26.03.2017 19:46

Trotz gleicher Leistung

Mädchen werden in Physik schlechter benotet

Eine Studie zeigt: Das Geschlecht beeinflusst die Benotung. Mädchen erhalten schlechtere Physiknoten und Buben werden beim Aufsatz benachteiligt — trotz gleicher Leistung.

von
jen
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Obwohl Schülerinnen eine Physikaufgabe gleich beantworten wie ihre männlichen Klassenkameraden, erhalten sie dafür regelmässig eine schlechtere Note.

Obwohl Schülerinnen eine Physikaufgabe gleich beantworten wie ihre männlichen Klassenkameraden, erhalten sie dafür regelmässig eine schlechtere Note.

Keystone/Gaetan Bally
Die Benachteiligung würde aber nicht nur Mädchen betreffen. Studien zeigen, dass Schüler für die gleiche Leistung bei Deutschaufsätzen schlechter benotet werden als Mädchen.

Die Benachteiligung würde aber nicht nur Mädchen betreffen. Studien zeigen, dass Schüler für die gleiche Leistung bei Deutschaufsätzen schlechter benotet werden als Mädchen.

AP/Jockel Finck

Obwohl Schülerinnen eine Physikaufgabe gleich beantworten wie ihre männlichen Klassenkameraden, erhalten sie dafür regelmässig eine schlechtere Note. Das zeigt eine Studie der ETH-Forscherin Sarah Hofer, berichtet die «Sonntagszeitung».

Die Forscherin bat 780 Physiklehrer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich eine Prüfungsantwort aus einem Online-Test zu benoten. Darin ging es um eine Mechanik-Frage. Die Antworten von fiktiven Schülerinnen und Schüler waren jeweils gleich formuliert und nur teilweise korrekt.

Benachteiligung macht im Schnitt 0.7 Noten aus

Die eine Hälfte der Physiklehrer ging davon aus, dass ihre Antworten von Schülern stammt. Die andere Hälfte dachte, dass die Antworten von Schülerinnen geschrieben wurden.

Und es zeigte sich: Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, die seit weniger als zehn Jahren unterrichten, benoteten die Mädchen signifikant schlechter als die Buben, schreibt die «Sonntagszeitung». Hatten die Lehrer fünf oder weniger Jahre Beurfserfahrung, machte die Benachteiligung im Schnitt gar 0.7 Noten aus.

Auch Buben benachteiligt

Hofer kommt zum Schluss, dass Physiklehrer mit wenig Berufserfahrung die Schülerinnen nicht absichtlich schlechter benoten würden. Aber die Stereotype, dass Mädchen in der Physik schlechter seien als Buben, würden implizit mitspielen. Die Forscherin fordert: «Es geht nicht, dass Schülerinnen für dieselbe Leistung schlechter benotet werden. Die Lehrerausbildung muss die Problematik vermehrt aufnehmen.»

Die Benachteiligung würde aber nicht nur Mädchen betreffen. Studien zeigen, dass Schüler für die gleiche Leistung bei Deutschaufsätzen schlechter benotet werden als Mädchen.

Obwohl in der Lehrerausbildung die gerechte Benotung schon jetzt ein Thema ist, sagt Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik beim Lehrerverband LCH: «Wir müssen in der Weiterbildung und an den Schulen noch aktiver werden.» Beim Schweizerischen Verband der Akademikerinnen (SVA) ist das Thema ebenfalls präsent: Am 8. April findet ein Workshop statt, in dem der Verband Hofers Studie besprechen wird.

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