Aktualisiert 22.12.2003 14:18

Männer suchen online Hilfe

Die Dargebotene Hand hat vor einem Jahr ein Onlineangebot lanciert. Die erste Bilanz ist positiv: Dank der Email- und Chatberatung wird eine andere Personengruppe als durch die Telefonberatung erreicht: Die Männer.

Der Anteil der ratsuchenden Männer sei mit 50 Prozent bei der Onlineberatung deutlich höher, sagte Tony Styger, der Stellenleiter der Dargebotenen Hand Zürich auf Anfrage. Unterschiede gebe es auch bei den Themen: «Die Probleme, über die wir in den Mails oder im Chat erfahren, sind meistens noch schwieriger».

Oft gehe es um Suizidversuche oder -absichten, Selbstverletzungen und Essstörungen. Not und Hoffnungslosigkeit kämen online mit grösserer Intensität als am Telefon zum Ausdruck, schreibt die Dargebotene Hand am Montag in einer Medienmitteilung. Das Onlineangebot unter www.143.ch sei dringend vonnöten.

Es gebe etliche Menschen, die leichter schreiben würden als telefonieren. Ausserdem sei die Dienstleistung wichtig für Menschen, die wegen Krankheit, Medikamenten, Sprech- oder Hörproblemen gar nicht telefonieren könnten.

400 Kontakte allein bei der Stelle Zürich

Bei der Stelle Zürich gab es laut Styger seit November 2002 rund 400 Kontakte mit den Onlineberaterinnen und -beratern. Sechs Stellen in der Deutsch- und Westschweiz bieten die kostenlose, völlig anonymisierte Dienstleistung an. Sie kann aus allen Regionen dieser beiden Landesteile angefragt werden.

Mails werden innerhalb von 48 Stunden beantwortet. Die Einzelchats stehen während 20 Stunden pro Woche offen. Wie bei der Telefonberatung unter der Nummer 143 sind auch bei der Onlineberatung Freiwillige tätig.

Der Wechsel vom gesprochenen Wort mit hörbaren Emotionen zum «nüchternen» schriftlichen Ausdruck sei für die Mitarbeitenden sehr anspruchsvoll gewesen, heisst es in der Medienmitteilung. Die Organisation habe eine besondere Schulung angeboten. (sda)

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