Ungesunder Lifestyle: Männer geben sich zu gern die Kante
Aktualisiert

Ungesunder LifestyleMänner geben sich zu gern die Kante

Weil Männer mehr rauchen und trinken als Frauen, haben sie eine tiefere Lebenserwartung. Forscher und Politiker wollen nun mit massgeschneiderten Kampagnen reagieren.

von
Ph. Flück
Tabak und Alkohol als Gründe für eine tiefere Lebenserwartung.

Tabak und Alkohol als Gründe für eine tiefere Lebenserwartung.

«So geht es mit Tabak und Rum: Erst bis du fröhlich, dann fällst du um.» Was schon Wilhelm Busch sagte, gilt noch heute für viele Männer. Dies stellt zumindest das Robert-Koch-Institut in einem Bericht über die Gesundheit der Männer in Deutschland fest.

Männer würden laut der Studie mehr rauchen, mehr trinken und sich ungesunder ernähren als Frauen. Dem Bericht zufolge könne die tiefere Lebenserwartung der Männer auf solche «gesundheitliche Risikoverhalten» zurückgeführt werden. Besonders gefährdet seien alleinlebende Männer ab 30.

«Der Körper ist kein Instrument»

Wie «Die Welt» berichtet, schlagen die Forscher speziell an Männer gerichtete Präventionskampagnen vor. Heute würden Männer von solchen Angeboten seltener erreicht als Frauen.

Handlungsbedarf sieht auch FDP-Ständerat Felix Gutzwiller: «Männer müssen darauf hingewiesen werden, dass sie in ihren Körper investieren müssen.» Genug Sport zu treiben und eine gesunde Ernährung seien nicht nur für Frauen wichtig. Diese Botschaft müssten speziell an Männer gerichtete Kampagnen vermitteln.

«Oft haben Männer das Gefühl, ihr Körper sei nur ein Instrument», sagt Gutzwiller. Deshalb würden sich viele Männer zu wenig um ihn kümmern: «Solange der Körper seine Arbeit erledigen kann, sind viele zufrieden.»

Für Yvonne Gilli, Nationalrätin der Grünen, hat dies auch mit der Rollenverteilung zu tun: «Es gilt in unserer Gesellschaft nicht unbedingt als männlich, wenn man ein starkes Gefühl für den eigenen Körper hat». Bei Frauen sei hingegen ein solches Verhalten durchaus akzeptiert.

Stereotype hinterfragen

Auch Markus Meury, Mediensprecher von «Sucht Schweiz» bestätigt, ein erhöhter Tabak- und Alkoholkonsum sei eher bei Männern ein Problem: «Wir versuchen, unsere Kampagnen entsprechend gendersensibel auszurichten.» Man habe zum Beispiel eine Broschüre zur Alkoholprävention mit dem Titel «Wir Männer vertragen eine ganze Menge Alkohol …» herausgegeben, um bewusst ein männliches Publikum anzusprechen.

Um Männer zu erreichen müsse man Stereotype hinterfragen: «Männer müssen lernen, dass auch sie Probleme haben können.» In unserer Gesellschaft gelte es als männlich, viel Alkohol zu vertragen: «Man muss andere Wege zur Männlichkeit aufzeigen.»

An die Eigenständigkeit des Individuums glauben

Gegen solche Präventionskampagnen spricht sich SVP-Nationalrat Jürg Stahl aus: «Mündige Bürger wissen, was gut und was schlecht ist.» Man müsse durch solche Kampagnen nicht ständig ans Schlechte erinnern. Es gebe einen Punkt, an dem man einfach an die Eigenständigkeit des Individuums glauben müsse: «Eine Bevormundungspolitik bringt keine Resultate.»

Auch Gilli ist nicht ganz überzeugt von Kampagnen für Männer: «Es ist bekannt, dass auch Frauen vermehrt ungesund leben – Kampagnen müssen sich deshalb an beide Geschlechter richten.» Allerdings seien Präventionskampagnen nur zu einem gewissen Grad nützlich: «Wer schon ungesund lebt, ändert sein Verhalten nicht aufgrund eines Plakats.»

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