Aktualisiert 15.05.2007 14:09

Mädchenmord: Schweizer geben Speichel ab

Der Fall der ermordeten Münchner Millionärin Charlotte Böhringer führt die deutschen Ermittler in die Schweiz. Hier könnte sich auch das besonders grausame Morddelikt an einem Mädchen in den 80er-Jahren aufklären.

Derzeit findet im Landgericht I in München der Prozess gegen Benedikt T. statt. Er wird beschuldigt, vor rund einem Jahr seine Tante Charlotte Böhringer umgebracht zu haben. Diese war mit Parkhäusern reich geworden.

DNA-Spuren am Geschirr der Millionärin...

Heute morgen hatten die Richter auf Antrag Benedikt T.s Verteidiger darüber zu befinden, ob der Prozess gegen Benedikt T. überhaupt weitergeführt werden solle. Resultat: Der Prozess wird, nach einer Pause, weitergeführt, allerdings unter neuen Vorzeichen. Der Grund: DNA-Spuren, die in der Wohnung der ermordeten Böhringer gefunden wurden, passen zu einem DNA-Profil, das auf einer Kiste gefunden worden, die vor über zwanzig Jahren ganz Deutschland bewegte.

...identisch mit der DNA auf der Kiste des entführten Mädchens

In besagter Kiste war 1981 die elfjährige Ursula Herrmann qualvoll erstickt. Ein Unbekannter, mit dem jetzt wieder aufgetauchten DNA-Profil, hatte das Mädchen in einer Kiste in Bayern vergraben und von deren Eltern Lösegeld gefordert - auch nachdem das Mädchen bereits erstickt war.

Schweizer geben Speichelproben freiwillig

Nun besuchen die Münchner Ermittler zwei Männer und eine Frau, die von der Schweiz aus mit der ermordeten Böhringer kurz vor ihrem Tod telefoniert hatten. Wie Anton Winkler, Staatsanwalt und Pressesprecher der Münchner Staatsanwaltschaft I, gegenüber 20minuten.ch erklärte, haben sich die betroffenen Schweizer bereit erklärt, den Münchner Ermittlern Speichelproben abzugeben. Es handelt sich um den männlichen Part eines mit Charlotte Böhringer befreundeten Paares und um den mutmasslichen Liebhaber der Millionärin.

Eduard Zimmermann hat Belohnung ausgesetzt

Es ist durchaus möglich, dass die Ermittlungen in der Schweiz auch auf die Spur von Ursulas Mörder führen. Es wäre ein Doppelmörder, nach dem auch der ehemalige Aktenzeichen-XY-Moderator Eduard Zimmermann fahndet. Er hat auf den Mörder der kleinen Ursula ein Kopfgeld von 100 000 Euro ausgesetzt. Zimmermann bezeichnet gegenüber 20minuten.ch den ungeklärten Fall als seine «grösste Niederlage». «Der Fall hat mich nie losgelassen. Die Bilder des Polizeifotographen landeten damals auf meinem Schreibtisch. Für einen Moment dachte ich das Kind sitzt mir lebendig gegenüber. Diesen Anblick konnte ich nie vergessen.»

Trotz der neuen Bewegung, die dank dem DNA-Fund in der Wohnung von der ermordeten Parkhaus-Millionärin Böhringer in den Fall kommt, bleibt Zimmermann skeptisch: «Die neuen Spuren klingen beeindruckend, aber es gehört zu den Charakterzügen eines Fachmanns, dass er nicht sofort Hurra schreit. Schon zu oft glaubte man auf der richtigen Fährte zu sein».

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

Fall Herrmann

Die Entführung und der Tod der eljährigen Schülerin Ursula Herrmann aus Eching (Bayern) blieb als einer der brutalsten Fälle in der bayerischen Kriminalgeschichte. Die Entführer hatten eine 1,60 Meter hohe Kiste mit Belüftung, Beleuchtung und Toiletteneimer präpariert, die im Waldboden versenkt wurde. Mit Essensvorräten und Comic-Heften wurde die Schülerin in dieses Gefängnis gesperrt. Offenbar wollten die Kidnapper das Mädchen zunächst nicht töten.

Mädchen war tot - Erpressung ging weiter

Die Luftzufuhr zu der Kiste verstopfte jedoch durch nasses Laub, Ursula war wenige Stunden nach ihrer Entführung tot. Dennoch richteten die Täter an die Eltern ein Erpresserschreiben und forderten in einem Brief, der aus Zeitungsausschnitt zusammengesetzt war, zwei Millionen Mark Lösegeld. Dann liessen die Erpresser nichts mehr hören. 19 Tage später fanden erschütterte Polizeibeamte die Leiche des Mädchens. Wenig später wurde ein verschuldeter Mechaniker aus Utting festgenommen. Die Polizei ging zunächst davon aus, dass Utensilien aus der Kiste von dem Verdächtigen stammen. Der Mechaniker wurde jedoch kurz darauf wieder auf freien Fuss gesetzt.

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