Madonna kämpft um David: «Ich habe nichts Falsches getan»
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Madonna kämpft um David: «Ich habe nichts Falsches getan»

Engagiert und den Tränen nahe, angriffslustig und verletzt - Madonna hat alle Register gezogen, um die Adoption des kleinen David aus Malawi zu verteidigen.

In ihrem ersten Fernsehauftritt seit der umstrittenen Entscheidung warb die amerikanische Popsängerin um Hilfe für das geschundene Afrika und attackierte zugleich heftig die Medien.

«Es ist eine Schande, dass Ihr Leute entmutigt, meinem Beispiel zu folgen», klagte die 48-Jährige in einem am Mittwochabend ausgestrahlten Gespräch mit der US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey. «Ich flehe alle Welt an, nach Afrika zu gehen und zu erleben, was ich gesehen habe.» Der Kontinent sei ein einziger Notstand und brauche Menschen, die sich der jüngsten Generation annehmen.

Das Gespräch war 24 Stunden zuvor per Satellit zwischen London und Oprahs Studio in Chicago aufgenommen worden. Von einem Londoner Edelhotel aus wies Madonna jeden Vorwurf zurück, sie habe bei der Adoption des 13 Monate alten Davids Gesetze in dessen afrikanischem Heimatland verletzt. «Ich habe nichts Falsches getan», versicherte sie mit fester Stimme und legte wie zum Beweis Hochglanzfotos vor, die sie als liebevolle Mutter mit dem kleinen schwarzen Jungen und ihren leiblichen Kindern Lourdes (10) und Rocco (6) zeigen.

Afrikanische Menschenrechtsgruppen sind da anderer Meinung. Sie werfen der Sängerin vor, ihr Geld und ihren Namen ausgenutzt zu haben, um die Adoption zu beschleunigen. Und auch der Vater des Jungen, der 32 Jahre alte bitterarme Gemüsehändler Yohane Banda, hatte Fernsehreportern Tage nach der Gerichtsverhandlung erklärt, er sei gedrängt worden, Papiere zu unterschreiben, die er nicht verstanden habe. In einem Interview mit dem «Time Magazine» versicherte er aber diese Woche: «Ich will nicht, dass mein Kind, das ja schon weg ist, wieder zurückkommt. Ich würde seine Zukunft ruinieren, wenn ich das akzeptiere.»

Der leibliche Vater besuchte nie seinen Sohn

Madonna konnte sich angesichts der Entrüstung, die ihr entgegenbrandet, einen kleinen Seitenhieb auf den Vater nicht verkneifen. Weder er noch irgendein anderes Mitglied seiner Familie hätten David je in dem Waisenheim besucht, in dem er von klein auf war. Auch seien Name und Verbleib des Vaters erst bei Nachforschungen eines Priesters bekannt geworden.

«Er ist ein ganz einfacher Mann», der über Nacht zum Spielball der Medien wurde, erläuterte der Popstar verständnisvoll. Der Vater des Jungen habe ihr vor Gericht in die Augen geschaut und sich bei ihr dafür bedankt, dass sie sich seines Kindes annehme und ihm ein besseres Leben schenken wolle. Auf die Frage, ob der Vater die Bedeutung der Adoption nicht verstanden haben könnte, antwortete Madonna mit einem entschiedenen «Nein». Ein Dolmetscher habe Davids Vater alles genau erklärt, und dieser habe mündlich und schriftlich sein Einverständnis erklärt.

Madonna und ihr Mann Guy Ritchie durften den kleinen David nach einer gerichtlichen Sondergenehmigung zunächst für eine Prüfzeit von 18 Monaten mit nach Grossbritannien nehmen. Sie werde es dem leiblichen Vater jederzeit ermöglichen, den Sohn zu besuchen, versicherte die Sängerin in dem halbstündigen Interview und versprach, in Zukunft wenigstens ein Mal im Jahr mit David nach Malawi zurückzukehren.

Oprah Winfrey, selbst sichtlich gerührt, stärkte der umstrittenen Adoptivmutter den Rücken. «Das ist ein mutige Sache, die Sie gemacht haben», lobte die Talkmasterin. Und auch das Publikum schien von dem Satellitenauftritt des Stars überzeugt - am Schluss brauste langer Applaus auf.

(sda)

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