Aktualisiert 23.07.2018 02:32

Ermittlungen eingeleitetMacron wegen prügelndem Leibwächter unter Druck

Ein Ex-Sicherheitsmitarbeiter des französischen Staatspräsidenten Macron muss sich wegen Amtsanmassung und Gewalttätigkeit vor Gericht verantworten.

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fur/chk

Auf einem Video ist zu sehen, wie Benalla einen Polizeihelm trägt und auf einen Demonstranten in Paris einschlägt. (Video: Tamedia)

Die französische Justiz hat gegen einen früheren Sicherheitsmitarbeiter von Staatspräsident Emmanuel Macron ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zudem stellte sie den Verdächtigen unter Justizaufsicht.

Dem 26-jährigen Alexandre Benalla wird unter anderem Gewalttätigkeit und Amtsanmassung vorgeworfen, wie französische Justizkreise der Nachrichtenagentur DPA am Sonntag bestätigten.

Benalla soll bei einem Polizeieinsatz am 1. Mai gegen einen Demonstranten gewalttätig vorgegangen sein. Dabei soll er einen Polizeihelm und eine Polizeiarmbinde getragen haben, und dies, obwohl er nicht als Ordnungshüter im Einsatz gewesen war. Der Elysée-Palast hat Benalla mittlerweile entlassen.

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Will Berufung einlegen: Alexandre Benalla (links) mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. (Archivbild)

Will Berufung einlegen: Alexandre Benalla (links) mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. (Archivbild)

AFP/Philippe Wojazer
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in der Affäre um seinen Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla am 24. Juli 2018 die Verantwortung auf sich genommen. «Der Verantwortliche, der einzige Verantwortliche, das bin ich und ich allein», sagte Macron.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in der Affäre um seinen Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla am 24. Juli 2018 die Verantwortung auf sich genommen. «Der Verantwortliche, der einzige Verantwortliche, das bin ich und ich allein», sagte Macron.

AFP/Benjamin Cremel
Der Ex-Sicherheitsmitarbeiter von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Alexandre Benalla, hat bereits ein Ermittlungsverfahren am Hals.

Der Ex-Sicherheitsmitarbeiter von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Alexandre Benalla, hat bereits ein Ermittlungsverfahren am Hals.

AFP/Thomas Samson

Im Zusammenhang mit der Affäre laufen nun zudem gegen vier weitere Personen Ermittlungsverfahren; darunter sind drei Polizisten. Sie sollen Videobilder des Zwischenfalls an Benalla weitergeleitet haben.

Die Affäre um Benalla gehört zu den grössten Krisen der Amtszeit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Opposition vermutet einen Vertuschungsskandal. Der französische Innenminister Gérard Collomb muss sich dazu an diesem Montag den Fragen der Parlamentsabgeordneten stellen.

Keine Straflosigkeit

Die Anhörung soll Klarheit darüber schaffen, was die Regierung von dem Zwischenfall wusste. An die Öffentlichkeit geraten war er erst durch die französische Tageszeitung «Le Monde».

Die Benalla zur Last gelegten Taten seien «inakzeptabel», verlautete es am Sonntagabend in Paris aus Macrons Umfeld. «Es hat keine Straflosigkeit gegeben und wird sie nicht geben», hiess es weiter.

Macron will wegen der Affäre den Informationen zufolge ausserdem seinen Mitarbeiterstab umbauen. Er sei der Auffassung, dass seit dem Vorfall vom 1. Mai im Präsidialamt eine Reihe von Fehlern gemacht worden seien, verlautete aus weiter dem Umfeld des Staatschefs am Sonntag. Daher habe er den Chef des Präsidialamtes beauftragt, den Mitarbeiterstab und Abläufe neu zu organisieren. Damit solle verhindert werden, dass sich ein solcher Vorfall wiederhole.

Kurz zuvor hatte die Pariser Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie gegen Benalla und den Angestellten der Regierungspartei La République en Marche (LREM), Vincent Crase, ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. Dabei gehe es um den Vorwurf der «Gewalt bei einer Versammlung».

(fur/chk/sda)

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