Filmfestival Venedig: Madonnas Film – «Besser als erwartet»
Aktualisiert

Filmfestival VenedigMadonnas Film – «Besser als erwartet»

Wenn Madonna mit einem neuen Streifen aufwartet, sind negative Kritiken die Regel. Umso mehr erstaunt, dass ihr neustes Oeuvre am Filmfestival Venedig freundlich aufgenommen wurde.

von
obi

Mit ihrer zweiten Regiearbeit, «W.E.», gastierte US-Popqueen Madonna am (heutigen) Donnerstag bei den 68. Filmfestspielen von Venedig. Das Drama um Wallis Simpson und ihre Liebe zum englischen Thronfolger Edward VIII. wurde am Lido freundlich aufgenommen.

Das freute die Sängerin, die sich teilweise sehr gut mit Wallis identifizieren kann. Würde sie - wie Edward VIII. - ebenfalls den Thron für einen Mann oder eine Frau aufgeben? «Ich denke, ich könnte beides haben», antwortete Madonna nach kurzem Nachdenken selbstbewusst schmunzelnd, «oder auch alle drei.»

Jahrelange Recherche

Ursprünglich sei sie aber völlig mitgerissen gewesen von dem Gedanken, dass jemand aus Liebe zu einer Frau seinen Anspruch auf den Thron aufgibt. «Ich habe sehr ausführlich recherchiert und mehrere Jahre an dem Drehbuch geschrieben.»

Schliesslich inszenierte sie einen Film über die Möglichkeiten und Grenzen der Liebe anhand zweier Frauenfiguren, der ursprünglichen Wallis und einer nach ihr benannten jungen Frau der Gegenwart, die in Rückblenden die Geschichte ihrer «Vorgängerin» miterlebt und sich nach und nach in ihrer eigenen missglückten Ehe emanzipiert.

Zweiter Versuch nach Flop

«Ich war nie interessiert an einem geradlinigen Biopic», so der Popstar. «Es ist wichtig zu verstehen, dass der Film meine Sicht der Dinge reflektiert. Aus diesem Grund schuf ich auch die moderne Figur im Film, durch deren Augen die Geschichte gesehen wird.»

Dass Wallis etwa zuletzt in «The King's Speech» nicht sehr gut wegkam, verglich Madonna mit ihrer eigenen Situation. «Wenn man ein Star ist, eine Ikone, wird man gerne auf kleine Sätze reduziert. Die Leute haben immer versucht, sie und Edward kleinzumachen.» Nun ging es in gewisser Weise auch darum, Wallis zu rehabilitieren.

Madonnas erster Film «Filth And Wisdom» war vor drei Jahren an den Kinokassen gefloppt und von den Kritikern verspottet worden. Ob ihrem neuen, teils sehr ins Klischeehafte und Effekthascherische abgleitenden Drama «W.E.» (für Wallis und Edward) ein ähnliches Schicksal blühen wird, wird sich erst herausstellen.

«Amüsant» vs «aufgehübscht»

Bisweilen waren die Kritiken unterschiedlich. Laut der britischen Zeitung «Daily Telegraph»

ist «W.E.» «besser als erwartet» und «nicht ohne amüsante Momente». Auch «Screen Daily» beschrieb ihn als «ein wunderschön in Szene gesetzter Film mit Charme und Stil».

Der «Guardian» tat den Streifen aber als «aufgehübschten und affektierten Aberwitz» ab. Auch das Branchenblatt «Variety» war wenig begeistert. «W.E.» möge zwar ein «aufwändiges Produktions-Design» haben, sei aber mit «lächerlichen Dialogen und schwachen Performances belastet». (obi/dapd)

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