Aktualisiert 16.02.2017 21:56

Mehr GlanzMachen sich Bosse mit Mittelinitial wichtig?

Der mittlere Buchstabe im Namen soll Bedeutsamkeit vermitteln. Nicht nur Präsidenten, auch Schweizer Manager führen ihn gern.

von
vb
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Nicht nur US-Präsident Donald J. Trump - das J steht für John - will durch ein Mittelinitial glänzen.

Nicht nur US-Präsident Donald J. Trump - das J steht für John - will durch ein Mittelinitial glänzen.

epa/Shawn Thew
Der Julius-Bär-Chef glänzt mit gleich zwei Mittelinitialen: Boris F. J. Collardi. Die zwei mittleren Buchstaben stehen für Francesco Jean.

Der Julius-Bär-Chef glänzt mit gleich zwei Mittelinitialen: Boris F. J. Collardi. Die zwei mittleren Buchstaben stehen für Francesco Jean.

Keystone/Walter Bieri
Auch der ehemalige UBS-Chef kann seinen Namen mit einem Mittelinitial schmücken: Oswald J. Grübel. Das J steht für Jürgen.

Auch der ehemalige UBS-Chef kann seinen Namen mit einem Mittelinitial schmücken: Oswald J. Grübel. Das J steht für Jürgen.

Keystone/Walter Bieri

Donald J. Trump: So wie der US-Präsident halten es auch viele Manager. Sie nutzen das Mittelinitial. Im Fall von Trump steht es für den Vornamen John. Bei der Bank Bär hiess es in einer Meldung vor kurzem: «Boris F. J. Collardi sagte ...». F. J. steht für Francesco Jean, die weiteren Vornamen des Bär-CEO.

Thematisiert hat die mittleren Buchstaben kürzlich Dirk Schütz, Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». In einem Newsletter schrieb er, Collardi sei «König in der Disziplin, seinem Namen mehr Gravitas zu verleihen». Er sei der einzige Schweizer Konzernchef mit gleich zwei Mittelinitialen. Diese Buchstaben zwischen seinen Vor- und Nachnamen einzufügen, sei eine «Unsitte aus den USA», wie sie beispielsweise bei Donald J. Trump zutage tritt. Schütz nennt ein paar prominente Beispiele aus der Schweizer Wirtschaft, die zeigen, dass die Mittelinitialen «längst ins helvetische Geschäftsleben eingesickert» sind: Daniel L. Vasella, Philipp M. Hildebrand oder Oswald J. Grübel.

«Es soll Ausstrahlung verleihen»

Auch der Schweizer Namensexperte Marc Hauser kennt das aus dem angelsächsischen Raum stammende Phänomen. Hauser ist Experte für Sprache und Kommunikation und hat sich mit seiner Agentur auf die kreative Namensfindung für Firmen spezialisiert. Wenn jemand seinem Namen ein Mittelinitial hinzufüge, stecke der Wunsch nach Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit dahinter, so der Experte im Gespräch mit 20 Minuten: «Es soll dem Namen Ausstrahlung verleihen und der Person eine gewisse Bedeutsamkeit geben», so Hauser.

Schweizer Managern rät der Namensexperte jedoch von solchen Buchstaben-Spielereien ab. «Sie wollen wichtig erscheinen – und genau diese Absicht erkennt man sofort, wenn jemand plötzlich auf einem Mittelinitial besteht.» Der Schuss könne also leicht nach hinten losgehen, abgesehen davon, dass der zusätzliche Buchstabe einen Namen unnötig verkompliziere.

Mehr Status, mehr Intelligenz

Die Wirkung des Mittelinitials wurde sogar schon von Wissenschaftlern untersucht. Die Psychologen Wijnand A. P. Van Tilburg von der University of Southampton und Eric R. Igou – beide stolze Träger von zweiten und dritten Vornamen – von der University of Limerick kamen in einer Studie zum Schluss: Die Menschen verbinden das Mittelinitial mit einem höheren sozialen Status und einer höheren intellektuellen Leistungsfähigkeit.

Für die Studie wurden den Probanden Aufsätze über die Relativitätstheorie vorgelegt. Der Name des Autors variierte zwischen einem schlichten Vor- und Nachnamen und dem Zusatz von einem, zwei oder sogar drei Mittelinitialen. Die besten Noten erhielt der Aufsatz eines Autors namens David F.P.R. Clark – der einfache David hatte gegen ihn keine Chance.

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