01.07.2018 08:57

Achtelfinalspiele am Nachmittag

Machen Sie blau wegen der Fussball-WM?

Blaumachen, um das WM-Spiel nicht zu verpassen: Das klingt verlockend, ist für Arbeitgeber aber ärgerlich. Darum halten Firmen Massnahmen parat.

von
vb
1 / 5
König Fussball regiert! Das könnte so manchen Fan dazu verleiten, mal krankzufeiern, ...

König Fussball regiert! Das könnte so manchen Fan dazu verleiten, mal krankzufeiern, ...

Keystone/Valentin Flauraud
... um den Match gemütlich zu Hause zu schauen. (Symbolbild)

... um den Match gemütlich zu Hause zu schauen. (Symbolbild)

iStock
Ingesamt blieben die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2017 während rund 215 Millionen Stunden wegen Krankheit oder Unfall ihrem Arbeitsplatz fern.

Ingesamt blieben die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2017 während rund 215 Millionen Stunden wegen Krankheit oder Unfall ihrem Arbeitsplatz fern.

Tommaso79

Ein hartgesottener Fussballfan will weder den WM-Achtelfinal Brasilien – Mexiko noch das Spiel der Nati am Dienstag verpassen. Und am Freitagnachmittag gehts dann auch schon mit den Viertelfinals los.

Das Problem: Einige Spiele beginnen um 16 Uhr – für viele noch während der Arbeitszeit. Da könnte es dem einen oder anderen in den Sinn kommen, nach der Mittagspause eine Migräne vorzutäuschen. Oder sich gleich schon am Morgen wegen angeblicher Magen-Darm-Grippe beim Chef krank zu melden.

Täuschen Sie eine Krankheit vor, um das Nati-Spiel am Dienstag nicht zu verpassen? Oder was tun Sie, um während der WM keine Spiele zu verpassen, welches sind Ihre besten Ausreden beim Chef? Verraten Sie uns Ihre Tricks.

Kurzabsenzen sind teuer

Ingesamt blieben die Schweizer im letzten Jahr während rund 215 Millionen Stunden wegen Krankheit oder Unfall ihrem Arbeitsplatz fern. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik. Wie viele Stunden dem Blaumachen geschuldet sind, ist naturgemäss nicht ersichtlich.

«Es ist ja nur für einen Tag», könnte der Gedankengang bei den Blaumachern lauten. Doch auch solche Kurzabsenzen kosten die Arbeitgeber viel Geld: Es kommt zu Produktionsausfällen, Arbeit bleibt liegen, die Teamkollegen müssen büssen und Mehrarbeit für den Job-Schwänzer leisten.

Die Verhinderungsstrategien

Um sich diesen Ärger möglichst zu ersparen, haben sich viele Firmen Verhinderungsstrategien ausgedacht. Hier eine Auswahl:

Anwesenheitsbonus

Dieser Bonus – auch Gesundheitsprämie genannt – winkt, wenn man übers ganze Jahr gesehen nie krankheitshalber gefehlt hat. Welche Belohnung die stetig anwesenden Mitarbeiter bekommen, ist je nach Firma unterschiedlich. Beim Energie-Unternehmen Eniwa in Aarau gibt es nach einem Jahr ohne Absenz 300 Franken, nach dem zweiten 400 Franken und nach dem dritten 500 Franken, wie Personalchefin Silvia Joost erklärt. «Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und die Zahl der Kurzabsenzen deutlich gesenkt.»

Ärztliches Attest ab dem ersten Tag

Normalerweise verlangen Schweizer Firmen bei Krankheit erst ab dem dritten, vierten oder fünften Tag ein Arztzeugnis als Beweis. Für manchen Blaumacher dürfte das wie eine Steilvorlage erscheinen: Wer nur einen Tag fehlt, muss kein Attest vorweisen. Es gibt für Arbeitgeber aber die Möglichkeit, ein Arztzeugnis schon ab dem ersten Krankheitstag einzufordern: «Das kann im Arbeitsvertrag so festgelegt werden», erklärt Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph. Sinnvoll finde er das aber nicht. Vernünftiger sei, dass man beispielsweise bei der Attestpflicht ab drei Tagen bleibe, der Arbeitgeber sich aber vertraglich das Recht ausbedingen könne, im Einzelfall schon ab dem ersten Tag ein Zeugnis zu verlangen.

• Rückkehrgespräch

Aus Sicht des Blaumachers tritt der Idealfall ein, wenn sein «freier Tag» bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz am nächsten Tag kommentarlos akzeptiert wird. Hier setzt das Rückkehrgespräch an: Viele Firmen haben es mittlerweile fest implementiert und besprechen jeweils mit dem Mitarbeiter, warum er gefehlt hat und ob es ihm wieder gutgeht. Für notorische Job-Schwänzer ist dieses Gespräch so abschreckend – schliesslich müssten sie dem Chef gerade ins Gesicht lügen –, dass sie das Blaumachen in Zukunft ganz sein lassen.

• Goodies

Um die Zahl der Kurzabsenzen möglichst gering zu halten, müssen Mitarbeitende unter dem Strich vor allem eins sein: motiviert und loyal gegenüber ihrer Firma und den Kollegen. Um sie auf das Thema Gesundheit zu sensibilisieren, bieten mittlerweile viele Unternehmen Anreize wie eine kostenlose Ernährungsberatung oder ein Fitnessabo.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.