«Babys regelrecht zerhackt»: Mäh-Roboter werden für junge Igel zur Todesfalle

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«Babys regelrecht zerhackt»Mäh-Roboter werden für junge Igel zur Todesfalle

Immer mehr Igel fallen in der Schweiz Mäh-Robotern zum Opfer. Besonders Jungtiere werden schwer verletzt oder getötet.

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Kleinen Igeln droht eine neue Gefahr: Immer mehr Jungtiere werden von Rasenrobotern verletzt oder getötet.

Kleinen Igeln droht eine neue Gefahr: Immer mehr Jungtiere werden von Rasenrobotern verletzt oder getötet.

epa/Tomasz Wojtasik
Die Maschinen erkennen die kleinen Tiere oft nicht, sodass sie die Igel überfahren und die Klingen die Tiere verletzen oder töten.

Die Maschinen erkennen die kleinen Tiere oft nicht, sodass sie die Igel überfahren und die Klingen die Tiere verletzen oder töten.

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Mit dem Frühling spriesst in den Gärten auch wieder das Gras. Um sich die lästige Arbeit des Rasenmähens zu sparen, setzen immer mehr Schweizer auf Mäh-Roboter, die die Grünfläche eigenständig abfahren und den Rasen zurechtstutzen.

Nun schlagen aber Schweizer Igelfreunde Alarm, denn die Geräte können für Igel zur tödlichen Gefahr werden, weil sie kleine Gegenstände und Lebewesen übersehen können. Jung-Igel etwa würden nicht vor den Geräten weglaufen, sondern sich zusammenrollen, erklärt Bernhard Bader vom Verein Pro Igel. Die Folge: Die kleinen Tiere werden von gewissen Mäh-Robotern überfahren und von den rotierenden Klingen verletzt oder gar getötet.

«Igel erleiden schwer verstümmelt einen langen Todeskampf»

«Immer mehr Igel werden von den Mährobotern skalpiert, Igelbabys regelrecht zerhackt», berichtet Liliane Männlein von der Beratungsstelle des Ostschweizer Igelfreunde-Vereins. Oft würden Gartenbesitzer die Roboter-Rasenmäher Tag und Nacht laufen lassen und so die nachtaktiven Igel gefährden.

Von einer steigenden Zahl von Fällen schrieb Bader von Pro Igel bereits Ende 2016: «In den letzten zwei Jahren sind bei uns vermehrt Meldungen zu Igeln eingegangen, die eindeutig von Mährobotern verletzt wurden», heisst es im Vereinsmagazin «Igel-Bulletin». Allzu häufig müssten junge Tiere «schwer verstümmelt einen langen Todeskampf erleiden». Besonders gefährdet seien pubertierende Jungigel, sagt Bader gegenüber 20 Minuten. Diese würden von der Mutter verstossen und seien auch tagsüber allein unterwegs, wenn auch viele Mäh-Roboter laufen würden.

Gefahr ab 4,5 Zentimeter Bodenabstand

Bader wollte die Gefahr genau untersuchen und testete verschiedene Mähroboter-Modelle auf die Gefährlichkeit für Igel. Dazu legte er einen Apfel, der als Dummy für einen jungen Igel dienen soll, in die Laufbahn der Geräte. Bei den Geräten mit einem hohen Bodenabstand wurde der Apfel «arg ramponiert», ein Modell mit weniger Bodenfreiheit verschonte das Obst. Fazit des Igelfreundes: Ab einem Bodenabstand von 4,5 Zentimetern sind die Geräte gefährlich.

Die Problematik hätten gewisse Hersteller bereits erkannt. Bader reist Ende Monat auf Einladung von Hersteller Husqvarna nach Schweden, wo er mit den Ingenieuren die Problematik besprechen und mögliche Lösungen finden will.

Viel virulenter als die Gefahr durch Rasen-Roboter sei für die Igel weiterhin die Strasse, sagt Bader. «Hier kommen jedes Jahr tausende Tiere um, den Mähmaschinen fallen vergleichsweise wenig Tiere zum Opfer.» Gefährlich seien auch Fadenmäher, die an unübersichtlichen Stellen eingesetzt würden. «Man sollte unter Sträuchern und im Gestrüpp immer nachschauen, ob sich dort Tiere verstecken.»

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