Scheinheiligkeit? : «Made in America»-Woche – ohne Trumps Marken

Aktualisiert

Scheinheiligkeit? «Made in America»-Woche – ohne Trumps Marken

Mit einer «Made in America Week» will der US-Präsident vom Russenskandal ablenken. Dabei lassen die Trumps ihre Ware fast nur im Ausland herstellen.

von
sut
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Mit der Kollektion «Made in America» will Donald Trump in der Woche vom 17. Juli 2017 die einheimische Fertigungsindustrie anpreisen. Zu den im Weissen Haus präsentierten Produkte zählen aber keine Waren von Trumps eigenen Unternehmen.

Mit der Kollektion «Made in America» will Donald Trump in der Woche vom 17. Juli 2017 die einheimische Fertigungsindustrie anpreisen. Zu den im Weissen Haus präsentierten Produkte zählen aber keine Waren von Trumps eigenen Unternehmen.

AP/Alex Brandon
Zum Beispiel wird die berühmte rote Baseballmütze mit der Aufschrift «Make America Great Again» billig im Ausland hergestellt. Bild: Wahlkampfanlass in Sarasota, Florida, am 28. November 2015.

Zum Beispiel wird die berühmte rote Baseballmütze mit der Aufschrift «Make America Great Again» billig im Ausland hergestellt. Bild: Wahlkampfanlass in Sarasota, Florida, am 28. November 2015.

epa/Cristobal Herrera
Auch die Modekollektion von Trumps Tochter Ivanka wird weitgehend in Ländern wie Bangladesh, Indonesien und China hergestellt. Bild: Ivanka Trump spricht am 14. Oktober 2015 an einem Frauengipfel in Washington.

Auch die Modekollektion von Trumps Tochter Ivanka wird weitgehend in Ländern wie Bangladesh, Indonesien und China hergestellt. Bild: Ivanka Trump spricht am 14. Oktober 2015 an einem Frauengipfel in Washington.

AP/Carolyn Kaster

Um die ständigen Vorwürfe zu Wahlkampfabsprachen mit Russen abzuwehren, wendet sich US-Präsident Donald Trump an seine Basis. In einer Themenwoche feiert er den bei seinen Wählern beliebten Grundsatz «Made in America».

Das neue Wochenthema wurde vom Weissen Haus am Montag mit einer Kollektion von Produkten eingeläutet, die allesamt in den USA hergestellt wurden. Dazu gehören Caterpillar-Baumaschinen aus Illinois, Campbell-Suppen aus New Jersey, Steinway-Klaviere aus New York und Gibson-Gitarren aus Tennessee.

Flugzeugträger «made in America»

Am Mittwoch will Trump eine Erklärung zur Förderung einheimischer Produkte veröffentlichen. Und für Samstag plant er einen Auftritt in Virginia, wo der neue Flugzeugträger USS Gerald Ford seine Premiere feiern wird.

«Zu lange hat unsere Regierung den amerikanischen Arbeiter vergessen», sagte Mediendirektorin Helen Aguirre Ferré. «Ihre Interessen wurden zugunsten globaler Projekte zur Seite geschoben, ihr Eigentum wurde den Gemeinschaften weggenommen und ins Ausland verschifft», sagte sie. «Unter der Führung von Präsident Donald Trump werden amerikanische Arbeiter nicht vergessen, sie werden gefeiert.»

Vorwurf der Scheinheiligkeit

Das Ziel, ins Ausland abgewanderte Arbeitsplätze in den USA wieder anzusiedeln, ist unter Trumps Anhängern populär. Wenn er es proklamiert, verspricht der US-Präsident oft auch neue, für amerikanische Arbeitnehmer vorteilhaftere Handelsabkommen.

Kritiker werfen Trump indes Scheinheiligkeit vor. «Während Jahren hat die Trump Organization den Grossteil ihrer Herstellungsprozesse ins Ausland ausgelagert und von einem weltweiten Netz von Fabriken in einem Dutzend Länder profitiert», schreibt die «Washington Post» am Montag.

Hergestellt in Bangladesh, Indonesien und China

In einer grossen Recherche ging die Zeitung der Frage nach, wo Ivanka Trump die Kleider, Schuhe und Accessoires für ihr Modelabel produzieren lässt. Ergebnis: Sie lässt sie fast ausschliesslich in Bangladesh, Indonesien und China herstellen.

Der Präsident und seine zur Beraterin avancierte Tochter sind zurzeit nicht mehr aktiv an der Führung ihrer Unternehmen beteiligt. Dort will niemand versprechen, dass die Herstellungspraxis künftig geändert wird. Auf die Frage, ob die Trump Organization und Ivankas Marke mehr Produkte in den USA fertigen würden, sagte Mediendirektorin Ferré zu Reportern: «Wir werden später auf Sie zurückkommen.»

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