«Was würden Sie tun?»: Mädchen schreibt Obama, Obama antwortet Mädchen
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«Was würden Sie tun?»Mädchen schreibt Obama, Obama antwortet Mädchen

Sophia Bailey Klugh wird in der Schule gehänselt, weil sie homosexuelle Eltern hat. Sie wendet sich deswegen an den Präsidenten. Und der hat jetzt offenbar geantwortet.

von
gux

Der Brief der Zehnjährigen von Ende Oktober ist herzzerreissend. «Ich habe zwei Väter», schreibt Sophia Bailey Klugh in krakeliger Handschrift. «Sie lieben sich, aber alle meine Schulkollegen finden das eklig und merkwürdig. Das verletzt meine Gefühle und tut mir im Herzen weh.»

«Deswegen komme ich zu Ihnen, denn Sie sind mein Held. Wenn Sie an meiner Stelle wären und zwei Väter hätten, die sich lieben, und die Kinder in der Schule wären deswegen gemein zu Ihnen: Was würden Sie tun?»

Jetzt soll Barack Obama dem Kind zurückgeschrieben haben, mitsamt einer Antwort auf die gestellte Frage. «Du und ich haben das Glück in einem Land zu leben, in dem die Menschen von Geburt an gleichgestellt sind, egal, wie wir aussehen, wo wir aufgewachsen und wer unsere Eltern sind», heisst es in dem Brief, der mit Barack Obama unterschrieben ist.

Eine präsidiale Antwort

«Eine gute Regel lautet: Behandle andere, wie du willst, dass sie dich behandeln. Mahne deine Freunde in der Schule, wenn sie etwas sagen, das dir wehtut.»

Sophia, so heisst es weiter in dem Brief, könne sich glücklich schätzen, Eltern zu haben, die sie sehr liebten. «Und sie haben Glück, eine aussergewöhnliche Tochter wie dich zu haben.»

Der Briefwechsel zwischen dem US-Präsidenten und dem Mädchen aus San Diego rührt derzeit viele Menschen in den USA zu Tränen. Kritische Geister hingegen zweifeln die Echtheit des Präsidenten-Briefes an.

Fragezeichen zur Echtheit

Tatsächlich sieht der Briefkopf mit der blauen Schrift etwas schäbig aus, und auch ein ansonsten eingestanztes White-House-Logo fehlt. Auch das Grössenformat des präsidialen Briefes ist eher ungewöhnlich.

Die Geschichte, ob nun wahr oder nicht, lenkt das Augenmerk auf ein Thema, das im Getöse der Präsidentschaftswahlen zumindest medial unterzugehen droht. So stimmen die Bürger von Maine, Washington, Maryland und Minnesota über die staatliche Anerkennung von homosexuellen Paaren ab.

Ein Reizthema schlechthin, das aber gute Chancen hat, in den betroffenen Bundesstaaten bestätigt zu werden. Nur in Minnesota ist der Ausgang des Referendums offen.

Insgesamt stehen in fast 30 Bundesstaaten über 170 Volksinitiativen auf dem Wahlzettel. Darunter auch die Legalisierung von Marihuana in Colorado, Oregon und Washington – oder die Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien.

Hier bleibt Romney standhaft

Barack Obama ist der erste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, der sich im Mai 2012 überraschend und deutlich für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen hat. Das Thema wurde im Wahlkampf aber nicht zum so genannten Game-Changer, wie viele zunächst vermuteten.

Herausforderer Mitt Romney ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Er will «die traditionelle Ehe schützen – die Verbindung von einem Mann und einer Frau», wie er im Wahlprogramm festhält.

Im Gegensatz zu anderen Themen, wie etwa das Recht auf Abtreibung, bleibt sich Romney hier treu und ist heute genauso gegen die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und Ehen wie er es als 70. Gouverneur von Massachusetts war.

So versuchte er 2004 die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes des Bundesstaates von Massachusetts zu gleichgeschlechtlichen eheähnlichen Partnerschaften durch eine Änderung der Verfassung, welche die Ehe auf Mann und Frau beschränkt hätte, zu verhindern. Als er damit scheiterte, untersagte er den Standesbeamten seines Bundesstaates, solch eheänhlichen Verbindungen mit Partnern aus auswärtigen Bundesstaaten abzusegnen.

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