Aktualisiert 21.03.2006 09:44

Mädchen schickte vor Selbstmord SMS an ihren Vergewaltiger

Bevor sich ein Mädchen in Deutschland vor den Zug legt, schickt es noch eine Kurzmitteilung an ihren Pflegevater. Der habe sie jahrelang missbraucht. Doch ihr Peiniger kommt mit einer Geldstrafe wegen Exhibitionismus davon.

Der erschütternde Inhalt der SMS: «Ich hoffe, Ihr könnt damit leben, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Und Du Uwe sag doch endlich mal die Wahrheit und sag was Du immer ständig mit mir gemacht hast.»

Erst jetzt, zwei Jahre nach Simones Tod, wird klar, warum die junge Frau sich das Leben nahm, berichtet rtl aktuell: Mehr als zwei Jahre lebt sie mit ihrem 59-jährigen Pflegevater. Einen Tag vor ihrem Selbstmord erzählt sie ihrem Freund Thorsten P., dass sie von Uwe B. missbraucht wird.

Zweifel an der Gerechtigkeit

Nach Simones Tod wird gegen den Pflegevater ermittelt. Das Verfahren wurde jedoch aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Erst als ein zweites Pflegekind - Sabine - ähnlichen Vorwürfe erhebt, kommt Uwe B. endlich vor Gericht. Die 27-jährige sollte ihren damaligen Pflegevater sexuell befriedigen.

Uwe B. wird nur gerade zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt -wegen Exhibitionismus. Die Richter betrachten Sabines Schilderungen nicht als sexuellen Missbrauch. Sabine ist vollkommen konsterniert: «Unter Exhibitionismus verstehe ich andere Sachen.»

Mit Unverständnis reagiert auch Thorsten P., Simones Freund. Thorsten sollte gegen Uwe B. aussagen, wird aber beim Prozess ausgeladen. Álle weiteren Zeugen werden ebenfalls ausgeladen. Nicht einmal der Angeklagte erscheint vor Gericht: «Das ist wie ein Schlag ins Gesicht, wenn das Urteil einfach so hinter verschlossenen Türen stattfindet».

Thorsten P. wird nie verstehen, warum Pflegevater Uwe B. in seinen Augen ohne gerechte Strafe weiterleben darf, während Simone bereits seit zwei Jahren tot ist.

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