Milliardenbetrüger: Madoff soll lebenslänglich hinter Gitter
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MilliardenbetrügerMadoff soll lebenslänglich hinter Gitter

Seit Mitte März lebt der geständige Milliardenbetrüger Bernard Madoff als Häftling Nummer 61727-054 im Stadtgefängnis von New York. Am Montag wird er sein beengtes Zuhause noch einmal verlassen dürfen, um vor Gericht der Verkündung seiner Strafe beizuwohnen. Die US-Staatsanwaltschaft fordert eine Haft bis zum Lebensende.

Der Betrug sei einzigartig in Umfang und Dauer, hiess es am Freitag in Gerichtsunterlagen in New York. Seine Anwälte bitten um Gnade. Seine zahlreichen Opfer aber wollen, dass der 71-Jährige zu Lebzeiten nicht mehr freikommt. Gleich zu Prozessbeginn im März hatte sich Madoff in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. In dem Verfahren sprach er von Reue, von Scham und von dem unwiderstehlichen Reiz des Geldes, der seinen kühnen Anlagebetrug erst möglich gemacht habe.

In den 1990er Jahren habe sein Schneeballsystem begonnen. «Ich dachte, ich könnte es schnell zu Ende bringen und mich und meine Kunden aus der Sache rausholen», sagte Madoff. «Das erwies sich als schwierig und am Ende als unmöglich.» Zu übermächtig sei die Eigendynamik geworden, die der Erfolg seines Systems nach sich gezogen habe.

Erneute Konfrontation mit Opfern

Am Montag wird Madoff zum Abschluss des Verfahrens noch einmal mit seinen Opfern konfrontiert werden, von denen er viele in den Ruin geführt hat. Richter Denny Chin will einige der Geschädigten zu Wort kommen lassen, sie sollen erklären, welche Strafe für Madoff sie für angemessen halten

Noch einmal wird sich also die hilflose Wut jener entladen, deren Lebensgrundlage Madoff zerstört hat. Das 62-jährige Madoff-Opfer Ron Weinstein bringt die Stimmung auf den Punkt: «Dieser Abschaum darf nie mehr das Tageslicht sehen.»

Auch zum Ende des Verfahrens bleiben grosse Fragen im Raum stehen. Madoffs Schneeball-System war so kompliziert, dass die Ermittler noch nicht einmal das genaue Ausmass des Schadens berechnen konnten. Sie gehen davon aus, dass er etwa 13 Mrd. Dollar von seinen Investoren bekam.

Etwa eine Milliarde Dollar kamen durch die Beschlagnahme von Madoffs Villen, Jachten und Juwelen zusammen. Ob er noch weitere Vermögenswerte versteckt hat, ist nicht klar. Der vom Gericht bestellte Konkursverwalter Irving Picard beklagte, dass Madoff bei der Verortung seiner Besitztümer nicht sehr kooperativ gewesen sei.

Ebenso offen wird letztlich die Frage bleiben, wie ein einziger Mann durch einen Trick über Jahrzehnte hinweg eine Milliardensumme ergaunern konnte, ohne dass irgend jemand etwas merkte.

Die Antwort ist wohl zum einen in Madoffs Persönlichkeit zu suchen, wo sich ausserordentliches geschäftliches Talent mit krimineller Raffinesse verband, und zum anderen in seinem Umfeld, wo ungebändigtes Profitstreben selbst den grundlegendsten aller Kontrollmechanismen, den gesunden Menschenverstand, ausser Kraft setzte.

Ahnungslose Anleger

Auf wundersame Weise losgelöst vom Auf und Ab der Börsen brachte Madoffs Fonds den Anlegern über die Jahre gleichmässig hohe Gewinne ein. Dass es sich dabei um ein Schneeball-System handelte, bei dem die Erträge nicht durch Börsengewinne, sondern allein durch die Einlagen neuer Kunden bezahlt wurden, wussten die Anleger nicht.

Nicht einen einzigen Dollar habe er wie vereinbart am Kapitalmarkt investiert, gab Madoff inzwischen zu. Das gesamte Geld habe er auf Bankkonten deponiert, ehe das System im Dezember zusammenbrach.

Sollte das Gericht am Montag in allen Anklagepunkten die Höchststrafe verhängen, wird das Urteil auf 150 Jahre Haft lauten. Madoffs Anwalt Ira Sorkin bat um Milde: Da sein 71-jähriger Mandant nach aktueller durschnittlicher Lebenserwartung in den USA nur noch 13 Jahre zu leben habe, sei eine Haftstrafe von zwölf Jahren angemessen. (sda)

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