Aktualisiert 24.02.2014 10:34

EM-Qualifikation

Macht sich Gibraltar zum Affen?

In der EM-Qualifikation finden sich mehrere Fussball-Exoten. Der grösste ist zweifellos Neuling Gibraltar. Die Kicker vom Affenfelsen treffen ausgerechnet auf Deutschland.

von
bte

Im vergangenen November war es endlich so weit: Die Nationalmannschaft Gibraltars bestritt gegen die Slowakei ihr erstes Spiel in ihrer Geschichte. Da das Stadion auf der 6,5 Quadratkilometer grossen Halbinsel keine Zulassung für Länderspiele hatte, musste die Partie in Portugal ausgetragen werden. Dort konnte man einen Achtungserfolg verbuchen und rang den Slowaken ein 0:0 ab.

Der Weg zu einer Nationalmannschaft war für das Land mit dem 118 Jahre alten Fussballverband lang, steinig und führte über den internationalen Sportgerichtshof CAS. Trotz des Widerstands Spaniens nahm die Uefa das britische Überseegebiet als 54. Mitglied letztendlich in den Fussballverband auf. So können sich die Teams der heimischen Gibraltar Premier Division in Zukunft gar an der Qualifikation für die Champions und Europa League teilnehmen. Die Nationalmannschaft kämpft nun erstmals um die Teilnahme an der Europameisterschaft 2016.

Hobby-Fussballer müssen es richten

Dabei läuft das Team vom Affenfelsen Gefahr, sich zum Affen zu machen. Die 30'000 Einwohner der Halbinsel haben nämlich nicht gerade die grössten Fussballtalente unter sich. In den heimischen Teams spielen ausschliesslich Hobby-Fussballer. Nationalcoach Allen Bula kann aber immerhin auf drei England-Legionäre zurückgreifen. Abwehrspieler Scott Wisemann spielt in der dritthöchsten Spielklasse bei Preston North End, Danny Higginbotham (210 Spiele in der Premier League, unter anderem für Manchester United, Southampton, Sunderland und Stoke City) zog bis vor kurzem in der Defensive des Fünftligisten FC Chester die Fäden. Der 35-Jährige hat seine Karriere unterdessen beendet, wird der Nationalmannschaft wohl aber als Spieler zur Verfügung stehen.

Vorne soll Adam Priestley vom englischen Achtligisten Farsley AFC für die Tore sorgen. Ob dieser überhaupt jemals gefährlich vor den gegnerischen Kasten kommen wird, ist mehr als fraglich, zumal das Losglück definitiv nicht auf Seiten der Gibraltarer war. Neben Georgien, Schottland, Irland und Polen, die wohl allesamt mehrere Nummern zu gross sein werden, treffen die Kicker vom Affenfelsen auf den dreifachen Weltmeister Deutschland. Über den Ausgang der Partie bestehen kaum Zweifel.

Mehr EM-Teilnehmer – neuer Quali-Modus

«Der Wettbewerb wird sicher nicht interessanter. Es gibt eine gefühlte Verwässerung», erklärte der deutsche Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff im Hinblick auf die EM-Quali. Da neu anstatt 16 gar 24 Mannschaften an der EM spielen, ist die Teilnahme so einfach zu erreichen wie nie zuvor. Die ersten beiden Teams und der beste Gruppendritte qualifizieren sich direkt für das Turnier, die restlichen Gruppendritten spielen in der Barrage.

«Wem der Modus nicht gefällt, der muss nicht mitspielen», reagiert Uefa-Boss Michel Platini angesäuert auf Kritik. Die Gibraltarer haben sich jedenfalls die Barrage als Ziel gesetzt. Auch wenn sie dieses Ziel wohl nicht erreichen, werden die Kicker die einheimischen Fans garantiert begeistern. Dies in einer extra neu gebauten, 10'000 Zuschauer fassenden Arena auf der Halbinsel.

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