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Eat this!Macht mich Sprudelwasser dick?

Wasser mit Kohlensäure hat keine Kalorien, trotzdem macht es laut einer Studie dick. Doch stimmt das wirklich?

von
Jürg Hösli
6.4.2019
Wasser trinken ist gesund - und was ist mit der Kohlensäure?

Wasser trinken ist gesund - und was ist mit der Kohlensäure?

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Kohlensäurehaltige Getränke machen dick. Diese Schlagzeile geistert dank einer Studie aus dem Westjordanland um die Welt. Es ist nur einer von verschiedenen Mythen, die sich um das prickelnde Wasser halten. Was ist also dran am «lauten» Wasser?

Ich selbst kann kein stilles Wasser trinken. Ich habe es oft versucht, trinke dann aber sehr viel weniger über den Tag. Da die Einstellung zu meiner Ernährung stark über mein Körpergefühl geht, habe ich mir bis vor kurzem auch keine Gedanken dazu gemacht – bis ich von einer Studie gehört habe, deren Ergebnis angeblich war, dass kohlensäurehaltiges Wasser dick macht.

Kohlensäure soll hungrig machen

Die Studie wurde mit Ratten durchgeführt und zeigte, dass das appetitanregende Hormon Ghrelin erhöht war und die Ratten nach einem Jahr schwerer waren als die Kontrollgruppen. Der Schluss der Forscher, dass dies eine Ursache für das Übergewicht vieler sei, ist dann aber doch sehr abenteuerlich.

Die meisten Menschen essen tagsüber aus Zeitmangel und Stress deutlich zu wenig und kompensieren umso mehr am Abend. Und dies trägt deutlich mehr zum Übergewicht bei als das bisschen Prickeln im Wasser. Sollte diese Studie einen Wahrheitsgehalt haben, würde das bedeuten, dass wir über den Tag kohlensäurehaltiges Wasser trinken sollten, um genügend zu essen, und am Abend dann stilles Wasser.

Sprudelnd üble Nachrede

Warum hat Sprudel so einen schlechten Ruf? Es gibt keinen Grund dafür. Die Kohlensäure löst nicht unsere Knochen auf, wie oft beschrieben. Sprudelwasser aktiviert den Magensaft, dies könnte sogar bei der Verdauung helfen. Einen negativen Einfluss kann es haben, wenn jemand einen sehr sensiblen Magen hat. Dann sollte man definitiv zum stillen Wasser greifen.

Meines Erachtens spielt bei der ganzen Diskussion ein anderer Faktor eine wichtigere Rolle: Die meisten Sprudelgetränke bringen wir in Plastikflaschen nach Hause, obwohl wir alle eine sehr gute und überprüfte Leitungswasserqualität bei uns zu Hause haben. Wenn wir uns den Berg Plastik vorstellen, den wir jedes Jahr einsparen könnten, wäre die Wahl eines Hauswässerchens ökologisch ratsam. Wer es wie ich trotzdem nicht ohne mag, kann zu einem Trinkwassersprudler greifen.

Auch bei diesem Ernährungsthema gilt: Mögen Sie Sprudelwasser, dann geniessen Sie es ohne schlechtes Gewissen. Hören Sie auf Ihren Körper und nicht auf Ihren Nachbarn, der im Moment die tausendste Superdiät macht. Prosit!

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik erpse in Winterthur und Zürich Oerlikon. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen. Für 20 Minuten schreibt er regelmässig Kolumnen.

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