicherten die Existenz. Dass die Stadt nun plötzlich den Kurs ändert, finde ich eine Frechheit.» Die Gründe des Verbots versteht sie nicht: «Die drei Tische stehen auf einem breiten Trottoir zwischen zwei Bäumen – ich nehme damit niemandem Platz weg. Im Gegenteil: Die Passanten freuen sich, dass die Ecke belebt ist.»

«Wünschte mir mehr Feingefühl der Behörden»

Auch das Restaurant Neville’s ist betroffen. Inhaber Neville Seneviratne sagt, die Zusatzfläche bedeutete für ihn einen riesigen Mehrwert: «Ich konnte den Umsatz steigern.» Er habe sogar 700 Franken in eine Absperrung der Fläche investiert, die die Stadt von ihm verlangt hatte: «Die Absage ist eine Enttäuschung. Ich hätte mir bessere Kommunikation und mehr Feingefühl gewünscht. Vielleicht hätte man sich dann auf einen Kompromiss einigen können.» So wäre er auch bereit, für die Nutzung der Flächen zu bezahlen.

Es fehlen die rechtlichen Grundlagen

Man bedauere den Unmut der Betriebe, sagt Martin Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. Die Take-Aways, Cafés und Bars, die unter die Kategorie Verpflegungsstände fallen, verfügen laut ihm über spezielle Bewilligungen des Kantons: «Diese erlauben eine Gesamtbetriebsfläche von bloss 25m2. Nach dem Ende der COVID-19-Einschränkungen durch den Bund fehlen nun die rechtlichen Grundlagen, um die nutzbare Wirtschaftsfläche weiterhin zu vergrössern und auf Parkplätze oder Trottoirs erweitern zu lassen.»

Im Dezember 2021 gingen Stadt und Kanton noch davon aus, dass auch 2022 weitreichende Einschränkungen für die Gastronomie bestehen würden, so Lütolf: «Überraschenderweise war das jedoch mit Aufhebung der Massnahmen bereits per 17.2.2022 nicht mehr der Fall.» 

SP und FDP fordern Verlängerung der Ausnahmen

Bei der SP und FDP hält man nicht viel von den Auflagen. «Es fehlt das Fingerspitzengefühl der Bewilligungsbehörden», sagt SP-Grossstadtrat Gianluca Pardini. Viele Betriebe seien weit davon entfernt, die Einbussen wieder aufgeholt zu haben: «Die Zusatzflächen wären eine einfache und unbürokratische Lösung, Gastrobetriebe weiterhin zu unterstützen», so Pardini.

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, betont Pardini: «Die Ansteckungszahlen sind nach wie vor hoch. Es ist wichtig, den Gästen auch Aussenbereiche anbieten zu können.» Er fordert, dass man den Betroffenen weiterhin entgegenkommt: «Das schadet niemandem – es wäre sehr schade, würden wir unsere Kleinbetriebe verlieren.»

«Übergangslösung soll weitergezogen werden»

Kantonsrat Thomas Meier (FDP) findet, man dürfe den Betrieben nicht noch weitere Steine in den Weg legen: «Die Gastrobetriebe hatten es in den letzten zwei Jahren schwer genug. Eigentlich müsste es ja auch im Sinne des Kantons sein, dass die Gastronomen möglichst schnell gesunden und die Härtefallgelder wieder zurückzahlen können.» Die Übergangslösung zur Nutzung von Aussenflächen sei gut: «Sie soll noch eine Weile weitergezogen werden.»

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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