Zum Saisonende: Männer-Cheftrainer Osi Inglin muss gehen
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Zum SaisonendeMänner-Cheftrainer Osi Inglin muss gehen

Osi Inglin wird den Posten als Männer-Cheftrainer von Swiss-Ski nur noch bis Saisonende ausüben. Wer das alpine Männer-Team in die Olympia-Saison führen wird, ist noch nicht bekannt.

Die Führung von Swiss-Ski beschloss die Absetzung von Inglin nur wenige Tage nach Ende der WM in Schladming, die für das Männer-Team ohne Medaillengewinn geendet hatten. Dem 44-jährigen Innerschweizer, der die Mannschaft noch bis Mitte März zum Weltcup-Finale auf der Lenzerheide führen wird, wurden damit die ungenügenden Resultate in diesem Winter zum Verhängnis.

Inglin hat als Cheftrainer der Schweizer Männer die schlechteste Saison in der Geschichte des Weltcups zu verantworten. In 26 Rennen in diesem Winter gab es nur gerade einen Podestplatz: der 3. Platz von Carlo Janka Mitte Januar in der Super-Kombination von Wengen. Als Folge davon taucht weder in der Abfahrt, im Super-G, Riesenslalom oder Slalom mehr ein Schweizer in den Top 20 des Weltcups auf.

Rückhalt wurde immer geringer

Ein weiterer Grund für die Trennung von Inglin per Ende dieser Saison ist auch der zuletzt immer geringer werdende Rückhalt von allen Seiten. Zuletzt sprachen sich auch einige Fahrer gegen den Schwyzer aus. Deshalb sei eine Neubesetzung des Postens unumgänglich geworden, so Swiss-Ski in einem Communiqué.

Inglin war Ende Januar 2011 als «Wunschkandidat» für den in die Privatwirtschaft wechselnden Berner Martin Rufener präsentiert worden. Vor allem dank den überragenden Didier Cuche und Beat Feuz sorgten die Schweizer Männer in Inglins erster Saison dauerhaft für positive Schlagzeilen. Doch Cuche wie Feuz fuhren im März 2012 ihr letztes Rennen. Der Neuenburger trat im vergangenen Frühjahr zurück, der Berner ist wegen seiner schweren Knieverletzung nach wie vor rekonvaleszent. Da zudem auch die Olympiasieger Carlo Janka (Material-Probleme) und Didier Défago (Konstanz) mehr mit sich selbst als mit den Gegnern zu kämpfen haben, fehlt Inglins Team ein Leader und Fahrer, der konstant für Top-Resultate sorgt.

WM-Bilanz von Swiss Ski

Inglin: «Entscheid nachvollziehbar»

Osi Inglin kann nun aber nicht mehr beweisen, dass sein Team nicht so weit weg von der Spitze entfernt ist, wie die aktuellen Resultate glauben machen. «Ich denke, wir werden schon bald wieder eine gute Gruppe beisammen haben und wieder schönere Zeiten erleben.» Den Entscheid seiner Absetzung trug er jedoch mit Fassung. «Ich hätte gerne weiter gemacht, doch es ist für mich nachvollziehbar, wenn man nach solchen Resultaten, wie wir sie in diesem Winter abgeliefert haben, ein Zeichen setzt.»

Ein Kritikpunkt an seiner Arbeit betraf den direkten Kontakt zu den Athleten, was Inglin aber nur bedingt gelten lässt. «Ich habe ein anderes Verständnis von der Aufgabe eines Cheftrainers. Als erste Ansprechpartner sah ich immer meinen Staff, will heissen primär die Gruppentrainer, die ihrerseits mit den Athleten näher zusammenarbeiten. Da stellte ich mich nicht ständig dazwischen.»

Suche nach Nachfolger läuft

Für Urs Lehmann, Präsident von Swiss-Ski, war deshalb klar, dass «die aktuelle Situation und die Umstände einen Neuanfang mit frischen Kräften erfordern». Man prüfe aber, so Lehmann, ob man das grosse Know-how und die Erfahrung von Inglin im Verband behalten könne. Die Suche nach einem möglichen Nachfolger ist umgehend aufgenommen worden. Eine weitere «Baustelle» innerhalb des Skiverbands ist zudem die vor einigen Wochen neu geschaffene Position des Chef Alpin. In dieser Sache hat Präsident Lehmann am Rande der WM bereits Gespräche mit verschiedenen Kandidaten geführt.

Vor seiner Tätigkeit als Männer-Cheftrainer war Inglin von 2006 bis 2011 Alpin-Verantwortlicher am Sport-Gymnasium Davos. Er war schon von 1993 bis 2002 sowie in der Saison 2005/2006 für den Skiverband tätig, zuletzt als Cheftrainer der Frauen. Diesen Job gab er nach nur einem Jahr primär aus privaten Gründen auf.

(si)

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