Aktualisiert 13.08.2009 16:12

«Unser Leben ist zerstört»Mädchen angefahren, um es zu vergewaltigen

Ein Familienvater hat vor dem Landgericht Bielefeld gestanden, ein 13-jähriges Mädchen mit seinem Auto angefahren und das schwer verletzte Opfer vergewaltigt zu haben.

von
Christine Veenstra/AP

Er bestritt in der am Donnerstag verlesenen Erklärung jedoch im Gegensatz zu früheren Vernehmungen, den Unfall absichtlich herbeigeführt zu haben. Der 31-Jährige entschuldigte sich beim Opfer für die Tat. «Das Ganze lastet massiv auf ihm», sagte Anwalt Andreas Chlosta.

Erste Aussage widerrufen

Der Angeklagte hatte laut Polizei nach seiner Festnahme zunächst ausgesagt, er habe den Unfall im ostwestfälischen Hille bewusst verursacht, um sich an seinem Opfer zu vergehen. Sein Verteidiger betonte jedoch, der Mann habe während der damaligen Vernehmungen teilweise fantasiert.

Die 13-Jährige sagte am Donnerstag selbst in dem Prozess aus; die Öffentlichkeit wurde in dieser Zeit vom Verfahren ausgeschlossen. Laut Anweisung des Gerichts musste der Angeklagte während der Aussage ausserhalb der Sichtweite der Schülerin sitzen.

Mädchen erinnert sich nicht

Der Anwalt der Familie, Ralf Jordan, sagte anschliessend, das Mädchen könne sich nur an die Zeit vor dem Zusammenstoss und nach ihrer Rückkehr erinnern. «Was in ihr wirklich vorgeht, wissen wir im Moment nicht», fügte er hinzu. Die Entschuldigung des 31-Jährigen nannte der Anwalt «Makulatur»: «Für ein solches Verbrechen kann man sich nicht entschuldigen.»

Mutter des Opfers: «Unser Leben ist zerstört»

Die Mutter der 13-Jährigen wies die Möglichkeit zurück, ihre Tochter könne den Unfall mit einem Fahrfehler verursacht haben. Sie bezeichnete das Mädchen als «sichere Fahrradfahrerin». Den Ermittlungen zufolge soll der Angeklagte das Mädchen von der Strasse abgedrängt haben: Die Schülerin prallte gegen das Auto des Mannes und stürzte schwer verletzt auf den Boden. Unter anderem erlitt sie einen Kieferbruch. Der Täter soll die 13-Jährige in sein Auto geladen und sich auf einem nahe gelegenen Parkplatz an ihr vergangen haben.

Vergewaltigung wird verdrängt

Die Schülerin befindet sich der Aussage ihrer Mutter zufolge bis heute in einem schlechten Zustand und verdrängt die Tat. «Ich denke, das ist eine Schutzhaltung von ihr», erklärte sie vor Gericht. Seit der Vergewaltigung wolle das Mädchen häufig im Bett der Eltern schlafen: «Sie ist verschlossen und sehr anhänglich.» Für die Familie sei es eine schlimme Zeit, sagte die Zeugin. «Unser Leben ist zerstört.»

Das Mädchen war am Ostermontag als vermisst gemeldet worden und erst nach mehreren Stunden völlig verstört und blutüberströmt wieder in der Nähe ihres Elternhauses aufgetaucht. Der Angeklagte wurde nach einem Zeugenhinweis festgenommen. Den damaligen Angaben zufolge trug sich der ungelernte Arbeiter seit längerer Zeit mit dem Gedanken, ein junges Mädchen zu vergewaltigen.

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