Aktualisiert 01.04.2010 16:53

TennisweltranglisteMachtvakuum im Herrentennis

Roger Federer, Novak Djokovic, Andy Murray und Rafael Nadal – die Top 4 der Tennis-Weltrangliste schwächeln. Glaubt man der Theorie von Roger Federer, wird sich das spätestens am French Open wieder ändern.

von
Patrick Toggweiler
«Nole» Djokovic: Wir es ein Schlüsseljahr für den Serben?

«Nole» Djokovic: Wir es ein Schlüsseljahr für den Serben?

20 ATP-Turniere sind in diesem Jahr bereits gespielt worden. Nur gerade zwei davon sahen einen Sieger der «grossen Vier», Federer, Djokovic, Murray und Nadal. Novak Djokovic gewann das Turnier von Dubai und Roger Federer das bisher einzige Major, das Australian Open. Andy Murray, der Mann mit den meisten Turniererfolgen im Jahre 2009, und Rafael Nadal, Roger Federers ewiger Widersacher, gingen bisher leer aus. Rekordverdächtig.

Zum Vergleich: Zum selben Zeitpunkt im letzten Jahr standen die Top-4 mit sechs Siegen zu Buche. Nur Roger Federer, der damals lange auf den ersten Saisonsieg warten musste, konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern.

Breite Spitze

Die Baisse lässt sich sogar auf die Top-10 ausweiten: Juan Martin Del Potro ist verletzt; Nikolay Dawidenko, Robin Söderling und Andy Roddick haben bisher je ein Turnier gewonnen. Von den Top-Ten durfte nur gerade der 10. platzierte Marin Cilic in diesem Jahr bereits zwei Mal einen Pokal stemmen. Dem Aufschlagsspezialisten kamen die schnellen Hartplätze entgegen. Mit Beginn der Sandsaison wird sich zeigen, ob der Kroate zum grossen Durchstarter dieser Saison wird.

Einen wirklich dominanten Spieler, wie im letzten Jahr Andy Murray (3 Siege zum selben Zeitpunkt), gibt es in diesem Jahr nicht. Neben Cilic feierte nur noch Oldie Juan Carlos Ferrero zwei Turniersiege – das allerdings bei den kleinen ATP-250-Turniere. Der Groove ist vielmehr: Jeder kann jeden schlagen. Das findet auch Roger Federer: «In einem Best-of-Three-Spiel ist die Marge sehr klein. Majors sind körperlich und psychisch härter. Deshalb sind die 1000er-Turniere so gefährlich für uns Top-Spieler und so schwer zu dominieren. Wenn man sieht, dass Djokovic und Murray ausscheiden, bevor man überhaupt ins Turnier eingestigen ist [so geschehen in Miami], dann macht man sich Gedanken, ob einem nicht dasselbe passieren kann. Für die Aussenseiter hingegen ist es gut zu wissen, dass sie uns schlagen können. Sie haben immer eine Chance.»

Fragezeichen bei Murray und Djokovic

Für Fans von Roger Federer besteht indes keinen Grund zur Beunruhigung. In den letzten drei Jahren ist der Schweizer nie stark in die Saison gestartet – ausserdem warf ihn eine Krankheit zurück. Ähnliches kann man von Rafael Nadal behaupten, der sich nach Verletzung und privaten Problemen langsam wieder nach oben kämpft. Als einziger der «Grossen Vier» kämpft er in Miami noch um den Titel. Nach einer eindrücklichen Leistung gegen Jo-Wilfried Tsonga steht der Spanier im Halbfinale, wo er auf Andy Roddick trifft.

Die Durchhänger von Novak Djokovic und Andy Murray lassen sich weniger einfach erklären. Der Brite spielte nach seinem verlorenen Endspiel an den Australian Open gegen Roger Federer drei Turniere und verlor gegen Janko Tipsarevic, Robin Söderling und zuletzt in Miami in der zweiten Runde gegen Mardy Fish. «Wir können nicht in jedem Turnier körperlich und psychisch im Vollbesitz unserer Kräfte sein. Und das ist die Chance der Aussenseiter», erklärt sich Federer solche «Aussetzer». Ob Murray die Niederlage am Australian Open immer noch wurmt?

Erst Ende Mai wieder ein Major

Unter Djokovics Besieger befinden sich illustrere Namen: Ljubicic, Juschni und Tsonga, aber auch Olivier Rochus. Den launischen Serben wird bedrücken, dass er in Bezug auf Majors bisher ein «One-Hit-Wonder» geblieben ist und weiterhin im Schatten von Federer und Nadal weilt – obwohl er den Spanier in der Weltrangliste überholt hat.

Noch verbleiben den Aussenseiter einige Möglichkeiten, die Grossen zu ärgern – bis Ende Mai und Juni schnell hintereinander die Majors in Paris und London folgen. Glaubt man der Theorie von Roger Federer, werden spätestens dann die Kräfteverhältnisse wieder die alten sein - und mindestens einer der Finalisten Roger Federer oder Rafael Nadal heissen. Wie in den letzten fünf Jahren immer.

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