19.02.2020 07:09

Automatisierung

Machen uns smarte Geräte dumm?

Schweizer fürchten, dass wir wegen smarter Geräte gängige Arbeiten verlernen. Trotzdem werden die Gadgets grösstenteils akzeptiert.

von
rkn
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Das Smartphone ist für viele Konsumenten längst nicht mehr das einzige smarte Gerät.

Das Smartphone ist für viele Konsumenten längst nicht mehr das einzige smarte Gerät.

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Im Smarthome wird auf Wunsch alles automatisch gesteuert, von der Heizung bis zur Beleuchtung.

Im Smarthome wird auf Wunsch alles automatisch gesteuert, von der Heizung bis zur Beleuchtung.

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Der Smart-TV weiss, welche Serien dir gefallen könnten.

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Staubsauger reinigen die Böden selbstständig, die Küchenmaschine kocht automatisch und auch das Licht geht von sich aus an – das ist praktisch, Schweizer sind gegenüber den smarten Geräten aber skeptisch, wie der neue «Smart Products Report 2020» der Universitäten Luzern und St. Gallen zeigt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung glaubt laut der repräsentativen Umfrage, dass smarte Produkte dümmer machen, weil man gewisse Dinge verlernt – etwa das Putzen.

Dazu kommt, dass Forscher seit längerem den «digitalen Gedankenschwund» fürchten: Menschen merken sich wichtige Infos nicht mehr, weil sie sie jederzeit googeln können. Die Studienleiter Reto Hofstetter und Emanuel de Bellis argumentieren jedoch, dass die Entwicklung Menschen dabei unterstützt, andere Fähigkeiten besser entfalten zu können. «Man gewinnt Zeit und kann zum Beispiel ein Buch lesen und sich so bilden», sagt de Bellis zu 20 Minuten. Zudem würden neue Interaktionsformen entstehen, etwa mit der smarten Küchenmaschine, die einem neue Rezepte vorschlagen kann.

Rund jeder Siebte der 1004 Befragten gab zudem an, dass er die Produkte gruselig findet oder sich dadurch bedroht fühlt (s. unten). Trotz der Skepsis ist ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung von Smart-Produkten fasziniert, wie es in der Studie weiter heisst. 72 Prozent besitzen ausser dem Smartphone bereits mindestens ein weiteres smartes Produkt. Viele Konsumenten seien bereit, die Bedenken in Kauf nehmen, um von Annehmlichkeiten wie Zeitersparnissen zu profitieren.

Smarthome: Wer hört hier alles mit?

Die Privatsphäre ist den Konsumenten vor allem in den eigenen vier Wänden wichtig. Viele wollen darum nichts mit Smart-Lautsprechern und dergleichen zu tun haben. 20-Minuten-Leser Sascha etwa nennt die Geräte «Hauswanzen von Google, Apple und Amazon». Zudem beängstigt viele Konsumenten die grosse Kontrolle, die Geräte über das Heim haben: «Praktisch für Einbrecher: Dank Smarthome brauchts kein Werkzeug mehr, um Türen zu öffnen», sagt 20-Minuten-Leser Peter.

Smarter Staubsauger: Kann noch jemand selbst putzen?

Laut der Studie besteht die Angst, dass man wegen des smarten Staubsaugern etwa das Putzen verlernt. Dazu kommen Sicherheitsbedenken. In Foren machen sich Nutzer etwa Sorgen um die Daten, die smarte Staubsauger sammeln: «Nur schon ein Zeitstempel kann reichen, damit Einbrecher wissen, wann die Bewohner abwesend sind», schreibt ein Nutzer. Solche Geräte erstellten zudem einen Umrissplan der Wohnung, was einem unheimlich vorkommen könne, so de Bellis.

Autonome Autos: Und was ist mit Selberfahren?

«Beim Autofahren ist die Sicherheit die höchste Priorität», sagt de Bellis. Der Gedanke, dass das Fahrzeug selbstständig von Software gesteuert wird und auch Ziel einer Hackerattacke werden könnte, beängstigt viele Konsumenten. «Bald klauen sich die Autos selbst. Da muss keiner mehr kommen und mühsam die Tür aufhebeln», sagt 20-Minuten-Leser Dani. Bei selbstfahrenden Autos besteht des Weiteren ebenfalls die Angst, dass Lenker künftig das Autofahren verlernen.

Smartwatch: Was soll der Spion am Handgelenk?

Die Smartwatch hat man immer dabei und sie ist auch immer an – das Mikrofon hört womöglich dauernd zu: «Eine Smartwatch zeichnet viele Daten auf, aus denen Unternehmen Profit schlagen könnten», so de Bellis. Dazu kommt, dass die aufgezeichneten Daten wie etwa Schlafgewohnheiten oder der Puls sehr persönlich sind. 20-Minuten-Leser Butch sagt darum: «Ein Spion kommt mir nicht ans Handgelenk.»

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