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Ausgebuchte Fahrlehrer«Mache die Autoprüfung, weil ich nicht in den ÖV will»

Nach den Corona-Lockerungen kommts zum Run auf Fahrstunden. Laut Fahrlehrern gibts mehrere Gründe.

von
Michelle Muff
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Aktuell ist die Nachfrage nach Fahrstunden sehr hoch. «Wir haben seit der Wiederöffnung unserer Fahrschule über 20 Prozent mehr Neuanmeldungen als normalerweise zu dieser Jahreszeit», erzählt etwa Luan Suli, Inhaber der Fahrschule Suli.

Aktuell ist die Nachfrage nach Fahrstunden sehr hoch. «Wir haben seit der Wiederöffnung unserer Fahrschule über 20 Prozent mehr Neuanmeldungen als normalerweise zu dieser Jahreszeit», erzählt etwa Luan Suli, Inhaber der Fahrschule Suli.

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Auch andere Fahrschulen berichten auf Anfrage von einem zurzeit erhöhten Interesse junger Leute, den Führerausweis zu machen.

Auch andere Fahrschulen berichten auf Anfrage von einem zurzeit erhöhten Interesse junger Leute, den Führerausweis zu machen.

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«Viele junge Leute haben momentan mehr Zeit, um sich den Fahrstunden zu widmen», erklärt sich etwa Martin Strebel, Inhaber der MStrebel Fahrschule, die vielen Neu-Anmeldungen.

«Viele junge Leute haben momentan mehr Zeit, um sich den Fahrstunden zu widmen», erklärt sich etwa Martin Strebel, Inhaber der MStrebel Fahrschule, die vielen Neu-Anmeldungen.

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Darum gehts

  • Das Interesse an der Fahrausbildung ist aktuell sehr hoch.
  • Verschiedene Fahrschulen berichten von vielen Neuanmeldungen und ausgebuchten Kursen.
  • Auch das Strassenverkehrsamt Zürich bestätigt die gesteigerte Nachfrage.
  • Die Gründe dafür sind verschieden.
  • Tim (19) aus Basel will die Führerprüfung etwa machen, um während der Corona-Krise nicht den ÖV benutzen zu müssen.

Seit dem 11. Mai dürfen Fahrschüler wieder Stunden nehmen. Trotz Hygienemassnahmen und der Empfehlung, Maske zu tragen, wollen viele die Fahrprüfung möglichst schnell ablegen. So erzählt etwa Tim (19) aus Basel, dass er wegen Corona den Führerausweis mache: «In den vergangenen Wochen war ich wegen meines Arbeitswegs auf den ÖV angewiesen. Ich möchte mich aber nicht täglich in diese Virenschleuder begeben müssen.» Die Vorstellung, «alleine im Auto zur Arbeit zu fahren», finde er «sehr viel angenehmer».

Dass der Logistiker nun den Führerschein machen möchte, hat aber noch andere Gründe: «Es nervt mich, jedes Mal, wenn ich im Zug husten muss, gleich verachtende Blicke von den anderen Passagieren zu bekommen.» Den Nothelferkurs hat er bereits absolviert, und die Theorieprüfung wird bald folgen. Dass er in Zukunft mit dem Auto unterwegs sein wird, hat für den Logistiker noch einen anderen «positiven Nebeneffekt»: «So lasse ich den Platz im Zug den Leuten aus der Risikogruppe, die auf den ÖV angewiesen sind.»

Doppelt so viele Prüfungstermine wie vor Corona

Sehr zufrieden sind die Fahrschulen. Luan Suli, Inhaber der Zürcher Fahrschule Suli, sagt, seine Schule habe seit der Wiederöffnung über 20 Prozent mehr Neuanmeldungen als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Der erhöhten Nachfrage komme man kaum nach: «Für Neuanmeldungen zum handgeschalteten Fahren gibt es bei uns aktuell eine Wartezeit von ein bis zwei Wochen. Und zu Stosszeiten können wir momentan nur Einzel- statt Doppellektionen anbieten.» Demnächst stellen sie sogar zwei neue Fahrlehrer ein, um der Nachfrage nachzukommen.

Ähnliche Erfahrungen macht auch Martin Strebel, Inhaber der Fahrschule MStrebel. Wie er auf Anfrage mitteilt, ist die Nachfrage nach Fahrstunden sowie Nothelfer- und Verkehrskundekursen in den letzten Wochen gestiegen: «Im Juni sind unsere Kurse gut gebucht.»

Dass das Interesse an der Fahrausbildung zurzeit erhöht ist, bestätigt auch Peter Kyburz, Geschäftsleiter des Strassenverkehrsamts Zürich. «Wir haben, seit man wieder Prüfungen anbieten darf, unsere Ressourcen hochgeschraubt. Wir bieten aktuell für Führerprüfungen doppelt so viele Termine an wie vor Corona.» Ähnlich sehe es bei den Theorieprüfungen aus. Die Zusatztermine würden im Kanton Zürich «sehr gut gebucht».

Nachholbedarf und viel Zeit

Die gesteigerte Nachfrage sieht Kyburz als eine indirekte Auswirkung des Coronavirus. «Bis Mitte Mai konnten wir keine Prüfungen abnehmen. Das erhöhte Interesse ist wohl auf einen Nachholbedarf zurückzuführen.»

Dass aktuell mehr Junge den Führerausweis machen wollen, erklärt sich Martin Strebel auch mit den momentanen Lebensumständen der Fahrschüler: «Viele junge Leute haben aktuell mehr Zeit, da beim Studium oder in der Schule der Präsenzunterricht pausiert oder ihre Arbeitgeber Kurzarbeit eingeführt haben.»

Für einige Schüler ist auch «die Ansteckungsgefahr im ÖV» ein Grund, wieso sie den Führerschein erwerben wollen, wie der Fahrschulinhaber weiter sagt: «Sie haben Angst, sich im Zug mit Corona zu infizieren. Das haben uns einige erzählt.»



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276 Kommentare
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Leonita B

05.06.2020, 13:16

Was ein Witz, lieber SUV‘s verbieten, ÖV fördern, die Automobilindustrie ohnehin ist nicht zukunftsfähig, oder sollte es zumindest nicht sein. Wer möchte bitte so eine Umweltsschleuder unterstützen?

mtresch

05.06.2020, 13:12

Noch mehr Neulenker, in anderen Worten, noch mehr geleaste Bmw's und Mercedes.

Namor

05.06.2020, 13:06

Tage nach der Bundesràtlichen Weisung ÖV's möglichst zu meiden und mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren wurden die Parkplatzkontrollen in Basel massiv erhöht. Wie sollte man in der blauen Zone solche Bundesrätliche Empfehlungen gerecht werden?