Mädchen in Maisfeld gezerrt: JSVP will nun über Todesstrafe diskutieren

Aktualisiert

Mädchen in Maisfeld gezerrtJSVP will nun über Todesstrafe diskutieren

Ein Mann muss sich vor Gericht verantworten, weil er 2017 ein Mädchen vom Velo riss, in ein Maisfeld zerrte und es missbrauchte. Derweil sorgt ein Tweet für Aufsehen.

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cho/km/rc
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Am 30. August 2017 wurde in Wattenwil ein Mädchen von einem Mann vom Velo in ein Maisfeld gezerrt.

Am 30. August 2017 wurde in Wattenwil ein Mädchen von einem Mann vom Velo in ein Maisfeld gezerrt.

cho
Das Obergericht des Kantons Bern muss sich nun mit dem Fall beschäftigen, der 2017 die Schweiz schockierte.

Das Obergericht des Kantons Bern muss sich nun mit dem Fall beschäftigen, der 2017 die Schweiz schockierte.

Keystone/Peter Klaunzer
Der Mann wurde im Dezember 2018 erstinstanzlich wegen versuchter sexueller Nötigung und versuchter sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt.

Der Mann wurde im Dezember 2018 erstinstanzlich wegen versuchter sexueller Nötigung und versuchter sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt.

cho

Der Vorfall ereignete sich im August 2017 in Wattenwil BE und schockierte die Schweiz. Ein Mann riss damals ein 12-jähriges Mädchen vom Velo und zerrte das Kind in ein Maisfeld. Eine Autofahrerin, die die Hilfeschreie des Kindes hörte, verhinderte an jenem Tag wohl Schlimmeres. Seit Freitag wird der Fall vor dem Berner Obergericht verhandelt und bringt nun Details ans Tageslicht.

Gemäss der Anklageschrift fuhr der heute 59-jährige Beschuldigte oben ohne dem Kind auf seinem Velo hinterher. Bei der Kreuzung Forstsägestrasse/Erlenstrasse holte er die Schülerin ein und kollidierte mit ihrem Velo. Daraufhin kam es zum Handgemenge. Der Mann verschleppte das Kind ins Maisfeld, wo er es laut der Anklageschrift «in den Bauch getreten, gewürgt und die Jacke über sein Gesicht gehalten» hat. Dies alles in der Absicht, gegen den Willen des Kindes sexuelle Handlungen durchzuführen, wie in der Anklageschrift ausgeführt ist.

Laut dem Schriftstück gibt das Opfer an, sich stark gegen den Mann gewehrt zu haben. Sie habe versucht, ihn zwischen die Beine zu treten, habe sich an Maisstielen festgehalten und laut geschrien. Der Beschuldigte sei ihr bereits zuvor aufgefallen – er habe sie mehrmals auf dem Heimweg von der Schule beobachtet und sei immer oben ohne gewesen.

«War nicht Herr meiner Sinne»

Der Mann wurde im Dezember 2018 erstinstanzlich wegen versuchter sexueller Nötigung und versuchter sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt. Das Regionalgericht Oberland wies ihm eine Strafe von 30 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe zu – es wurde eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt. Wie bereits bei der Verhandlung von 2018 bestritt der Angeklagte auch am Freitag, dass er sich sexuell am Kind vergreifen wollte. Er spricht von einer «versehentlichen Fahrradkollision». «Ich wollte sie nicht ins Maisfeld ziehen. Wir sind durch die Auseinandersetzung im Maisfeld gelandet», beteuert der Mann vor den Richtern in Bern.

«Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne», meinte der Beschuldigte bei der Befragung kleinlaut. Ihm sei die Hand ausgerutscht, weil ihn das Kind getreten habe. Als sich die Autofahrerin genähert habe, habe er sich vom Tatort entfernt, weil «ich nicht mit der Situation umgehen konnte».

Nur wenige Stunden später wurde der Mann nur in Unterhosen bekleidet vor seinem Haus festgenommen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde dort pornographisches Material gefunden. Er sei Masochist: «Ich wollte diesem Mädchen niemals Leid zufügen. Man wollte mich von Anfang an als Sexualstraftäter taxieren.»

Hohe Rückfallgefahr

Laut dem Gutachten eines forensischen Psychiaters der UPD Bern hat der Beschuldigte «seine Sexualität jahrelang unterdrückt». Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er nicht nur masochistische, sondern auch sadistische Präferenzen habe. Der Gutachter ist sich sicher: «Das sexuelle Motiv ist das naheliegendste». Dem Mann wird eine hohe Rückfallgefahr attestiert, weshalb eine ambulante Behandlung nicht ausreiche.

Während sein Verteidiger einen Freispruch auf ganzer Linie forderte, verweist die Staatsanwaltschaft auf das Urteil des Regionalgerichts. Sie will den Schuldspruch von 30 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe sowie einem Tätigkeitsverbot für 10 Jahre bestätigt sehen. Die Berner Richter werden ihr Urteil am 24. Dezember fällen.

Provokativer Tweet der JSVP

Derweil sorgt der Fall in den sozialen Medien für Aufruhr. So wirft die Junge SVP in Zusammenhang mit dem Fall auf Twitter die Frage nach der Todesstrafe für den Beschuldigten auf:

Der Tweet löste teilweise heftige Reaktionen aus. So schreibt etwa Melchior Limacher: «Ob zwei Jahre angemessen sind, kann man durchaus diskutieren. Dafür lebenslänglich oder gar die Todesstrafe zu fordern, dünkt mich hingegen reichlich übertrieben.» «Harte Strafen brauchts ohne Zweifel. Aber von ‹Todesstrafe› reden und das noch als ‹gesunder Menschenverstand› zu proklamieren, schaffen nur Halbschlaue» meint Nutzer HuerenTubel.

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