Kriminaltourismus: Männer setzen Diebestour nach Verhaftung fort

Aktualisiert

KriminaltourismusMänner setzen Diebestour nach Verhaftung fort

Zweimal in einer Woche wurden im Aargau die selben Diebe verhaftet. Erst beim zweiten Mal kamen sie in U-Haft. Für die Polizei ist der wirkungslose Kampf gegen Kriminaltouristen «frustrierend».

von
fum
Innert kurzer Zeit wurden Ladendiebe gleich zweimal verhaftet.

Innert kurzer Zeit wurden Ladendiebe gleich zweimal verhaftet.

Letzten Freitag vermeldete die Kantonspolizei Aargau, dass sie drei Rumänen vorläufig festgenommen habe, die bei einem versuchten Ladendiebstahl ertappt worden waren. Trotz des dringenden Verdachts, dass sie gezielt in der Schweiz auf Diebestour waren, musste sie die Polizei wieder laufen lassen. Die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft – Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder Wiederholungsgefahr – waren nicht gegeben.

Am Mittwoch kontrollierte die Kapo Aargau zwei der drei Männer wiederum - diesmal in ihrem Auto. Und prompt stiessen die Polizisten auf etliche Flaschen Alkoholika und mehrere Stangen Zigaretten, welche die Rumänen im örtlichen Lebensmittelladen geklaut hatten. Im Gegensatz zum ersten Mal blieben die Männer nun in Gewahrsam. Die Staatsanwaltschaft Baden wird beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft beantragen.

«Für uns Polizeibeamte sind solche Fälle frustrierend», sagt Max Hofmann, Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter. Er spricht von einer «Sisyphusarbeit», die in den letzten Jahren zugenommen habe. Auch der Sprecher der Kantonspolizei Aargau beklagt, dass man wenig Handhabe habe gegen «offensichtlich dubiose Personen», die man regelmässig anhalte.

Neue Strafprozessordnung sorgt für Diskussionen

Politiker sehen Handlungsbedarf: Für SVP-Nationalrat Heinz Brand sind die Vorfälle eine «klare Folge unserer offenen Grenzen». Er verlangt, dass die Schweiz aus dem Schengen-Raum austritt und die Grenzkontrollen intensiviert. Für CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter der falsche Weg: «Das bringt rein gar nichts.» Man müsse aber schauen, dass man das subjektive Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung in den Griff bekomme.

Für Kritik sorgt beispielsweise die neue Strafprozessordnung. Früher konnte ein Untersuchungsrichter bis zu 14 Tage U-Haft für verdächtige Personen anordnen, seit der Revision muss sie vom Zwangsmassnahmengericht beurteilt werden. Eine Untersuchungshaft ist aber per Definition keine Strafe, sondern hilft, die Untersuchung weiterzuführen. Zudem hat sie wenig präventive Wirkung: «Jemand, der systematisch Delikte begeht, lässt sich kaum durch U-Haft abschrecken», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau.

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