Bär erlegt: M13 war zu sehr Menschenfreund
Aktualisiert

Bär erlegtM13 war zu sehr Menschenfreund

M13 tötete 30 Schafe, zwei Ziegen, verletzte eine Kuh und eine Eselin und plünderte zahlreiche Bienenstöcke. Vor allem aber mochte er Menschen zu sehr. Das war sein Todesurteil.

von
meg/bat

Seine erste Begegnung mit Menschen hatte M13 im April 2012. Damals traf er auf die Familie Riatsch. Vater Mario Riatsch ahnte sofort, dass es mit dem Bären Probleme geben könnte. «Dieser Bär verhält sich nicht wie ein Bär – er kommt den Menschen viel zu nahe», sagte der Förster damals gegenüber 20 Minuten Online und ergänzte: «Wenn er hier bleibt, ist er dem Tod geweiht.»

Riatsch sollte recht behalten. Gestern Dienstagmorgen, um 10.15 Uhr, ist Bär M13 in Miralago am südlichen Ende des Puschlaversees von Wildhütern erlegt worden. «Der gestrige Tag war für die Wildhut und die Beteiligten kein erfreulicher Tag», sagte Regierungsrat Mario Cavigelli an der Medienkonferenz heute. «Der Bär ist uns ans Herz gewachsen. Er hat die Sympathie in weiten Teilen der Bevölkerung erobern können. Es war aber notwendig, ihn zu erledigen.»

M13 schaute Menschen durchs Fenster beim Fernsehen zu

Denn M13 liess sich nicht mehr vertreiben. Der Braunbär war schon Mitte November 2012, nach dem Einbruch in ein bewohntes Ferienhaus im Puschlav, vom Problem- zum Risikobären umklassiert worden – allerdings nur intern. Dem zwingenden Abschuss, der auf eine solche Umklassierung gemäss Bärenkonzept folgt, entzog sich M13 durch den Winterschlaf.

Familie Riatsch verfolgt den Bären

Doch die Menschen konnten ihn nie mehr abschütteln. Er brach in Gebäude ein und schlug sich dort den Bauch voll. Er tauchte plötzlich auf einer Terrasse auf und schaute dem verdutzten Bewohner durchs Fenster beim Fernsehen zu. Im Unterengadin soll er vor den Augen von Angestellten eines Landwirtschaftsbetriebes zwei Ziegen gerissen haben.

Wie Familie Riatsch im Wald den Bären traf

Eine Ladung Schwarzpulver aufs Fell

Als der Einwanderer nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf vor einer Woche sein Verhalten nicht änderte und immer weniger Scheu vor dem Menschen zeigte, war die Sache klar. Am 17. Februar näherte er sich zwei Touristen bis auf 70 Meter und folgte ihnen. Dann kam es zur Begegnung mit einem 14-jährigen Mädchen, das dabei einen Schock erlitt.

Selbst Vergrämungsmassnahmen liessen ihn kalt. Nach dem letzten Vorfall jagten Wildhüter dem Bären eine Ladung Schwarzpulver ins Fell, erzählte Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden, den Medien. Doch M13 habe sich nicht einmal gross bewegt. Erst, als die Wildhüter anschliessend in die Luft schossen, «trottete der Bär langsam von dannen», so Brosi weiter.

«Kein Nein der Schweiz zum Bären»

M13, der sich als Kommissar-Bär einen Namen machte, als er der Polizei half, ein Verbrechen aufzudecken, interessierte sich schlicht zu fest für den Menschen. «Das Risiko für einen ernsthaften Zwischenfall war gegeben», sagte Brosi. Nach dem Zwischenfall mit der 14-jährigen Emina ging die Diskussion über den Abschuss los.

Der Abschuss sei «kein Nein der Schweiz zum Bären» gewesen, sondern ein Nein zu einem Individuum, das zum Risiko geworden sei, sagte Franziska Schwarz, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt. Der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig betonte, M13 sei zwar nie aggressiv gegenüber Menschen gewesen. Jedoch sei das Risiko eines Unfalls, bei dem Menschen ernsthaft verletzt oder gar getötet würden, unverantwortbar gross geworden.

M13 kommt neben JJ3 ins Museum

Jetzt wird M13 als Präparat dem Bündner Kunstmuseum übergeben. Dort trifft er auf seinen Artgenossen JJ3. Der Braunbär ist 2008 erschossen worden und ist seither in Chur zu bestaunen. M13 wird bald neben ihm stehen. Die Schadensbilanz des «Menschenfreunds»: 30 getötete Schafe, zwei tote Ziegen, eine verletzte Kuh und eine verletzte Eselin sowie zahlreiche geplünderte Bienenstöcke.

Deine Meinung