Aktualisiert 03.10.2013 11:58

Gleichberechtigung

«Männer nervt das Feministinnen-Geklöne»

Zwei Drittel der deutschen Männer finden, es reiche mit der Emanzipation der Frauen. Auch Schweizer Männer haben die Nase voll von der traditionellen Gleichstellungspolitik.

von
D. Pomper

Frauenquote und Lohngleichheit: Vielen Männern in der Schweiz reicht es langsam mit der Gleichberechtigung. «Klar gibt es einige Punkte, an denen man noch arbeiten muss», sagt Oliver Hunziker, Präsident der Organisation Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter VeV. Aber aus Erfahrung weiss er: «Viele Männer, aber auch junge Frauen haben zunehmend die Nase voll vom Geklöne der Feministinnen.» Vor allem das Thema Lohngleichheit hänge vielen zum Hals heraus. «Wir wissen es langsam», sagt Hunziker.

Müde vom Kampf für Gleichberechtigung sind auch die Männer in Deutschland: Zwei Drittel finden, es sei genug für die Emanzipation von Frauen getan worden. 28 Prozent finden, dass «zum Teil schon übertrieben» worden sei. Dagegen finden 45 Prozent der Frauen, dass sie gegenüber Männern noch immer nicht gleichberechtigt sind. Das zeigt eine Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der «Bild der Frau» erstellt hat.

Revival einer traditionellen Weltanschauung

Geschlechterforscher Denis Hänzi von der Technischen Universität Darmstadt geht davon aus, dass sich in der Schweiz ein ähnliches Bild zeigen dürfte. Er beobachtet ein «Revival traditioneller, recht konformer Weltanschauungen» bei Männern und Frauen: «In eher unsicheren Zeiten entwickeln die Individuen Sehnsüchte nach alten Gewissheiten.» Insbesondere Männer, die mit prekären Arbeitsverhältnissen zu kämpfen hätten und eine weitere soziale Abwertung fürchten, sähen es ungern, wenn ihnen Frauen den Rang ablaufen würden. «Das hat auch mit dem Erhalt des eigenen traditionellen männlichen Selbstbildes zu tun.»

Die negativen Äusserungen von Männern zur neueren Frauenbewegung sei ein Zeichen dafür, dass die «Trutzburgen der Männlichkeit zu bröckeln beginnen», so Hänzi. Doch auch viele Frauen würden sich offenbar danach sehnen, dass «endlich wieder Ruhe in die Geschlechterverhältnisse kommt».

Rosmarie Zapfl, Präsidentin von Alliance F, glaubt, dass viele Männer mit der selbstbewussten Frau von heute überfordert seien: «Für die Männer war es jahrhundertelang selbstverständlich, dass sie alleine das Sagen haben.» Das habe sich geändert. «Frauen bestehen auf ihren Freiheiten, sie gehen arbeiten und am Abend mit ihren Freunden aus – auch wenn sie verheiratet sind.» Das wäre noch in den 70er-Jahren unvorstellbar gewesen.

Überforderte und frustrierte Männer?

«Diese Situation überfordert viele Männer, da sie aus Familien mit einem anderen Rollenverständnis stammen.» Diese Frustration wandle sich dann in eine Aversion gegen die Emanzipation von Frauen. So verwundert es Zapfl nicht, dass vor allem Single-Männer ein kritisches Verhältnis zum Wandel der Geschlechterrollen haben, wie die Studie zeigt.

Vaterrechtsaktivist Oliver Hunziker wehrt sich gegen das Bild des überforderten, frustrierten Mannes, der nicht mit emanzipierten Frauen klarkommt: «Das ist völlig realitätsfern. Wir sind keine Opfer.» Das Problem sei vielmehr, dass die Gleichstellungsgeschichte noch immer frauendominiert sei. «Sobald wir Väter und Männer für Gleichberechtigung kämpfen wollen, wird das als Angriff gegen die Frau verstanden.»

Auch Markus Theunert, Präsident vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, glaubt, dass die Mehrheit der Schweizer Männer genug von einer Gleichstellungsarbeit habe, die nur Frauenförderung im Fokus hat. Die Kritiker liessen sich in vier verschiedene Gruppen aufteilen.

Neue Form der Gleichberechtigung

«Einerseits gibt es die Chauvinisten, die sich die Frau zurück an den Herd wünschen», so Theunert. Daneben gebe es die Männer, die sich heimlich die alten Geschlechterrollen zurückwünschten, sich aber nicht getrauten, das öffentlich zu sagen. «Dann gibt es die verunsicherten Männer, die auf der Suche nach einem neuen Rollenbild sind», sagt Theunert. Etwa die Männer, die gern Teilzeit arbeiten wollten, um sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, aber nicht wissen, wie sie das umsetzen wollen.

Zur vierten Gruppe zählt Theunert Männer, die ein egalitäres Familienleben führten, also sich ebenso wie die Frau um die Kindererziehung kümmern und dafür ihr Arbeitspensum reduzierten. Dafür kämpft auch Theunert: «Es muss eine Gleichstellungspolitik angestrebt werden, die auch die Anliegen von Buben, Männern und Vätern berücksichtigt.»

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