Menstruation – Luzerner Stadtrat will Gratis-Tampons für Schülerinnen
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Menstruation Luzerner Stadtrat will Gratis-Tampons für Schülerinnen

Es blutet, aber es ist kein Tampon in Griffweite? An öffentlichen Schulen in der Stadt Luzern soll dies in Zukunft nicht mehr vorkommen.

von
Nathan Keusch
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Die Stadt Luzern will in Toiletten an den öffentlichen Schule gratis Tampons und Binden anbieten.

Die Stadt Luzern will in Toiletten an den öffentlichen Schule gratis Tampons und Binden anbieten.

20min/Celia Nogler
«Durch die freie Verfügbarkeit von Menstruationsartikeln an öffentlichen Schulen müssen Menstruierende nicht mehr auf improvisierte und unhygienische Notlösungen zurückgreifen», schreibt die Regierung.

«Durch die freie Verfügbarkeit von Menstruationsartikeln an öffentlichen Schulen müssen Menstruierende nicht mehr auf improvisierte und unhygienische Notlösungen zurückgreifen», schreibt die Regierung.

20min/Celia Nogler
Der Vorstoss kam von SP-Grossstadträtin Regula Müller. Sie sagt: «WC-Papier gehört zur Grundausrüstung jeder öffentlichen Toilette, wieso also nicht auch Menstruationsartikel?»

Der Vorstoss kam von SP-Grossstadträtin Regula Müller. Sie sagt: «WC-Papier gehört zur Grundausrüstung jeder öffentlichen Toilette, wieso also nicht auch Menstruationsartikel?»

SP Stadt Luzern

Darum gehts:

  • In Zukunft sollen an Schulen der Stadt Luzern Tampons und Binden gratis erhältlich sein.

  • Dies soll peinliche «Notfälle» im Alltag von jungen Frauen verhindern.

  • Der Vorstoss geht auf die SP zurück.

  • Der Kanton hatte einen ähnlichen Vorstoss im Mai 2021 abgelehnt.

Die Luzerner Regierung gibt grünes Licht für kostenlose Menstruationsartikel an öffentlichen Schulen. Auf den Toiletten der Primar- und Sekundarschulen der Stadt Luzern sollen also künftig Tampons und Binden bereitgestellt werden. Dieser Entschluss ist eine Antwort auf ein Postulat der Grossstadträte Regula Müller und Benjamin Gross von der SP vom August 2021.

Postulantin Regula Müller freut sich über die Reaktion der Regierung. Im Postulat begründete sie den Vorstoss unter anderem damit, dass «durch die freie Verfügbarkeit von Menstruationsartikeln an öffentlichen Schulen Menstruierende nicht mehr auf improvisierte und unhygienische Notlösungen zurückgreifen müssen».

Kanton sagt Nein, Stadt sagt Ja

Für Müller ist die kostenlose Abgabe von Tampons nur logisch: «WC-Papier gehört zur Grundausrüstung jeder öffentlichen Toilette, wieso also nicht auch Menstruationsartikel?» Weiter sagt die Politikerin gegenüber 20 Minuten, dass dies eine wichtige Unterstützung gerade für Mädchen und junge Frauen sei, die mit dem plötzlichen Eintreten der Blutung zum Teil überfordert seien.

Kostenlose Hygieneartikel sind kein neues Thema in der Luzerner Politik. Im Mai 2021 wurde ein entsprechender Vorstoss auf kantonaler Ebene abgelehnt. Gratis-Tampons und -Binden an öffentlichen Einrichtungen des Kantons würden «neue Ungleichheiten schaffen», war damals die Begründung der Regierung. An der Uni Luzern und den Kantonsschulen wird es also nach wie vor keine kostenlosen Hygieneartikel geben. In der städtischen Politik fand das Anliegen aber Gehör. «Es ist sicher von Vorteil, dass wir in der Stadt keine reine Männerregierung haben», sagt Müller. «Die Stadt geht jetzt mit gutem Beispiel voran.» Die SP-Politikerin hofft, dass der Entscheid nun auch einen Einfluss auf die kantonale Politik hat.

Positive Erfahrungen aus Pilotprojekt

In einigen Westschweizer Kantonen werden Hygieneartikel bereits kostenlos abgegeben. Auch in Zürich gibt es bereits einen Pilotversuch mit Gratis-Tampons an zehn Schulen. Die Resonanz in Zürich ist laut der Luzerner Regierung sehr positiv und stosse auf hohe Akzeptanz bei den jungen Frauen und deren Eltern. Weiter konnte festgestellt werden, dass keine Artikel «auf Vorrat» entwendet werden und unangenehme Situationen im Alltag, Stress oder peinliche «Notfälle» aufgrund fehlender Hygieneartikel könnten vermieden werden.

Zu 100 Prozent geht die Regierung jedoch nicht auf das Postulat ein. Müller und Gross forderten neben Tampons und Binden nämlich auch die Bereitstellung von Menstruationstassen. Darauf möchte die Stadt aber verzichten.

Bei einer Überweisung des Postulats ist in der Rechnung 2022 mit einmaligen Anschaffungskosten für Hygienekästen von circa 27’300 Franken und ebenfalls ab 2022 mit jährlichen Unterhaltskosten von ungefähr 22’000 Franken zu rechnen.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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