Kirgistan-Konflikt: Macht und Drogen im Dreiländereck
Aktualisiert

Kirgistan-KonfliktMacht und Drogen im Dreiländereck

In Kirgistan sollen Dunkelmänner im Auftrag des Ex-Präsidenten Bakijew sowohl Kirgisen als auch Usbeken beschossen und so die Zusammenstösse beider Volksgruppen ausgelöst haben.

Kirgisische Soldaten kontrollieren an der Grenze zu Usbekistan ein Fahrzeug.

Kirgisische Soldaten kontrollieren an der Grenze zu Usbekistan ein Fahrzeug.

Das schlecht ausgerüstete kirgisische Militär versucht, die Lage in Osch wieder unter Kontrolle zu bekommen. Soldaten errichten Strassensperren rund um die Stadt im Süden, die Brennpunkt der blutigen Unruhen und zugleich ein Hauptumschlagplatz für Heroin aus Afghanistan ist. Bei beidem könnte nach Einschätzung von Beobachtern der Clan des gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew die Hand im Spiel haben.

Aus dem selbstgewählten Exil in Weissrussland bestreitet der Ex-Staatschef, die Kämpfe zwischen Kirgisen und Usbeken angestiftet zu haben. Doch nach Darstellung der Übergangsregierung in Bischkek haben Dunkelmänner im Auftrag Bakijews sowohl Kirgisen als auch Usbeken beschossen und so die Zusammenstösse beider Volksgruppen ausgelöst, die eine spannungsreiche Vergangenheit verbindet.

Ohne ausdrückliche Schuldzuweisung stellten auch die Vereinten Nationen fest, dass die Gewaltakte «gezielt und gut geplant» waren und offenbar mit fünf gleichzeitigen Angriffen mit Skimasken vermummter Männer in Osch begannen.

Heroin aus Afghanistan

Bakijew war im April bei einem Volksaufstand aus dem Amt gejagt worden, bei dem sich Zorn über Korruptionsvorwürfe Bahn gebrochen hatte. Mitglieder seiner Familie hätten auch danach noch den Rauschgifthandel in der Gegend von Osch kontrolliert, sagt der Politologe Mars Sarijew aus Bischkek, ein unabhängiger Kenner der Lage. Die Region im Dreiländereck aus Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan zählt zu den meistgenutzten Routen für den Schmuggel afghanischen Heroins nach Russland.

Von der durchlässigen tadschikisch-afghanischen Grenze wird der Stoff per Auto und Lkw auf einer 700 Kilometer langen Fernstrasse über das Pamir-Gebirge nach Osch gebracht. Als Transportwege dienen laut UN auch kleinere Strassen im Süden Kirgistans, wo die Grenzen nur schwach gesichert sind. Ein grosser Teil des Heroins wird den Angaben zufolge in Osch umgepackt und dann per Flugzeug, Bahn oder mit Fahrzeugen nach Usbekistan, Kasachstan und Russland weiterverfrachtet.

In den vergangenen Jahren meldeten die kirgisischen Behörden die Beschlagnahmung grösserer Mengen von Heroin und Opium in Osch. Sie und die UN berichten auch von einem zunehmenden Einsatz von «Maultieren» - Drogenkurieren, die das in Präservative verpackte Rauschgift im eigenen Körper transportieren.

Mord an Gangsterboss

Sarijew zufolge soll Mitgliedern des Bakijew-Clans vor einer Woche das Drogengeschäft entglitten sein, als ein usbekischer Gangsterboss ermordet wurde, mit dem sie eng zusammengearbeitet hatten. Aibek Mirsidikow sei gegen den führenden Vertreter der Usbeken in der Region Dschalal-Abad in einen Kleinkrieg um Macht und Einfluss verstrickt gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur 24.kg unter Berufung auf den amtierenden stellvertretenden Ministerpräsidenten Asimbek Beknasarow.

Die Bakijews hätten möglicherweise die ethnischen Unruhen anzetteln geholfen, um sowohl die Übergangsregierung zu schwächen als auch ein Machtvakuum zu schaffen, das es ihnen erleichtern würde, den Drogenmarkt wieder in die Hand zu bekommen, vermutet Sarijew. Wie auch andere Beobachter nimmt er an, dass der Bakijew-Clan ein demnächst geplantes Verfassungsreferendum zu verhindern trachtet, mit dem sich die Übergangsregierung stärkere Legitimität verschaffen will. Ausserdem soll damit der Weg für Wahlen im Herbst bereiten werden.

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(dapd)

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