Lausen BL: Mädchen hochallergisch – Nussverbot an Schule
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Lausen BLMädchen hochallergisch – Nussverbot an Schule

Weil ein Mädchen eine Nussallergie hat, gilt in Lausen BL in der Schule ein Nussverbot. Dies hat für Ärger gesorgt. Die Mutter des Mädchens nimmt Stellung.

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Ab dem neuen Schuljahr gilt für das Primarschulgelände und den Kindergarten ein absolutes Nussverbot. (Bild: Screenshot Google Maps)

Ab dem neuen Schuljahr gilt für das Primarschulgelände und den Kindergarten ein absolutes Nussverbot. (Bild: Screenshot Google Maps)

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Weil zwei hochallergische Kinder – ein Mädchen und ein Junge – nach den Sommerferien in Lausen BL in den Kindergarten kommen, gilt ab dem neuen Schuljahr für das Primarschulgelände und den Kindergarten ein absolutes Nussverbot. Dies berichtete die Zeitung «Volksstimme».

Das Nussverbot sorgte national für Schlagzeilen. Nicht alle Eltern zeigten Verständnis für diese Massnahme. Einige versuchten, das Verbot sogar zu mit einer Petition zu kippen, obwohl bei einem Kind die Allergie laut dem Schulleiter Urs Beyeler so stark sei, dass der Kontakt mit Nüssen – auch nur Spuren davon in der Luft oder an einem Türgriff – zu einem anaphylaktischen Schock führen kann, der sogar lebensbedrohlich sein kann.

Nun hat die Mutter des hochallergischen Mädchens der «Basellandschaftlichen Zeitung» erzählt, wie sie und ihre Familie den Wirbel um die nussfreie Schule erlebt haben.

Viele wissen nicht, was eine Anaphylaxie ist

Die Mutter erzählt der Zeitung, dass die Kommentare sie heftig getroffen hätten, so dass sie kaum noch schlafen könne: «Ich musste etwa über meine Tochter lesen, sie sei ein ‹Goof›, der doch auf sich selber aufpassen solle. Dabei macht sie das für ihr Alter schon extrem gut, meidet etwa Körperkontakt und isst nur Sachen, die wir ihr geben. Was soll eine Viereinhalbjährige denn sonst noch machen?», fragt die Mutter.

Ihr Mann hingegen sehe das Ganze etwas entspannter und betone immer wieder, dass es nur eine Minderheit sei, die so denke. «Es sind eben Leute, die keine Ahnung von der Thematik haben, die nicht wissen, was eine Anaphylaxie ist», sagt die Mutter zu der Zeitung. «Sie glauben, es geht hier um einen Hype wie bei der Glutenunverträglichkeit oder um ein bisschen Kribbeln im Mund.»

Familie musste sich der Tochter anpassen

Laut der Mutter wusste die Familie schon relativ früh, dass ihre Tochter später Allergien haben könnte.« Nach der Geburt litt sie an einer starken Neurodermitis, sie schlief nicht mehr als 90 Minuten am Stück pro Nacht», erzählt die Mutter.« Im ersten Lebensjahr hat sie das Essen komplett verweigert, wir haben alles versucht. Mit 18 Monaten hatte sie dann ihre erste Anaphylaxie.» Sie habe ihr ein Kindermüesli gegeben, das Haselnüsse enthalten habe. «Wir wurden danach ins Kinderspital Zürich verwiesen, das seitenweise Nahrungsmittel gefunden hat, auf die Elena allergisch reagiert», so die Mutter.

Schon relativ früh sei ihr klar geworden, dass sie wegen ihrer hochallergischen Tochter nicht mehr arbeiten könne. «Als dann die Allergien dazukamen, wurde es schlimmer: Alles selber kochen, das Haus sauberhalten, immer aufpassen – ich bin 24 Stunden am Tag damit beschäftigt», sagt die Mutter zu der Zeitung. «Auch unser Essverhalten haben wir ganz an Elena angepasst.»

Lehrer machten Kurs

Obwohl ihre Tochter wisse, dass sie anders sei, würde sie sich oft darüber aufregen: «Manchmal ist sie richtig frustriert und fragt mich, was sie machen kann, damit sie normal wird», erzählt die Mutter. Und: «Wir sind der Schule unglaublich dankbar, dass sie uns so unterstützt und dass so viele Lehrkräfte einen Anaphylaxie-Kurs gemacht haben, um zu lernen, wie sie im Notfall handeln müssen.»

Die Mutter sagt: «Wir sind allen Eltern und Kindern dankbar, die mitmachen, und allen Personen, die uns in den vergangenen Wochen Mut gemacht und ihre Unterstützung zugesagt haben. Das macht uns glücklich und sicher: Es wird funktionieren.»

Was ist die Anaphylaxie?

Die Anaphylaxie (aus dem Griechischen für «ohne Schutz») ist eine besonders heftige allergische Reaktion, die rasch auftritt und zum Tod führen kann. Eine anaphylaktische Reaktion kann laut dem Verein Erdnussallergie und Anaphylaxie (VEaA) einzelne oder mehrere der folgenden Symptome umfassen:

Haut und Schleimhäute: Juckreiz, Quaddeln, flächenhafte Rötung, Schwellungen im Gesicht

Atemwege: Niesen, Husten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, pfeifendes Atemgeräusch, Kurzatmigkeit und Atemnot

Magen-Darm: Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Herz-und Kreislaufsystem: Schwindel, Schwäche, Kraftlosigkeit, Blutdruckabfall, Herzrasen, Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislauf- und/oder Atemstillstand

Weitere: Unbestimmtes Angstgefühl

Nicht viele Kinder in der Schweiz sind von einer Nussallergie mit anaphylaktischer Ausprägung betroffen.

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