«The Visit»: M. Night Shyamalan ist zurück – mit voller Wucht
Aktualisiert

«The Visit»M. Night Shyamalan ist zurück – mit voller Wucht

Zuletzt legte er ein paar Flops hin. Mit seinem Low-Budget-Horrorfilm «The Visit» gelingt Genre-Pionier M. Night Shyamalan jetzt ein eindrucksvolles Comeback.

von
Catharina Steiner

Der Trailer zu «The Visit». (Quelle: Youtube / Universal)

Länger war es still um M. Night Shyamalan. Die vermeintlichen Blockbuster «After Earth» und «The Last Airbender» kamen weder bei Publikum noch Kritik sonderlich gut an. Dabei dominierte der gebürtige Inder in den Nuller-Jahren das Mystery-Genre. «The Sixth Sense», «Unbreakable», «The Village»: Shyamalan haute einen Hit nach dem anderen raus. Bis es dem erfolgsverwöhnten Filmemacher plötzlich nicht mehr so gut lief.

Jetzt besinnt sich der 45-Jährige endlich auf seine Wurzeln im Independent-Film zurück. «The Visit» ist ein im besten Sinn kleiner, einfacher Streifen. Die Geschwister Becca und Tyler verbringen eine Woche bei den Grosseltern, die sie zuvor noch nie gesehen haben.

«Es war aufregend und beängstigend»

Den Aufenthalt dokumentieren die Teenager mit zwei Kameras, was dem Zuschauer da Gefühl gibt, ganz nah dran zu sein. Obwohl man das ziemlich schnell gar nicht mehr will, denn der Besuch bei Oma und Opa entwickelt sich so gar nicht wie erwartet. Shyamalan hat den Streifen selbst finanziert. «Ich fand das aufregend und auch beängstigend. Man ist eine andere Version von sich selbst, wenn es ums eigene Geld geht», sagt er im Gespräch mit 20 Minuten.

Das Risiko hat sich gelohnt. «The Visit» startete in den USA weit über den Erwartungen, bis dato spielte der Streifen dort über 35 Millionen Dollar ein – das Siebenfache des Produktionsbudgets. Der Mix aus Suspense, Komödie und Familiengeschichte hat bei den Fans offensichtlich einen Nerv getroffen. Mitverantwortlich dafür ist sicher auch das gelungene Casting der beiden jungen Darsteller.

Über tausend Kinder am Casting

Ein besonderes Talent des Filmemachers. Man erinnere sich: Der erst neunjährige Hayley Joel Osmond staubte 1999 für seine Rolle in «The Sixth Sense» einen Oscar ab. «Mit Kindern zu drehen ist harte Arbeit, aber wenn man es schafft, dass sie ihr Innerstes nach aussen bringen, gibt es einen magischen Moment», sagt Shyamalan. Über tausend junge Darsteller sprachen für die Rollen von Becca und Tyler vor. Letzterer wird gespielt vom vierzehnjährigen Ed Oxenbould, der für den Film sogar Rappen lernen musste. Die Lyrics hat Shyamalan höchstpersönlich geschrieben: «Dafür kann man einzig und allein mir die Schuld geben», sagt der Regisseur lachend.

Überhaupt wirkt Shyamalan sehr entspannt am Telefon, als ahnte er, dass er mit «The Visit» goldrichtig liegt. Er verabschiedet sich, es ist das letzte Interview des Tages. Jetzt will er noch München erkunden. Und danach an seinem nächsten Projekt werkeln. Dass er darin nach «Signs» und «The Village» endlich wieder mit Joaquin Phoenix zusammenspannen wird, will er nicht bestätigen. Der Mann ist eben bekannt für seinen langsamen Spannungsaufbau.

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