Aktualisiert 19.12.2011 09:58

«Geliebter Führer»

Machthaber Kim Jong-Il lebt nicht mehr

Der langjährige Staatschef Nordkoreas, Kim Jong-Il, ist an Herzversagen gestorben – wegen «körperlicher und geistiger Überarbeitung». Als Nachfolger steht sein Sohn bereit.

von
jam

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Il ist tot. Der 69-Jährige sei am Samstag auf einer Zugfahrt an Herzversagen gestorben, berichtete am Montag das staatliche Fernsehen in einer Sondersendung aus Pjöngjang. Als Grund wurde körperliche und geistige Überarbeitung angegeben. Zum Zeitpunkt seines Todes habe sich Kim auf einer «intensiven Feldinspektion» befunden, hiess es. Eine am Sonntag erfolgte Autopsie habe die Diagnose bestätigt.

Das verkündete eine in schwarz gekleidete Ansagerin mit Tränen in den Augen und schluchzend am Staats-TV: «Es ist der grösste Verlust für unsere Partei und der grösste Trauerfall für unser Volk und Land.» Das Land müsse «unsere Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden».

Zum Nachfolger an der Staatsspitze wurde Kims dritter Sohn Kim Jong-Un ernannt, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete. Er war zuletzt von seinem Vater aufgebaut worden, hatte wichtige Posten in der kommunistischen Partei erhalten und offizielle Termine wahrgenommen. Ihn hatte Kim bereits im September 2010 zu seinem designierten Nachfolger erklärt.

Beziehungen zur Schweiz?

Nordkorea hat seine Bewohner aufgerufen, Kim Jong-Un zu unterstützen. Das Volk und das Militär «müssen Genossen Kim Jong-Un treu die Ehre erweisen», erklärte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur. Über den dritten Sohn des verstorbenen Machthabers ist nur wenig bekannt.

So soll er ungefähr 27 Jahre alt sein und unter anderem Namen in der Schweiz - in Köniz-Liebefeld BE - eine Schule besucht haben, was jedoch nie bestätigt wurde. Die Herrscherfamilie gilt in den Medien des Landes als Tabuthema.

Bereits 2008 soll Kim Jong-Il einen Schlaganfall erlitten haben. Auf Fotos und Videoaufnahmen seiner jüngsten Reisen nach China und Russland hatte der Machthaber jedoch zuletzt einen rüstigen Eindruck gemacht. Allerdings soll der Mann mit einer kolportierten Vorliebe für Zigaretten, Cognac und gutem Essen an Diabetes und einer Herzerkrankung gelitten haben.

Alarmbereitschaft allenthalben

International beunruhigte Nordkorea die Weltgemeinschaft in den letzten Jahren mit der Entwicklung von Atomwaffen. Raketen waren auf den Süden der koreanischen Halbinsel und auf Japan gerichtet. 2006 und 2009 testete das Land Atomwaffen.

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. Der Korea-Krieg wurde 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand beendet. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen.

Als Reaktion auf die Meldung über den Tod Kims versetzte Südkorea der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Das japanische Kabinett sollte zu einer Krisensitzung zusammentreten. Auch die USA zeigen sich besorgt über die Frage nach der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel.

Riesige Trauerkundgebungen erwartet

Die Staatsspitze ordnete eine Trauerphase bis zum 29. Dezember an. Die Beisetzung soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden. Ausländische Delegationen würden dazu nicht eingeladen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Es sei ein Beisetzungskomitee gebildet worden mit Sohn Kim Jong-Un an der Spitze.

In Nordkorea dürfte es zu riesigen Trauerbekundungen kommen. Die staatliche Propaganda bezeichnete Kim Jong-Il stets als «geliebten Führer» und machte ihn zu einem Halbgott.

Kim Jong-il hatte am 8. Juli 1994 die Macht in dem abgeschotteten Staat von seinem Vater Kim Il-Sung übernommen. Er hatte wie sein Vater einen Personenkult um sich aufgebaut. Während seiner Amtszeit rutschte das Land jedoch in eine schwere Armut. Laut einer UNO-Schätzung sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von Mangelernährung betroffen. Der Sohn des Staatsgründers Kim Il-Sung übernahm von seinem Vater das Amt, nachdem dieser im Alter von 82 Jahren einem Herzanfall erlegen war. (jam/sda)

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