Aktualisiert 23.01.2019 07:29

LConeLuzerner Rapper zeigt auf Insta seinen Kontostand

Er schafft mit seinen Songs Hunderttausende Streams, tritt regelmässig auf. Doch reich wird der Luzerner Rapper LCone nicht. Auf Insta veröffentlicht er seinen aktuellen Kontostand.

von
Martin Fischer

LCone teilt seinen Kontostand mit der Welt – ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. (Video: Tamedia/Wibbitz/Instagram)

Vor wenigen Tagen bedankte er sich bei seinen Followern für über 300'000 Spotify-Streams seines Songs «Bäumli». Auch das 2018er Album «Aaaschiss» ist schon hunderttausendfach gestreamt worden. Doch der Luzerner Rapper LCone verdient damit kein grosses Geld.

Auf Instagram hat er am Montagabend seinen Kontostand publik gemacht. Nicht mal 30 Franken hat Livio Carlin (24), wie er bürgerlich heisst, zurzeit zur Verfügung. Bis Ende der Woche sein Praktikumslohn überwiesen wird, dokumentiert der Student und Musiker, wie er mit so wenig Geld über die Runden kommt. Hier erklärt LCone, weshalb er seine Geldsituation öffentlich macht.

Livio, ist das dein tatsächlicher Kontostand, den du gepostet hast?

Ja, das ist hundert Prozent real, mein Kontoauszug. Ich habe 28.80 Franken auf dem Privatkonto und auf dem Sparkonto bin ich 10 Franken im Minus. Ich habe keine andere Konten. Das ist die Situation.

Wieso teilst du den mit der ganzen Welt?

Ich finde es erfrischend, auf Instagram mal etwas Ehrliches zu posten. Ich denke, da können viele mitfühlen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Hat es Überwindung gebraucht?

Nein, nicht wirklich. Das passt zu mir und meiner Art. Und es ist ja auch witzig gemeint.

«Ich finde es erfrischend, auf Instagram mal etwas Ehrliches zu posten.»

Inwiefern?

Ich lebe ja nicht am Existenzminimum. Ich bin einfach ein Musiker und Student, der mit wenig Geld auskommen muss – und schlecht mit Geld umgehen kann.

Steckst du mitten im Januarloch?

Dass das Geld knapp ist, ist eher Dauerzustand. Diesen Januar trifft es mich aber besonders hart. (lacht)

Wie waren die Reaktionen?

Mir haben einige Leute ihre Kontoauszüge geschickt. Viele haben mir geschrieben, dass es ihnen gleich gehe. Oder noch ein bisschen schlechter. Ein paar haben mir sogar Geld überwiesen.

Wie viel denn?

Gar nicht so wenig! Aber da fühle ich mich schon ein bisschen schlecht dabei, ich werde es zurücküberweisen. Ich habe wirklich viel Solidarität erlebt.

LCone «Dihei»: Im Song spricht er unter anderem auch über Geld und Rapper-Ruhm. (Youtube: FarmoreTV)

Dein Fazit nach den ersten Reaktionen?

Es hat gutgetan, das öffentlich zu machen. Die Kommentare zeigen mir, dass ich nicht allein bin damit. Und hoffentlich helfe ich damit auch anderen.

«Rapper ist ein Liebhaberjob. Man verdient wenig.»

Willst du mit deinen Posts auch drauf aufmerksam machen, dass man als Musiker hartes Brot isst?

Es gibt tatsächlich ziemlich viele Leute, die denken, dass man als Rapper automatisch reich ist. Aber in der Schweiz sieht die Realität ganz anders aus, es ist ein Liebhaberjob. Man verdient wenig.

Was ist eine durchschnittliche Gage?

Das variiert. Das Problem ist aber: Die Gigs und damit das Einkommen sind sehr unregelmässig. Mit Streaming verdiene ich auch viel weniger, als man denken könnte.

«Meinen Saldo von 28.80 Franken habe ich nicht angefasst.»

Was machst du neben dem Rappen?

Ich arbeite als Stagiaire beim Ausbildungsradio 3fach in Luzern. Da erhalte ich einen Praktikumslohn. Daneben studiere ich noch an der Journalistenschule MAZ.

Aber dann kommt immerhin jeden Monat ein Lohn.

Genau, am 24. wird der nächste Lohn überwiesen. Ich muss also nicht mehr lange durchhalten. Die Woche ist auch schon durchgeplant: Ich bin jeden Abend irgendwo zum Znacht eingeladen. Ich werde gut über die Runden kommen. Und meinen Saldo von 28.80 Franken habe ich nicht mal angefasst.

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