Aktualisiert 08.02.2018 09:22

Biologischer ErsatzMacht ein Bio-Pestizid das Glyphosat überflüssig?

Der Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat wird heiss diskutiert und Forscher suchen nach Alternativen. Jetzt gibt es einen ersten Kandidaten.

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Ein Bauer in den USA versprüht den Unkrautvernichter Glyphosat auf seinem Maisfeld. Das Mittel ist höchst umstritten. Unter anderem steht die Frage im Raum, ob es krebserregend ist oder nicht.

Ein Bauer in den USA versprüht den Unkrautvernichter Glyphosat auf seinem Maisfeld. Das Mittel ist höchst umstritten. Unter anderem steht die Frage im Raum, ob es krebserregend ist oder nicht.

Keystone/AP/Seth Perlman
Immer wieder kommt es wegen Glyphosat zu Protesten gegen die Hersteller, wie am 21. Mai 2016 in Basel.

Immer wieder kommt es wegen Glyphosat zu Protesten gegen die Hersteller, wie am 21. Mai 2016 in Basel.

Keystone/Jean-christophe Bott
Trotz der offenen Fragen wurde die EU-Zulassung des Unkrautvernichters im Jahr 2017 verlängert. um weitere fünf Jahre verlängert.

Trotz der offenen Fragen wurde die EU-Zulassung des Unkrautvernichters im Jahr 2017 verlängert. um weitere fünf Jahre verlängert.

Keystone/AP/Patrick Pleul

Am Pflanzenschutzmittel Glyphosat scheiden sich die Geister: Einerseits bringt es den Herstellern Geld und erweist Landwirten gute Dienste, andererseits steht es im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein.

Trotz der Unsicherheiten und der Proteste von Glyphosat-Gegnern wurde die Zulassung des Unkrautvernichters im Jahr 2017 um weitere fünf Jahre verlängert.

Wildpflanze mit Potenzial

Ungeachtet dessen wird nach Alternativen gesucht: Als heisser Kandidat wird derzeit ein Bio-Herbizid gehandelt, das aus wilden Disteln gewonnen wird. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

Zu dem Einsatz der stacheligen Pflanze als umweltfreundlichere und gesündere Glyphosat-Alternative wird an der Nordküste Sardiniens geforscht. Auf fast 1000 Hektar wird sie dort unter freiem Himmel angebaut.

Geleitet werden die Untersuchungen von der Chemikerin Catia Bastioli. Sie steht den Firmen Novamont (Entwicklung und Produktion von Biokunststoffen) und Matrìca (Herstellung verschiedenster Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen) vor.

Vom Abfallprodukt zum Unkrautvertilger

Bastioli gilt als Vorkämpferin für den Umweltschutz. 2007 wurde sie für die Entwicklung eines kompostierbaren Kunststoffs namens Mater-Bi mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet. Das Bio-Herbizid, das Glyphosat ersetzen soll, ist ihr aktuellster Streich.

Auf die Idee kam sie bereits vor sieben Jahren, als sie und ihre Kollegen sich fragten, was sich wohl mit einem Nebenprodukt der Distelöl-Gewinnung – der sogenannten Pelargonsäure – Sinnvolles anstellen liesse.

«Von der Geranie ist die Säure als herbizider Wirkstoff bekannt, doch liess sie sich bislang nicht grossflächig zur Vernichtung unerwünschter Kräuter einsetzen», zitiert die deutsche Zeitung Bastioli.

Finanzielle Hürden

Bei der aus der Distel gewonnenen Säure ist das den Forschern aber gelungen: Nach den zwei Jahre dauernden Versuchen erhielt das Team um Bastioli die Zulassung für das neuartige Bio-Herbizid. Seither darf es auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich angewendet werden.

Ob die Innovation dem umstrittenen Glyphosat wirklich einmal den Rang ablaufen wird, ist offen. Es ist in zweifacher Hinsicht eine finanzielle Frage. Denn anders als Glyphosat, das systemisch wirkt und alle Teile der zu bekämpfenden Pflanzen zerstört, wirken Bio-Herbizide nur auf die Blätter. Deshalb müssen sie deutlich häufiger angewendet werden, was kostet.

Auch die ewigen Diskussionen über Glyphosat spielen eine Rolle, wie Bastioli sagt: «Solange Europa sich keine verlässlichen Regeln für den Umgang mit Glyphosat gibt, fallen Investitionen sehr schwer.»

Was ist Glyphosat?

Das Herbizid stoppt das Pflanzenwachstum. Es wird in der Landwirtschaft vor allem vor oder kurz nach der Aussaat eingesetzt, um die Ackerflächen vor Unkraut zu bewahren. Teilweise wird das Pflanzengift aber auch vor der Ernte eingesetzt. Denn durch die chemische Trocknung reifen Früchte schneller, und die Ernte wird einfacher. Glyphosat ist auch ein Riesenthema, weil es mit Gentechnik verbunden ist. Es gibt Pflanzen, sogenannte Roundup-Ready-Kulturen, die mithilfe von Gentechnik so verändert wurden, dass sie gegen die Chemikalie resistent sind.

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