Frauen unerwünscht: «Männer sind bei Arbeitszeit zuverlässiger»
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Frauen unerwünscht«Männer sind bei Arbeitszeit zuverlässiger»

In einem Stelleninserat sucht eine Gastrofirma einen männlichen stellvertretenden Geschäftsführer. Ein No-go, findet ein Personalexperte.

von
Jennifer Furer
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Die Inhaberin der Filiale Hong Kong Food Paradise im Sihlcity sucht einen männlichen stellvertretenden Geschäftsführer.

Die Inhaberin der Filiale Hong Kong Food Paradise im Sihlcity sucht einen männlichen stellvertretenden Geschäftsführer.

TAM
Mit diesem Stelleninserat sucht die Filiale Hong Kong Food Paradise im Sihlcity den Mann.

Mit diesem Stelleninserat sucht die Filiale Hong Kong Food Paradise im Sihlcity den Mann.

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Der Mann der Inhaberin sagt, dass sie das Wort «männlich» mittlerweile entfernt haben.

Der Mann der Inhaberin sagt, dass sie das Wort «männlich» mittlerweile entfernt haben.

«Wir suchen per sofort oder nach Vereinbarung einen erfahrenen männlichen Stellvertreter unseres Geschäftsführers.» Als eine Leser-Reporterin diese Zeilen in einem Stelleninserat las, fiel sie aus allen Wolken. «Ich finde das unangemessen in der heutigen Zeit, in der man eigentlich die gleichen Rechte haben sollte.»

Das Inserat wirbt für eine Stelle in der Filiale von Hong Kong Food Paradise im Sihlcity. Die Inhaberin sagt auf Anfrage, dass dieses «auf gar keinen Fall» diskriminierend gegenüber Frauen gemeint sei. «Wir haben gezielt nach einer männlichen Person gesucht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese zeitlich flexibler ist.»

Frauen feinfühliger bei Dekoration

Als Geschäftsführer seien Einsätze bis spät am Abend und am Samstag unabdingbar. «Es ist leider so, dass nur Männer diese Arbeitszeiten zuverlässig wahrnehmen können, weil die Frauen sich dann meist um die Familie kümmern müssen», sagt die Inhaberin weiter. Dafür seien Frauen feinfühliger, zum Beispiel bei der Dekoration.

Hätte man in der Stellenbeschreibung nicht geschrieben, dass nur Männer gewünscht seien, müsste man den Frauen absagen, die sich beworben haben, so die Inhaberin. «Das raubt Zeit und hegt auch falsche Hoffnungen.» Es sei aber sicher so, dass Frauen den Job auch ausführen dürften, aber eben nur unter der Voraussetzung, dass sie die Arbeitszeit auch wahrnehmen könnten.

Inserat geändert

Der Mann der Inhaberin ergänzt per Mail: «Bei uns in der gesamten Gastrogruppe, die vier Betriebe beinhaltet, sind sicher ein Viertel Frauen, deren Einsatz und Engagement wir täglich sehr schätzen.» Um das «missverständliche Aufnehmen dieses Themas» aufzuklären, sei das Inserat «natürlich sofort geändert» worden. «Es war auch nur auf diese Stelle im Sihlcity so erstellt worden, ohne da eine böse und schon gar nicht diskriminierende Haltung darzustellen.»

«Besser die Bedingungen klar formulieren»

Personalexperte Matthias Mölleney sagt, dass das Stelleninserat unter die Kategorie No-go falle. «Es geht nicht, dass man von vornherein Frauen abspricht, die zeitlichen Bedingungen zu erfüllen.» Es sei zudem verfehlt, davon auszugehen, dass alle Männer im Gegenzug abends und samstags arbeiten könnten und möchten. «Wir leben in einer Zeit, in der es zum Glück nicht mehr akzeptabel ist, Frauen auszuschliessen.»

Mölleney hätte es besser gefunden, wenn im Stelleninserat die zeitlichen Bedingungen klar formuliert gewesen wären. «So kann man ebenfalls ausschliessen, dass sich Leute bewerben, die die Arbeitszeiten nicht einhalten können.»

«Solche Auswahlkriterien sind nicht zulässig»

Binh Tschan von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich sagt, dass geschlechterdiskriminierende Stellenausschreibungen nicht ausdrücklich verboten seien, sie könnten aber ein Indiz für eine Diskriminierung bei nicht erfolgter Einstellung sein. «Das Geschlecht per se darf nur ein Auswahlkriterium sein, wenn es für die zu erbringende Arbeit wesentlich ist.» Das scheine für die Stelle der stellvertretenden Geschäftsführung des Gastronomiebetriebs nicht der Fall zu sein.

Die von der Inhaberin vorgebrachten Gründe seien klassische Vorurteile beziehungsweise Rollenzuschreibungen. «Solche Auswahlkriterien sind nicht zulässig, da sie Stereotypen sind», sagt Tschan. «Auch Väter sollten doch in der Lage sein, samstags und am Abend die Kinderbetreuung zu übernehmen, damit eine bestens qualifizierte Mutter anspruchsvolle berufliche Tätigkeiten übernehmen kann.»

Das heisst in diesem Fall konkret: Wenn sich eine bestens qualifizierte Frau auf die Stelle meldet und dabei glaubhaft macht, auch zeitlich den Anforderungen entsprechen zu können, dürfte die Inhaberin nicht einzig das Geschlecht als Argument ins Feld führen, um sie nicht anzustellen. «Andernfalls könnte eine solche Frau nach einer erfolglosen Bewerbung eine Geldentschädigung verlangen», erklärt Tschan.

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