Illustre Gästeliste: Machtgedränge in Davos
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Illustre GästelisteMachtgedränge in Davos

Das WEF in Davos wird zum Stelldichein der Einflussreichen. Unter den Gästen sind Kanzlerin Merkel, der britische Premier Cameron oder IWF-Chefin Lagarde. Es geht um die Schuldenkrise – und um Networking.

von
Sandro Spaeth

Kommende Woche wird Davos zum Nabel der Welt. Zu den bekanntesten Namen (siehe Bildstrecke) auf WEF-Gründer Klaus Schwabs Gästeliste gehört die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Obwohl das diesjährige WEF im Zeichen der Schuldenkrise steht, ist unklar, ob Merkel wichtige Gespräche in Sachen Eurokrise führen wird. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Staat vergangene Woche die beste Bonitätsnote eingebüsst hat, kommt nicht nach Graubünden. Fern bleibt dem Treffen auch Griechenlands Ministerpräsident Lukas Papadimos.

Nach gehaltener Eröffnungsrede kann Merkel hingegen getreu dem WEF-Motto «Der Grosse Wandel. Die Gestaltung neuer Modelle» mit dem britischen Premier David Cameron verhandeln oder sich dem amerikanischen Finanzminister Timothey Geithner erklären. Die USA fragen sich seit langem, warum Europa die Eurokrise nicht mit der «Bazooka» bekämpft – also im grossen Stil Staatsanleihen aufkauft und dem Euro damit Stabilität gibt.

Was hat die IWF-Chefin vor?

Ihre Teilnahme angekündigt hat auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Wie am Mittwoch bekannt wurde, prüft der IWF derzeit, wie er zur Bekämpfung der Schuldenkrise seine eigenen Ressourcen aufstocken kann. Womöglich wird Lagarde in Davos bei den Regierungschefs für ihr Vorhaben werben.

Die Chancen auf Entscheidungsträger zu treffen, sind ausgezeichnet. Ans Klassentreffen der Mächtigen reisen 40 Staats- und Regierungschefs. Darunter auch jene von Kanada, Dänemark, Polen, Thailand, Singapur und Katar. Grossanleger aus den beiden letztgenannten Staaten – die milliardenschweren Staatsfonds aus Singapur und Katar – könnten bei der Rettung der schwächelnden Eurostaaten bald eine gewichtige Rolle spielen.

Networking oder Skifahren?

Die Garde der Wirtschafsführer wird angeführt von Peter Voser, CEO des Ölgiganten Royal Dutch Shell. Der Schweizer ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Erdölgeschäft. Daneben hat auch Vikram Pandit, Chef der amerikanischen Citigroup, seine Teilnahme bestätigt. Unter der Rekordzahl von 2600 Wef-Gästen dürften auch zahlreiche Vertreter der Schweizer Grosskonzerne sein. So sind Nestlé-Präsident Peter Brabeck oder Novartis-Präsident Daniel Vasella schon fast WEF Stammgäste. Die Credit Suisse vertreten Verwaltungsratspräsident Urs Rohner und CEO Brady Dougan. Gast am WEF war letztes Jahr auch der damalige Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand.

Während die Politiker vor allem die Lösung der Eurokrise im Hinterkopf haben, geht es bei den Wirtschaftführen vor allem um Networking. Besonders gut dazu geeignet ist die legendäre Burda-Party des deutschen Verlegers Herbert Burda. Am exklusiven Anlass im Nobelhotel Steigenberger Belvédère stiessen im vergangenen Jahr sogar der ehemalige US-Präsident Bill Clinton oder der damalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit an. Wettkampfgeist, Vergnügen und Gelegenheit zum Networking bietet sich den WEF-Gästen auch am RWE-Giant-Ski-Cup. Ein Blick in die Siegerliste zeigt: 2010 fuhr der damalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Managern um die Ohren.

(Mitarbeit fge)

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