Aktualisiert 22.04.2015 11:11

«Trash Hero Thailand»Luzerner wird zum Güsel-Guru in Thailand

Als der Luzerner Roman Peter einen Strand in Thailand aufräumte, halfen ihm plötzlich etliche Leute. Mittlerweile ist daraus eine grössere Bewegung gewachsen.

von
Katja Imhof
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Mitbegründer Roman Peter (31, l.) mit einem Helfer in Thailand.

Mitbegründer Roman Peter (31, l.) mit einem Helfer in Thailand.

Trash Hero Thailand
Auch mit dabei: Die Mitbegründer Darius Vakili (l.) aus Liestal, der seit 14 Jahren auf der Insel Koh Lipe wohnt, und Pi Oh aus Thailand.

Auch mit dabei: Die Mitbegründer Darius Vakili (l.) aus Liestal, der seit 14 Jahren auf der Insel Koh Lipe wohnt, und Pi Oh aus Thailand.

Trash Hero Thailand
«Wir wollten etwas Gutes tun. Der Strand war total zugemüllt - er war richtig zerstört vom ganzen Müll», so Roman Peter.

«Wir wollten etwas Gutes tun. Der Strand war total zugemüllt - er war richtig zerstört vom ganzen Müll», so Roman Peter.

Trash Hero Thailand

Alles begann an einem Montagmorgen im Dezember 2013, als der Luzerner Roman Peter (31) zusammen mit dem Basler Darius Vakili und Einheimischen in Thailand die Idee hatte, einen Strand im Nationalpark auf der Insel Koh Lipe aufzuräumen. «Wir wollten etwas Gutes machen, weil der Strand total zugemüllt war – es war schrecklich», so Peter. Durch den Tsunami von 2004 und Meeresströmungen hatten sich auf dem Strand rund 60 Tonnen Abfall angesammelt.

Als sich der Tag zu Ende neigte, waren der Müllhaufen und die Freude gross: «Wir fühlten uns alle super – es war ein unglaublich befriedigendes Gefühl», so Peter. «Wir wussten jedoch, dass noch viel Arbeit vor uns lag, bis der letzte Strand komplett gesäubert ist.» So kam es, dass sie sich fortan jeden Montag trafen, um Strand für Strand des umliegenden Nationalparks aufzuräumen.

Über 2300 Helfer und rund 50 Tonnen Abfall

Die Aktion schlug hohe Wellen: «Immer mehr Leute nahmen an der Aufräumaktion teil, Einheimische wie auch Touristen – das Ganze ist explodiert.» Aus der Idee im Dezember 2013 ist heute eine Organisation geworden: Der Verein Trash Hero Thailand. Sitz ist im luzernerischen Inwil, wo Peter herkommt.

Der Menschenandrang von Helfern war so gross, dass seit Dezember 2014 in Zusammenarbeit mit dem Departement für Nationalparks, der thailändischen Marine sowie der Lipe Tourist Association ein Lager auf der Insel Koh Rawi betrieben wird. Freiwillige Helfer verbringen dort täglich mindestens vier Stunden damit, Abfall zu sammeln und zu trennen – alles ehrenamtlich. Bis heute wurden 61'500 Plastikflaschen, 80'000 Flip-Flop Schuhe, 16'000 Feuerzeuge, 18'800 Glasflaschen, 200 Kubikmeter Styropor und drei Tonnen nicht verwertbarer Abfall gesammelt.

Gesamthaft wurden bereits rund 2300 Personen für die Aufräumaktionen mobilisiert. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Seit Beginn der Aktion sind insgesamt über 50 Tonnen Abfall von den Stränden von Inseln des Tarutao National Marine Parks entfernt worden. Peter betont: «Man sieht bei jedem Menschen, der bei uns mithilft, eine Veränderung – er sieht die Natur mit anderen Augen und überlegt sich zweimal, ob er Müll auf den Boden werfen würde.»

Jetzt wird wieder gesammelt

Derzeit sind die Güsel-Sammler auf der Insel Koh Rawi dabei, Güsel einzusammeln. Die Aktion auf dieser Insel sei die grösste von Trash Hero Thailand jemals organisierte Abfallbeseitigungsaktion, heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Seit Dezember läuft die Aktion. Wegen der Regenzeit wird das Camp Anfang Mai beendet.

Die Trash Heros Thailand räumen nicht nur Strände auf, sondern führen Aufräumarbeiten in Dörfern durch, schulen die Bewohner, wie man richtig recycelt, sammeln altes Motorenöl und geben ihr Wissen über die Natur und das Recyceln an thailändische Studenten weiter. In Thailand hat die Organisation bereits Berühmtheit erlangt: Neulich brachte das thailändische Staatsfernsehen eine Sendung über die Trash Heroes – über eine Million Zuschauer verfolgten die Sendung.

Wer mitmachen möchte, kann sich entweder bei Facebook oder per Internet bei Trash Hero Thailand melden. Die Organisation lebt ausschliesslich von Spenden. Peter betont: «Niemand von uns erhält einen Lohn, das Geld fliesst zu 100 Prozent direkt in das Projekt.»

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