Wie weiter mit Kloten?: Machtkämpfe, NHL-Stars, heilloses Chaos

Aktualisiert

Wie weiter mit Kloten?Machtkämpfe, NHL-Stars, heilloses Chaos

Nun erschweren auch noch Machtkämpfe die Sanierung der Kloten Flyers. Jürg Bircher versucht mit Hilfe der Ex-NHL-Stars Manny Fernandez und Alex Daigle die Macht zu behalten.

von
Klaus Zaugg

Es war fast ein wenig romantisch: Ex-Präsident Peter Bossert ist aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um als Leiter einer Task-Force die in unbekannter zweistelliger Millionehöhe verschuldeten Kloten Flyers (die Kloten Sport AG) vor dem Untergang zu retten (20 Minuten Online berichtete).

Aber die tapferen Sanierer haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Nach wie vor ist ja Jürg Bircher Präsident und grösster Aktionär der Kloten Flyers. Peter Bossert und seine Freunde wollen also ein Unternehmen (die Kloten Flyers) retten, bei dem sie gar nichts zu sagen haben und das sie gar nicht legitim vertreten können.

Zwei Ex-NHL-Stars mit im Boot

Für Jürg Bircher geht es ums Ganze: Muss er die Macht abgeben, verliert er die Kloten Flyers und das kann seine ganze Firmengruppe in Schieflage bringen. Also muss er versuchen, selber zu sanieren. Weil seine Glaubwürdigkeit arg gelitten hat, findet er keine Retter mehr im Zürcher Unterland. Der Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann hat schon abgesagt (20 Minuten Online berichtete).

Was liegt da näher, als im fernen Amerika Retter zu suchen? Und tatsächlich hat nun Jürg Bircher eine Investoren-Gruppe «Kanada/Schweiz» präsentiert. Zwei Bündner geben sich als Vertreter der Ex-NHL-Stars Manny Fernandez und Alex Daigle aus. Und fabulieren, sie würden eng mit den Sanierern um Peter Bossert zusammenarbeiten.

Birchers Vorgehen kann nur im Konkurs enden

Doch offensichtlich ist am Donnerstagnachmittag bereits zum Eklat gekommen. Nach einer zweistündigen Sitzung mit den beiden Vertretern der kanadisch-schweizerischen Investorengruppe seien Peter Bossert und seine Getreuen zum Schluss gekommen, dass diese Jungs nicht einmal über richtige Kenntnisse unseres Rechts verfügen. Die Task-Force unter Peter Bossert hat deshalb als Bedingung für weitere Gespräche eine Einzahlung von sechs Millionen Franken auf ein Bank-Sperrkonto verlangt.

Die von den kanadisch-schweizerischen Investoren genannte Verschuldung der Kloten Flyers (der EHC Kloten Sport AG) deckt sich in etwa mit den 20 Minuten Online seit längerem vorliegenden Zahlen. Es geht um einen Fehlbetrag zwischen 10 und 15 Millionen Franken. Die genauen Zahlen sollen am Freitag endlich bekannt werden. Während die mit den hiesigen Verhältnissen vertrauten Sanierer um Peter Bossert auf dem Verhandlungsweg die Schulden herunterhandeln und so eine Basis für die Zukunft legen wollen, sind die kanadisch-schweizerischen Investoren um Jürg Bircher gemäss Angaben von Gewährsleuten für einen Crash-Kurs und sollen nicht daran denken, Forderungen der Steuervögte oder der AHV zu bezahlen. Ein Vorgehen, das nur im Konkurs enden kann.

Fetscherin kommt wieder ins Spiel

Es ist bald wie beim Turmbau zu Babel, der abgebrochen werden musste, weil sich die einzelnen Bautrupps nicht mehr verstanden haben. Das hat es so noch nicht gegeben: Eine kanadisch-schweizerische Gruppe aus Finanz-Schillerfaltern versucht zu sanieren um Präsident Jürg Bircher an der Macht zu halten, während brave Schweizer Sanierer um Peter Bossert Jürg Bircher entmachten wollen, damit endlich alle Fakten auf den Tisch kommen und eine glaubwürdige Führung möglich wird.

Jürg Bircher hat etwas mehr als 60 Prozent der Aktien gehalten und davon die Hälfte an Adrian Fetscherin verkauft. Nun kommt der TV-Journalist wieder ins Spiel: Wenn er mit seinem Anteil von rund 30 Prozent der Aktien gemeinsame Sache mit der Gruppe um Peter Bossert macht, die zur Zeit etwa 15 Prozent der Aktien zusammenbringt, dann wird es möglich, Jürg Bircher zu entmachten. Adrian Fetscherin arbeitet mit der Gruppe von Peter Bossert zusammen, ist jedoch nicht in die Task-Force aufgenommen worden.

Wer gewinnt den internen Machtkampf?

Womit wir die absolut einmalige Situation haben, dass ein schwer verschuldetes Unternehmen zuerst einmal die internen Machtkämpfe austragen muss, um überhaupt auf eine seriöse Art und Weise eine Sanierung einleiten zu können. Die Task-Force unter Peter Bossert versucht, dieses heilose Durcheinander zu entwirren, Jürg Bircher zu stürzen und sich bis am nächsten Mittwoch als legitime Vertreter der Kloten Flyers (der EHC Kloten Sport AG) zu präsentieren. Fortsetzung folgt...

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