Aktualisiert 19.02.2017 18:43

Jugend-Polizisten

«Mädchen kopieren Stars und werden zu Sexobjekt»

Für Glarner Polizisten haben viele Junge wegen freizügiger Idole wie Kim Kardashian ein «verzerrtes Frauenbild». Dies begünstige sexuelle Übergriffe.

von
20M
Laut Romy Baumann und Marco Hämmerli machen sich Mädchen zu «Sexobjekten».

Laut Romy Baumann und Marco Hämmerli machen sich Mädchen zu «Sexobjekten».

Facebook/Jugendkontaktpolizei Glarus

Romy Baumann und ihr Kollege Marco Hämmerli sind Jugendkontakt-Polizisten im Kanton Glarus. Ihre Mission: Jugendliche davor zu bewahren, dass sie in die Kriminalität abrutschen oder Opfer von Gewalt werden.

In ihrer Arbeit stellen die Polizisten bei vielen Jugendlichen ein «verzerrtes Frauenbild» fest. «Immer wieder treffen wir auf Mädchen, die den aufreizenden Modestil der Stars kopieren», sagt Baumann zur «Südostschweiz». Damit machten sich diese selbst zu «Sexobjekten».

«Mädchen kopieren aufreizenden Stil»

Die beiden haben deshalb kürzlich auf Facebook und Instagram eine Fotomontage veröffentlicht, die freizügige Fotos von Stars wie Sängerin Miley Cyrus zeigt – daneben einen Text, der dazu aufruft, zwischen der «Pornografie-Scheinwelt» und der Sexualität «im echten Leben» zu unterscheiden.

Kritik übt die Polizei nicht am freizügigen Kleidungsstil, sondern daran, was die Gesellschaft – auch durch die Darstellung in den Medien – in diesen hineininterpretiert: «Alles wäre nur halb so schlimm, wenn die Jungs nicht öfter dem Irrglauben verfallen würden, dass solche Mädchen Freiwild sind», sagt Hämmerli. Zu dieser Ansicht trügen mitunter Videoclips bei, «in denen Frauen geradezu darum betteln, dass der Mann mit ihnen macht, was er will». All das begünstigt laut den Beamten sexuelle Übergriffe.

«Sie hatte Hotpants an, also wollte sie das!»

Übergriffe würden dann vielfach mit der Aussage gerechtfertigt: «Sie hatte Hotpants an, also wollte sie das!», kritisiert Hämmerli. Und weiter: «Entweder benutzt der Junge dies nur als Ausrede. Im schlimmsten Fall glaubt er das aber tatsächlich.»

Für die Polizisten ist klar, dass es nicht so weit kommen darf: «Den Jungs sollte klargemacht werden, dass eine Frau – egal, wie sie sich kleidet – Rechte hat und Respekt verdient», sagt Baumann zur Zeitung. Das Duo sieht aber auch die Eltern in der Pflicht. Diese müssten ihren Kindern aufzeigen, dass die Darstellungen in den Medien und den Pornos oft nicht der Realität entsprächen. «Den Mädchen sollten wieder vermehrt Selbstachtung und Selbstbewusstsein vermittelt werden.»

Für Agota Lavoyer von Lantana, der Berner Fachstelle Opferhilfe bei sexueller Gewalt, ist diese Einstellung richtig. «Ich bezweifle allerdings, dass sich Jugendliche heute freizügiger kleiden als früher.» Ebenso klar sei, dass es nicht weniger Übergriffe geben würde, wenn alle jungen Frauen im Rollkragenpulli unterwegs wären. Die Verantwortung für einen sexuellen Übergriff liege nie beim Opfer. «Nein heisst Nein, ganz unabhängig von der Kleidung.»

Geissbühler gab naiven Frauen Mitschuld

Im vergangenen Oktober hatte sich die Berner SVP-Nationalrätin und frühere Kantonspolizistin Andrea Geissbühler zu einem ähnlichen Thema geäussert. In der Diskussion darüber, warum viele Vergewaltiger in der Schweiz bedingte Strafen erhalten, gab sie Frauen im TeleBärn eine Mitverantwortung.

«Naive Frauen, die fremde Männer nach dem Ausgang mit nach Hause nehmen und dann ein bisschen mitmachen, aber plötzlich dennoch nicht wollen, tragen ja auch ein wenig eine Mitschuld.» Da seien die bedingten Strafen vielleicht gerechtfertigt. Mit ihrer Aussage löste sie einen Shitstorm aus.

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