Anti-Schnarch-Gerät: Macht die Zunge schlapp, schlägt der Sensor Alarm
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Anti-Schnarch-GerätMacht die Zunge schlapp, schlägt der Sensor Alarm

Schnarchen ist nicht nur lästig, sondern auch gefährlich. Eine neue Technik kann Abhilfe schaffen — zumindest bei manchen Patienten.

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Wer trotz ausreichend Schlaf tagsüber in den Seilen hängt und unter Kreislaufproblemen leidet, leidet möglicherweise an Obstruktiver Schlafapnoe (siehe Box). Verantwortlich dafür ist die im Schlaf erschlaffende Muskulatur: Die Zunge sackt in den Rachen und versperrt die oberen Atemwege — die Folgen sind Schnarchen und Atempausen, bis Stresshormone den Körper aufgrund des Sauerstoffmangels wecken.

Abhilfe schaffen könnte künftig eine Art Zungenschrittmacher, wie Forscher um Joachim Maurer von der Universität Mannheim im «New England Journal of Medicine» berichten. Unter dem Schlüsselbein implantiert, messe das Gerät über einen Sensor zwischen den Rippen den Druck der Lunge. Bevor der Betroffene einatmet, sendet dieser per Kabel ein Signal an einen Hirnnerv, der unter der Zunge sitzt. Dadurch wird das Erschlaffen der Zungenmuskulatur verhindert und der Patient atmet wieder regelmässig.

Gute Resultate

Schon seit einigen Jahren testen Ärzte die Technologie an Patienten. Derzeit kommen laut Maurer jedoch nur ein bis zwei Prozent von ihnen dafür infrage. Das teilte Studienautor Joachim Maurer von der Universität Mannheim bei der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie in Dortmund vor.

Die Vorteile des Schrittmachers: Die Atemaussetzer verringern sich bei den speziell ausgewählten Patienten um 68 Prozent, der Sauerstoffabfall im Blut um 70 Prozent. Die Tagesschläfrigkeit nimmt ab und die Lebensqualität verbessert sich.

Insgesamt 124 Patienten wurden im Rahmen der Studie international behandelt, unter anderem in Deutschland, Russland und den USA. «Bei 70 Prozent zeigt die Behandlung genau so gute Ergebnisse wie die Atemmasken, bei 20 Prozent zeigt sich Besserung, die noch optimierbar ist — bei lediglich zehn Prozent der Patienten schlägt die Behandlung nicht an», fasste Maurer laut Medienberichten die Studie zusammen.

Weitere Forschung notwendig

Doch bislang können nur wenige der Betroffenen mit dem Zungenschrittmacher behandelt werden. Denn die Therapie komme nur für jene Patienten infrage, die die Standardtherapien wie Atemmasken oder Kieferschienen nicht vertragen würden. Zudem gebe es Ausschlusskriterien wie zu grosse Mandeln, zu kleine Kiefer, Herzschwäche oder Übergewicht. Die zentrale Schlafapnoe, bei der das Atemzentrum betroffen ist, sei ebenfalls nicht auf diesem Weg behandelbar.

Für die guten Ergebnisse der Studie sei eine akribische Vorauswahl der Patienten verantwortlich. Maurer ist allerdings optimistisch, dass bald auch weitere Patienten für die Behandlung infrage kommen und damit möglicherweise langfristig auch die Kosten sinken könnten.

Was ist Schlafapnoe?

Das Schlafapnoe-Syndrom wird durch Atemstillstände(Apnoen)während des Schlafs verursacht. Diese führen zu einer verringerten Sauerstoffversorgung und zu wiederholten Aufweckreaktionen, also zu erhöhten Körperfunktionen, beispielsweise zu beschleunigtem Puls. Die Betroffenen bekommen davon meist nichts mit. Trotzdem ist ihr Schlaf nicht erholsam — eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit ist die Folge. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch die Unfallgefahr nimmt zu.

Experten kennen fünf Formen der Schlafapnoe - die Obstruktive Schlafapnoe ist eine davon.

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